LUNASTRIA HEXENAKADEMIE

11 März, 2026| Felo| |

Die junge Hexe atmete einmal tief ein und aus. Sie saß auf einem dunkelblauen Sitzkissen vor einer Fensterfront im Inneren des Astrolabiums und betrachtete mit einer leisen Sehnsucht in den Augen die Sterne, die sich vor ihr ausbreiteten wie ein Teppich. Eine phantastische Aussicht. Neben ihr teilten sich Nana und Lolo ein Sitzkissen – die beiden lagen friedlich zusammengerollt und aneinander gekuschelt beisammen und schienen eingeschlafen zu sein. Es war ja auch schon spät. Felos Augen nahmen einen sanften Ton an, während sie kurz ein kleines Deckchen über die beiden Elfenkörperchen zog, damit sie nicht froren.

Erst als sie sich vergewissert hatte, dass es ihren beiden Elfen an nichts mangelte, wandte sie ihren Blick wieder dem Sternenhimmel zu. Ein weiteres tiefes, ruhiges ein- und ausatmen folgte, bevor die junge Hexe ihre türkisfarbenen Augen schloss. Ihre Wahrnehmung verschob sich, ihre Gedanken, ihre Seele regte sich, als wäre sie vom langen sitzen ein wenig taub und verspannt, streckte sich, zog sich zusammen und mit einem Mal machte sie einen Satz durch das Fenster hinaus, wie ein junges Rehkitz, als wäre sie federleicht. Ihre Augenlider flatterten – hatten Seelen Augenlider? – und mit einem Mal war sie tatsächlich ein junges Rehkitz, welches im Wald vor der Sternwarte seiner Mutter tiefer in den Wald folgte.

Müdigkeit spürte die Rosahaarige, das Rehkitz war den ganzen Tag herumgetollt, hatte neues entdeckt und alte Weisheiten seiner Mutter verinnerlicht. Viel hatte es erlebt. Aufrichtige Zuneigung sprühte es in Richtung seiner Mutter, die Mutter, die es beschützte, die es hegte und pflegte, die sein Leben so lebenswert und glücklich machte. Ein wundervolles Gefühl. Kaum dass sich Felo an diese Sensation hätte gewöhnen können, wurde sie aus dem Körper des jungen Tieres gerissen und fand sich Sekunden später schon im nächsten Lebewesen. Ihre starken, agilen Flügel waren bereits ausgebreitet und der Wind pfiff spielerisch durch ihr Federkleid. Der Schrei, den sie willkürlich ausstieß erinnerte an einen Uhu – sie war nun also eine Eule!

Mit kräftigen Schlägen ließ sie die weite Decke aus dicht gewachsenen Tannen hinter sich, Euphorie durchfloss jede Zelle ihres Körpers, und das Adrenalin, welches sich dann mit einem Schlag ausbreitete, ließ sie kurz erzittern, bevor sie plötzlich einen Sturzflug ansetzte! Ihre mit Krallen besetzten Beine stoben nach vorne, direkt auf eine kleine Wühlmaus zu, welche sich an einem See einen kleinen, abendlichen Umtrunk gönnen wollte und dann…!

Dann fand sich Felo plötzlich unter Wasser wieder, Kälte umschloss sie, immerhin war es Nachts noch kalt, wie es sich für einen ausschleichenden Winter im März gehörte. Sie war jedoch nicht allein – sie waren viele. Um sie herum funkelte es silbrig, wenn das Licht des Mondes bis zu ihnen durchs Wasser brauch. Instinktiv wusste sie, wie sie schwimmen musste, um nicht mit den anderen Fischen ihres Schwarms zusammenzustoßen. Sie waren eine Einheit, ein großes Ganzes – und mit einem Mal seufzte Felo leise auf und öffnete wieder ihre Augen.

Sie war wieder hier, in der Sternwarte und strich sanft mit den Fingerspitzen über Lolos Köpfchen, während sie wieder Stück für Stück das Gefühl ihres eigenen Körpers zurückerlangte. Ein sanftes, geheimnisvolles Lächeln umspielte ihre Lippen.