Besenflug 3. Stunde mit Flaimi

Eine sagenumwobene und berühmte Hexe ist die Kana Sana. Mit ihrer verschrobenen, mürrischen Art eckt sie an viele andere Hexen an, jedoch ist es auch genau diese Persönlichkeit die sie so einzigartig macht. Kana Saga ist eine sehr Naturverbundene Hexe, die zurückgezogen und für sich alleine lebt. Alle zehn Jahre macht sie einen Ausflug in die Menschenwelt um sich eine einzige junge Hexenschülerin zu erwählen; diese wird eine intensive und harte Ausbildung bei ihr absolvieren müssen, wird geistig dadurch aber einen starken Willen und eine mächtige Magie entwickeln können.

Alle paar Jahre brennt daher erneut in der Akademie das Gerücht auf, dass die menschlichen Schülerinnen aufmerksam sein sollen, wenn sie mal wieder in der Menschenwelt unterwegs sind – vielleicht treffen sie ja doch auf Kana Saga und werden von ihr abgeworben … Tatsächlich ist es gar nicht so unwahrscheinlich die alte Hexe in der Menschenwelt anzutreffen. Denn auch unabhängig von dem besagten zehn-Jahres-Zyklus macht sie sich gerne auf in die Menschenwelt. Zum einen, weil sie die Flora liebt und sich gerne neue Setzlinge und Samen mitnimmt, zum anderen aber auch da sie einfach gerne junge Herren beobachtet; und diese sind, für sie, ohne magische Kräfte einfach wesentlich interessanter anzusehen.

Trotz ihrer Faszination für die Jugend, ist die gute alte Hexe stolz auf ihr Alter und käme auch nie auf die Idee ihre Falten zu kaschieren. Auch Kleidungstechnisch möchte sie sich von ihrer Umwelt abheben. Daher befinden sich in ihrem Kleidungsschrank kaum schwarze Umhänge, sondern vor allem leuchtende Farben und gemusterte Kleider. Für das oben benannte abwerben bereits lernender Hexenschülerinnen konstruiert sie in den Wäldern der Menschenwelt magische Rätsel in der Natur. Die Raben und Rehe der Region dienen ihr als Augen und Ohren, so erfährt sie es sofort, wenn jemand in dem Begriff ist ihr Rätsel zu lösen …

Der Hexenakademie steht sie skeptisch gegenüber. Nicht, weil sie die Meinung vertritt das Menschen nichts in der Hexenwelt zu suchen hätten, keinesfalls! Tatsächlich kommt sie selber nur mit den strengen reglementierten Strukturen nicht zurecht, die eine Akademie ihr vorgeben würde. Ansonsten unterstützt sie das schulische Konzept vollkommen. Auch steht sie im guten Kontakt mit Teilen des Kollegiums, dem Hexenrat und der Hexenkönigin. Um ein weiteres Bild ihrer schrulligen Persönlichkeit darzustellen sind noch zwei weitere Punkte aufzuführen: Kana Saga ist der vollkommenen Überzeugung das ein Besen ein Werkzeug zur Reinigung des Hauses ist. Es ist unangenehm und vor allem auch anstrengend lange Strecken mit ihm zurückzulegen, weswegen sie schon seit unheimlich langer Zeit auf einen Mörser umgestiegen ist. Bei sehr langen Flügen lässt sie warmes Wasser in ihn ein und genießt ein entspanntes Bad über den Flug. Aber auch mit Gästen kann sie entspannt die lange Flugzeit so überbrücken und noch entspannte Gespräche aufbauen.

Als echte naturverbundene Waldhexe lebt sie außerdem in einem Baumhaus. Natürlich nicht einem ganz normalen … der Baum auf welchem das Haus steht, hat sie mit einem Fluch belegt – denn was wenn ihr der Wald in dem das Haus steht auf einmal nicht mehr gefällt? Für den Fall der Fälle sollte man gerüstet sein! Schlechtes Wetter, nervige Waldbesucher, Brunftzeit … Es gibt verschiedene Gründe die dafür sorgen könnten das einem der einst gewählte Standort nicht mehr so zusagt.

