Lunastria

Hexenakademie

Zuletzt eingetragen am:
22.10.2026 um 16:25 Uhr
18 Oktober, 2026| LegY| , |
Eine Samhain-Spukgeschichte 🎃

Der Nebel kroch zwischen den uralten Bäumen hindurch, als ich mit Sumire auf dem Arm den Heimweg antreten wollte. Eigentlich sollte unser kleiner Ausflug in den Düsterwald längst vorbei sein. Doch mein Hexenbaby hatte sich geweigert, den geheimnisvollen schwarzen Schmetterling aus den Augen zu lassen, der uns immer tiefer zwischen die Bäume gelockt hatte.

„Sumire, wir gehen jetzt nach Hause“, flüsterte ich.

Sie kicherte nur und zeigte auf einen knorrigen Baum. In seinem Stamm klaffte eine schmale Öffnung, aus der ein bläuliches Licht schimmerte. Plötzlich verstummten die Vögel.

Aus der Dunkelheit ertönte eine Stimme: „Endlich seid ihr da.“

Ich erstarrte. Sumire hörte auf zu kichern und klammerte sich an meinen Umhang.

„Wer ist da?“, fragte ich und umfasste meinen Zauberstab fester.

Zwischen den Bäumen bewegte sich ein Schatten. Er war groß, viel zu groß für einen Menschen, und seine Füße berührten den Boden nicht. Wo sein Gesicht hätte sein sollen, glommen zwei winzige, silberne Lichter. Dann hob Sumire plötzlich die Hand und winkte.

„Nein, Sumire! Nicht winken!“, zischte ich.

Doch da hörte ich ein leises Lachen. Es kam direkt aus dem Baum. Die silbernen Augen richteten sich auf mein Hexenbaby.

„Das Kind kennt mich“, flüsterte die Gestalt. „Es hat mich schon einmal gesehen.“

Ein eisiger Windstoß fegte durch den Wald. Mein Zauberstab erlosch. Als ich ihn hektisch wieder entzünden wollte, hörte ich hinter mir das Knacken von Zweigen. Viele Zweige. Viel zu viele. Ich drehte mich um. Zwischen den Bäumen standen Gestalten. Dutzende. Sie trugen alte, zerrissene Hexenumhänge und hielten ihre Köpfe schief, als würden sie auf etwas lauschen. Auf uns.

Dann flüsterten sie alle gleichzeitig: „Bleibt doch noch ein wenig.“

Ich rannte los. Äste peitschten mir ins Gesicht, der Nebel verschluckte den Weg, und Sumire vergrub ihr Gesicht an meiner Schulter. Hinter uns schwebten die silbernen Lichter durch die Dunkelheit. Immer näher. Immer schneller. Gerade als ich glaubte, mich für immer im Düsterwald verirrt zu haben, tauchte zwischen den Bäumen das Tor zur Hexenschule auf. Ich stolperte hindurch. Mit einem dumpfen Knall fiel das Tor hinter mir ins Schloss. Stille. Ich sank auf die Knie und drückte Sumire an mich. Sie gluckste vergnügt, als wäre nichts geschehen.

„Das war unser letzter Ausflug in den Düsterwald“, murmelte ich. „Versprochen.“

Da entdeckte ich etwas in ihrer kleinen Faust. Einen schwarzen Schmetterling. Er bewegte langsam seine Flügel, obwohl er aus Stein war. Und aus seinem winzigen Körper drang eine Stimme, die nur ich hören konnte:

„Bis zum nächsten Samhain, LegY.“