Lunastria

Hexenakademie

Zuletzt eingetragen am:
20.08.2026 um 15:35 Uhr
7 August, 2026| Amber| |
Schlosswache – Erster Tag

Der erste Tag bei der Schlosswache machte Amber nervöser, als sie zugeben würde. Sie war aufgeregt, ihre Handflächen waren schwitzig, aber es blitzte auch immer wieder Vorfreude in ihren Augen auf. Sie war bisher der einzige Lehrling in dieser Ausbildung, doch es war die einzig logische Entscheidung, eine Stelle anzutreten, bei der die Praxis im Vordergrund steht.

Immer wieder dachte sie an ihre Mutter, diese schöne, starke Frau, die sich so mutig den düstersten Gefahren entgegengestellt hatte. Auch sie fing einst bei der Schlosswache an, bevor sie zu den Skaturi-Hexen ging. Diese Chance würde sich Amber nicht entgehen lassen. Stolz blickte sie auf, den Rücken durchgedrückt, stand sie da und wartete auf ihre Ausbilderin. Es verging einige Zeit, da hörte Amber ein lautes Poltern. Ohne den Kopf zu drehen, schielte sie in die Richtung, aus der das Geräusch kam. War das…ihre Ausbilderin?

Eine junge blonde Frau lag bäuchlings auf dem breiten Flur des Schlosses, ihre kreisrunde Brille war auf den Boden gefallen und vor ihr lagen viele schwere Bücher und Pergamente. Sie trug eindeutig die Uniform der Schlosswache. Amber setzte sich sofort in Bewegung und half ihrer vermeintlichen Ausbilderin wieder auf die Beine.

“Alles in Ordnung?”, fragte sie besorgt. Die Brille der jungen Frau hatte einen Riss bekommen.

“Urgh, nicht schon wieder”, murmelte sie und mit einem Wischen ihres Zauberstabes war die Brille wieder repariert. “Ja, tut mir leid, solche Dinge passieren mir andauernd.”

“Ich will nicht unhöflich sein, aber wieso haben sie eine solch große Menge Bücher nicht einfach mit einem Schwebezauber belegt?”, fragte Amber vorsichtig.

“Ganz einfach, als Schlosswache musst du nicht nur gut zaubern können, sondern auch körperlich was drauf haben”, zwinkerte sie. “Deswegen trage ich gern alles selbst, quasi zum Aufwärmen vor dem richtigen Training.”

Jetzt erst sah Amber ihre fein definierten Muskeln unter der Uniform durchscheinen. Sie war eindeutig stärker, als sie den Anschein machte. Sie selbst war zwar auch sportlich, doch ein wenig mehr Kraft würde ihr auch ganz gut tun.

“Heute zeige ich dir erstmal das Gelände und gebe eine kleine Einführung in unsere Aufgaben, bevor du dich zum Nachmittagstraining mit den Rookies einfindest.”

Motiviert nickte Amber und folgte ihr durch die breiten Korridore des Schlosses. Sie hatte ihr die Hälfte der Bücher abgenommen, um selbst ein bisschen warm zu werden und musste sich direkt fragen, ob Bücher schon immer so schwer waren oder ob diese Exemplare vielleicht extra schwer gezaubert wurden.

Das Schloss war aus prächtigem Marmor erbaut und dennoch wirkte es bescheiden. Es gab keinen übermäßigen Prunk, keine goldenen Ornamente oder Vasen, keine Vorhänge aus Samt, es war funktional. Es gab lediglich magische Verzierungen, blaue Mana-Stränge, die durch den Marmor pulsierten, fliegende Lichter, die für angenehme Beleuchtung sorgten.

“Mein Name ist übrigens Cecilia, ich werde mich während deiner Ausbildung vorrangig um dich kümmern, doch du wirst sicher auch mit anderen Mitgliedern der Schlosswache auf Missionen gehen.”

