Lunastria

Hexenakademie

Zuletzt eingetragen am:
15.09.2026 um 15:00 Uhr
3 September, 2026| Phinea, Rexesta, Reyes| , |
Präzision im Strich, Funkeln in den Augen

Ein leises Knistern liegt in der Luft des großen Übungssaals der Lunastria Akademie. Es riecht nach geschmolzenem Bienenwachs, feuchtem Pergament und dieser ganz feinen Ozon-Note, die immer entsteht, wenn ein Dutzend Beschwörungskreise gleichzeitig mit Energie gefüllt werden. Die 8. Stunde zieht die Zügel spürbar an: Runen nur zu kennen reicht nicht mehr – heute müssen die Radien, Hastar-Winkel und Strichansätze exakt sitzen, damit die Resonanz nicht mitten in der Formel abreißt.

Phini sitzt aufmerksam auf meiner Schulter, das kleine Elfengesicht neugierig nach vorn gebeugt, und schnuppert an den bunten Magiefunken, die sanft über dem Tisch tanzen. Da ich den anderen an der Akademie bereits ein paar Lektionen vorausbin, geht mir das Erstellen der Beschwörungsformen leicht von der Hand. Umso schöner ist es, zu beobachten, wie sich unsere kleine Gruppe am Tisch gegenseitig trägt.

Ursprünglich saßen wir nur zu dritt zusammen: Rexesta, Reyes und ich. Rexesta geht die Sache gewohnt ruhig und strukturiert an, während Reyes sich mit vollem Fokus in die feinen Bögen vertieft. Als Saiya-Kurumi dann spontan noch als Vierte zu uns stieß, rückten wir einfach ein Stück zusammen. Genau das macht das Leben hier aus – die jüngeren Schülerinnen bringen eine unverbrauchte Begeisterung mit, während wir Erfahrenere den Blick für die feinen Magieströme bewahren.

Immer wieder beuge ich mich kurz rüber, zeige Reyes mit einer sanften Handbewegung, wie der Druck im Stift gehalten werden muss, damit die Rune nicht flackert, oder gebe Saiya einen kleinen Tipp zum Strichansatz bei Sowilo. Phini stippt ab und zu mit einer kleinen Pfote an ein Display oder lunzt über einen Pergamentrand, als wollte sie die Ausrichtung der Kreislinien eigenhändig prüfen.

Namen in Runen zu binden ist eine ganz besondere Magie. Ein Name ist schließlich kein bloßes Wort, sondern der tiefste Anker der eigenen Persönlichkeit. Wenn man den Namen einer Mitschülerin zeichnet, spürt man förmlich, wie sich der Zauber individuell anpasst – die eine Rune zieht die Energie spritzig und hell an, die andere fließt ruhig und tief. Es tut unglaublich gut zu sehen, wie aus einzelnen Zeichen ein gemeinsames magisches Netz entsteht, das am Ende jedem Schutzamulett seine wahre Kraft verleiht.

Als die Energielinien auf unserem Tisch in harmonischem Licht aufglimmen und sich alle vier Namen sauber im Beschwörungskreis verankern, nicke ich glücklich. Die Resonanz steht felsenfest, die Schwingung im Raum ist perfekt und die Gemeinschaft an unserem Tisch fühlt sich magischer an als jeder einzelne Zauberspruch.