Daher war es ihr wichtig das der Baum auf dem sie ihr Haus errichtet mobil bleibt und selber entscheidet, wo ein geeigneter Platz für den eigenen Standort wäre. So verwandelte der Fluch den Baum in zwei elegante Hühnerbeine, die sich bei Bedarf auf einen Streifzug durch das Land machen können – und wenn der Standort passt wird das eine Bein eingefahren und das andere Tarnt sich wieder als Baum; oder sie beide buddeln sich in den Boden und das Haus steht vollkommen unauffällig wie jede andere Waldhütte am Boden.

Hexerei und Magie 3. Stunde

Ich bitte die Lehrerin um ein Stück Kreide und räume mein Pult frei. Dann nehme ich mir einen Faden und binde ihn um die Kreide. Das andere Ende des Fadens lege ich möglichst mittig auf den Pult und drücke meinen Daumen darauf. Jetzt ziehe ich mit der Kreide einen Kreis. Anschließend Suche ich mir den obersten mittigen Punkt am Kreis aus und beginne das Pentagramm zu zeichnen. Anschließend nehme ich meinen Zauberstab, lege ihn über das Pentagram, atme tief ein und versuche meine magische Kraft auf meinen Zauberstab zu konzentrieren.

Dann spreche meine Zauberformel: „Water, Waterula, Waterluu! Erdbeere erscheine!“ und konzentriere mich. Etwas unförmig und nur halbreif erscheint eine kleine Erdbeere in der Mitte des Pentagramms und ich freue mich wie eine kleine Königin.

Besenflug 1. Stunde

Da stehe ich nun. Meine erste Flugstunde. Flaimi direkt neben mir. Ich halte meinen Besen in der Hand und begutachte ihn erneut. Er ist wirklich nicht das neueste Modell. Hoffentlich zerbricht er nicht direkt beim ersten Aufstiegsversuch. Unterbewusst beginne ich mir Panik zu machen. Dennoch steige ich, mutig wie ich bin, auf meinen Besen, gehe in die Hocke, konzentriere mich sehr und stoße mich ab, um direkt danach wieder auf dem Boden zu landen. Das war dann wohl nichts. Mist. Und jetzt? Verunsichert schaue ich mich zu meinen Klassenkameraden um und promt fühle ich mich etwas erleichtert.

Ich bin wohl nicht die Einzige, die es nicht schafft beim ersten Versuch zu fliegen. Flaimi jedoch hat es geschafft. Da ich mich im richtigen Moment zu ihr gewandt habe, weiß ich auch endlich, was ich falsch gemacht haben muss. Erst muss der Besen in die Luft und dann sollte ich aufsteigen. Aber wie zum Teufel kriege ich den Besen in die Luft? Ich schaue weiter und höre manche Schülerinnen eine Melodie summen, andere wiederum starren hochkonzentriert auf den Besen. Gedankenverloren beginne ich jetzt auch meinen Besen anzustarren. „Du beherrschst die Äther Magie, richtig Bini?“, fragt mich eine Stimme. Ich reagiere nicht wirklich, da ich viel zu konzentriert darüber nachdenke, wie ich diesen Besen in die Luft bekomme. „Bini!“, die Stimme wird lauter und ich schrecke zusammen. Nachdem ich mich umgewandt habe sehe ich, wie meine Lehrerin Majoané mich etwas säuerlich anschaut. „Ich habe dir eine Frage gestellt“, sagt sie mit einem vorwurfsvollen Blick, „wärst du bitte so freundlich, mir diese zu beantworten?“ Ich schaue sie noch etwas an und denke darüber nach, was sie gerade gesagt hat. Frage, welche Frage? Ich hatte etwas mit „Äther“ gehört. „Fräulein Bini Kion, sind Sie eine Elementarmagierin oder nicht?“, fragt Majoané mich erneut.

