Lunastria
Hexenakademie
11.10 – 08.11.2026
- Astrolabium Zodiac
27.10.2026 um 15:50 Uhr
Das Flüstern der Nebelweide
Erzählt von Hazel
„Kommt etwas näher an das Feuer und lauscht… Meine Schwester Maru hat mir einmal von einer ganz besonderen Samhain-Nacht erzählt. Einer Nacht, die sie nie vergessen hat – und ihre drei besten Freundinnen Bonnie, Prim und Elea ebenso wenig.
Es war die Stunde, in der die Grenze zwischen den Welten hauchdünn wird. Während die meisten Schülerinnen und Schüler sich längst in die warmen Schlafsäle der Akademie zurückgezogen hatten, schlichen die vier Mädchen hinaus in die kühle, taufrische Nacht. Jede von ihnen trug eine selbst geschnitzte Kürbislaterne. Das sanfte, violette Zauberlicht ihrer Flammen Schnitt wie feine Lichtstrahlen durch den dichten Nebel, der wie weißer Rauch über die Wiese hinter dem Südflügel kroch.
Ihr Ziel war die alte Nebelweide, die seit Jahrhunderten an einem abgelegenen Platz des Schulgartens ragt.
Aus den knorrigen, hohlen Ästen des Baumes erklang an diesem Abend kein gewöhnliches Windheulen. Es war ein leises, melodisches Murmeln – wie ein Chor vieler sanfter Stimmen.
Neugierig, aber auch mit leichtem Herzklopfen, traten Maru, Bonnie, Prim und Elea dicht an den mächtigen Stamm heran. Prim reichte eine Thermoskanne herum, und jede nahm einen Schluck vom dampfenden Salbeitee, um die magischen Sinne zu schärfen. Dann fassten sie sich an den Händen und legten gemeinsam ihre freien Hände auf die raue Rinde der Weide.
In diesem Augenblick wandelte sich der kalte Schauer auf ihrer Haut in eine wohlige, pulsierende Wärme.
Die Mädchen erkannten, dass die Nebelweide kein Ort des Schreckens war. Sie war das lebendige Gedächtnis unserer Akademie! In ihren uralten Jahresringen bewahrte sie die Stimmen, Gedanken und Wünsche all jener auf, die über die Jahrhunderte im Schatten ihrer Krone Schutz vor dem Regen gesucht, Prüfungsängste geflüstert oder heimliche Zaubersprüche ausprobiert hatten. An Samhain erwachten all diese festgehaltenen Augenblicke zum Leben.
Die vier Freundinnen standen eng zusammengekuschelt im Lichtkreis ihrer Laternen und lauschten gebannt bis tief in die Nacht: Sie hörten das ausgelassene Lachen der allerersten Akademieschüler, alte Gesänge aus längst vergangenen Zeiten und die geheimsten Träume ehemaliger Magier. Elea hielt den Atem an bei den alten Zauberformeln, Bonnie lauschte dem Lachen und Prim drückte fest Marus Hand.
Als der erste Morgenstrahl den Nebel teilte und die Stimmen sanft verstummten, wussten die vier, dass sie ein Band fürs Leben geteilt hatten. Und als Maru mir am nächsten Tag mit leuchtenden Augen davon erzählte, versprach ich ihr, diese Geschichte niemals zu vergessen. Deshalb gebe ich sie heute an euch weiter.“













