Lunastria

Hexenakademie

Zuletzt eingetragen am:
22.10.2026 um 16:25 Uhr
12 Oktober, 2026| LegY| , |
Die fliegende schwarze Socke 🦇

Es war ein ganz gewöhnlicher Nachmittag in Lunastria. LeLe und Lyna hatten beschlossen, im Musikzimmer ein wenig zu üben bzw. Unfug zu treiben. LeLe mit
ihren roten Haaren saß am Klavier, während Lyna mit ihren hellrosa Haaren eine kleine Flöte aus ihrem Umhang zog.

„Heute spielen wir ein wunderschönes Lied!“, verkündete Lyna feierlich.

„Solange du nicht wieder versuchst, gleichzeitig zu flöten und zu singen“, murmelte LeLe.

„Das war EINMAL!“

Lyna holte tief Luft und setzte die Flöte an: Piiiiiiieeeeeep!

Plötzlich raschelte es über ihnen. Flatter, flatter, FLATTER!

Eine winzige Fledermaus schoss unter der Decke hervor, sauste im Zickzack durch den Raum und landete kopfüber am Kronleuchter.

„AAAAH! EIN FLIEGENDER SCHWARZER SOCKEN!“, kreischte LeLe und versteckte sich hinter dem Klavier.

„Das ist eine Fledermaus!“, rief Lyna. „Und Fledermäuse sind total harmlos!“

In diesem Moment flog das Tier direkt auf Lynas Gesicht zu.

„ICH NEHME ALLES ZURÜCK! SIE IST EIN FLIEGENDER SCHWARZER SOCKEN MIT ZÄHNEN!“

Lyna duckte sich, LeLe sprang unter dem Klavier hervor und beide rannten im Kreis. Die Fledermaus fand das offenbar ausgesprochen unterhaltsam und machte begeistert mit. Nach drei Runden landete sie auf einer Trompete.

„Wir müssen sie fangen“, keuchte LeLe. „Bevor sie noch anfängt, Unterricht zu geben!“

Lyna hatte eine Idee. Sie nahm einen großen, durchsichtigen Glaskelch vom Regal.

„Wir locken sie mit Musik an! Fledermäuse mögen doch Geräusche.“

„Lyna, Fledermäuse orientieren sich mit Ultraschall. Die werden kaum wegen deiner Flötenkünste freiwillig herkommen.“

„Dann eben mit deinen Klavierkünsten!“

LeLe starrte sie empört an. Doch es blieb keine Zeit für eine musikalische Beleidigung. Sie setzte sich ans Klavier und spielte eine sanfte Melodie. Die Fledermaus hob den Kopf. LeLe spielte lauter. Die Fledermaus flatterte näher. LeLe
spielte ein dramatisches Finale mit beiden Händen. Die Fledermaus ließ sich kopfüber von der Trompete fallen, segelte quer durch den Raum und landete direkt auf Lynas Kopf.

„SIE HAT MICH ALS NEST AUSGEWÄHLT!“, schrie Lyna und wedelte wild mit den Armen.

LeLe hielt sich den Bauch vor Lachen. Dabei stolperte sie über einen Schemel und landete mit dem Hintern in einer großen Pauke.

POMMMMMMP!

Der gewaltige Ton ließ die Fledermaus erschrocken auffliegen. Sie sauste einmal durch den Raum und landete schließlich in Lynas Glaskelch, den diese geistesgegenwärtig zum Schutze hochhielt.

„HA! GEFANGEN!“, jubelte Lyna.

LeLe kroch aus der Pauke. „Sehr gut. Und jetzt bringen wir sie zurück zum Turm, bevor sie noch Eintritt für unser Konzert verlangt.“

Vorsichtig trugen die beiden Elfen den Kelch zum offenen Fenster. Lyna hob ihn an, und LeLe murmelte einen altmagischen Versendungszauber vor sich hin, wobei sie durch das geöffnete Fenster auf den Turm blickte. Das Glas begann zu schweben und eh sich die beiden ihrem Musikspektakel erneut widmen konnten, verschwand das Glas Richtung Turm davon. Einen Moment lang herrschte Stille. Dann sah LeLe ihre Freundin an.

„Weißt du, was ich gelernt habe?“

„Dass Fledermäuse keine fliegenden Socken sind?“

„Nein. Dass wir dringend einen neuen Musiklehrer brauchen.“

Lyna grinste. „Oder wir gründen eine Band! Ich spiele Flöte, du Klavier und unsere Fledermaus singt.“

Aus der Ferne ertönte ein leises Piiiiiiieeep!

LeLe wurde blass.

„Sie hat uns gehört.“

Lyna nickte begeistert. „Unser erster Fan!“

Und während Lyna bereits einen Bandnamen erfand, schwor LeLe sich, das Musikzimmer künftig nur noch mit einem Helm zu betreten.