Ihre Miene bleibt dabei unverändert. „J-Ja!“, rufe ich. Nur, um zu überspielen, wie peinlich berührt ich gerade bin. „Gut“, die Stimme meiner Lehrerin scheint sich wieder zu beruhigen, „dann musst du 1 versuchen, das Element des Windes zu steuern. Mache deinen Geist völlig leer und versuche die Luft um dich herum zu spüren und zu bündeln.“ „Die Luft spüren und bündeln“, wiederhole ich und versinke wieder in meine Konzentration. Die blonde Lehrerin geht bereits weiter zur nächsten Schülerin, während ich es nach einigen Minuten endlich schaffe meinen Geist zu leeren. Ich versuche die Luft um mich herum zu spüren, dies dauert jedoch einige Minuten, bis ich das Gefühl habe, wirklich etwas zu spüren. Als nächstes konzentrierte ich mich auf meinen Besen, den ich in meiner Rechten Hand halte und da! Ganz langsam und holprig scheint der Besen sich von selbst in der Luft zu halten. Vorsichtig löse ich meine Hand von dem Stil. Ja, er schwebt ziemlich wackelig in einem gewissen Bereich. Ich quieke einmal vor Freude auf, endlich geschafft! Der Besen beginnt dabei zu fallen. Als ich dies bemerke lenke ich wieder all meine Konzentration in den Besen, damit ich ihn einigermaßen gut in der Luft halten kann.

Es dauert ein Weilchen und dann ist er wieder auf der Höhe vor meinem Quieker. Vorsichtig steige ich auf den Besen auf und lege sanft mein gesamtes Gewicht auf den Stil. Es ist verdammt wackelig auf dem Besen und dabei die Konzentration zu halten erst recht. Aber mit ach und krach schaffe ich es halbwegs ruhig auf dem Besen zu sitzen. Endlich finde ich wieder eine Möglichkeit mich umzusehen, was die anderen Schüler gerade machen. Just in diesem Augenblick sehe ich, wie Flaimi aus der Luft abhebt und in einem großen Bogen über den Schulgarten fliegt. Währenddessen kommentiert Majoané was meine Freundin dabei richtig macht und was sie noch optimieren könnte. Interessiert höre ich dabei zu, darf aber nicht vergessen, mich weiterhin in der Luft zu halten. Nachdem Flaimi gelandet ist schaue ich zu unserer Lehrerin, die mich ebenfalls anschaut und mir zunickt.

Das sehe ich als mein Zeichen und konzentriere mich wieder voll auf den Besen, um höher zu steigen. Das Fliegen verschafft mir ein unbehagliches Gefühl, aber auch Endorphine scheinen sich darunter zu mischen. Es ist schon ziemlich aufregend, was da passiert. Der Wind weht mir ins Gesicht und alles unter mir ist viel kleiner, als ich es gewohnt bin. Trotzdem fliege ich sehr wackelig und bin froh, als ich den Flug hinter mich gebracht habe und langsam neben Flaimi auf dem Festen Boden ankomme. Hier fühle ich mich doch definitiv wohler. Der Rest der Stunde verging schneller als sie es tatsächlich war. Nach meiner Landung sagt mir Majoané, ich solle mich noch mehr auf das Element der Luft konzentrieren, um sicherer fliegen zu können.

Und danach bin ich direkt wieder in Gedanken versunken, um zu realisieren, dass ich gerade wirklich geflogen bin. Was es für ein unbeschreibliches Gefühl war aber auch wie beängstigend es war. Und plötzlich fasst mich Flaimi an meinem Arm und lächelt mich an. „Bini? Die Stunde ist vorbei. Kommst du?“, sagt Flaimi mir.

„Oh! Tut mir leid, ich war völlig in Gedanken. Klar, lass uns gehen!“, sage ich euphorisch, nehme meinen Besen und verlasse den Übungsplatz.

Hexerei und Magie 1. Stunde

Gemeinsam mit meinen Freundinnen Mikan und Flaimi mache ich mich auf den Weg zur Manaquelle. Dabei unterhalten wir uns angeregt über die neue Welt, die wir gerade gemeinsam entdecken dürfen.

Die Pflanzen und Bäume sehen so anders aus, als in unserer Welt. Ich blicke mich zu Mikan und Flaimi um und bemerke, wie ihre Augen vor Faszination leuchten. Wirklich wunderschön!
An der Manaquelle angekommen setzen wir uns zusammen auf eine Bank und nachdem unserer Lehrerin bei der ersten Schülerin die Fee erzeugte, konnten wir es kaum abwarten, bis sie zu uns kam. Endlich war ich an der Reihe und konzentrierte mich besonders fest auf meine Fee als die Kugel zu leuchten begann…