“Freut mich Cecilia, ich bin Amber Rose.”

Cecilia lächelte sanft. “Das wissen wir natürlich bereits alle. Deine Mutter war eine herausragende Hexe, ich bin sicher, dass die älteren Mitglieder dir bestimmt gern von ihr erzählen.”

Amber blinzelte überrascht und nickte dann nur. Man kannte sie also bereits aufgrund der Erfolge ihrer Mutter. Ob das auch die Erwartungen an sie selbst in die Höhe trieb? Egal. Sie ließ sich davon nicht beirren. Auch sie würde sich behaupten und gute Arbeit leisten.

Nachdem sie alle Räumlichkeiten besucht und die anwesenden Mitglieder begrüßt hatten, begaben sich die beiden Hexen auf den Trainingsplatz, wo die heutige Arbeitseinheit stattfand. Dort angekommen sah Amber bereits eine andere Hexe beim Training, sie hatte kurzes braunes Haar, gelb grüne Augen und hellbraune Haut. Ihr Blick war forsch und durchdringend.

“Keine lange Einführung”, sagte Cecilia und klatschte in die Hände. “Amber, das ist Colette, sie kam kurz vor dir zu uns. Du wirst dich mit ihr duellieren, damit ich deinen derzeitigen Stand einordnen kann.”

Colette grinste verschmitzt und zeichnete mit ihrem Stab direkt und blitzschnell eine Steinrune in die Luft. Der Boden unter Ambers Füßen wurde zu einer Fallgrube und sie musste schnell reagieren. Mit ihrem Amulett ließ sie einen kleinen Tornado erscheinen, der sie vor dem Fall bewahrte.

“Hey, wie wär’s mit einer kurzen Begrüßung, bevor du mich unter die Erde bringst?”, fragte Amber mit einem genauso frechen Grinsen, wie es auf Colettes Gesicht zu sehen war. Die beiden waren auf einer Wellenlänge, soviel war klar.

“Mein Zauber hat dich doch ganz liebevoll begrüßt”, feixte sie und zeichnete gleich im Anschluss eine Pflanzenrune, die dafür sorgte, dass Ambers Füße von dicken Ranken umklammert wurden und sie wieder zu Boden riss. Nicht sehr elegant landete sie im Sand, ließ das aber nicht auf sich sitzen. Eine Feuersalve ließ die Ranken zurückweichen und Amber raffte sich sofort auf, um ihrer Gegnerin entgegen zu rennen.

Colette war verblüfft über diese sehr offensive Vorgehensweise, sodass ihre Fallenrune einen Moment zu spät kam, denn Amber war bereits zu nah und sie wurden beide in einen magischen Käfig gesperrt. Auf engstem Raum wurden die beiden nun aneinander gedrückt, kamen nicht mehr an ihre Stäbe und peinlich berührt schwiegen sie einen kurzen Moment.

“Ich würde sagen, das ist ein unentschieden”, gab Colette zähneknirschend zu.

“Das stimmt, aber wir sollten hier trotzdem allein rauskommen. Wenn Cecilia uns helfen müsste, wäre mir das ganz schön peinlich”, flüsterte Amber. “Warte, ich schau mal, ob ich mich ein wenig drehen kann, wenn du an deinen Runenstein kommst, kannst du die Falle doch bestimmt annullieren?”

Amber versuchte, sich zu drehen, aber der Käfig war einfach zu eng.

“Das ist ja unmenschlich eng, nächstes Mal, mach ich den Käfig größer”, presste Colette angestrengt hervor.

“Können wir uns erstmal auf den aktuellen Käfig konzentrieren, bevor du den nächsten planst?”, fragte Amber genervt. Plötzlich löste sich der Käfig und eine sichtlich genervte Cecilia trat neben die beiden, die nun zu Boden gesunken waren.

“Mist”, fluchte Colette leise.

“Okay, ich denke, wir müssen nicht darüber reden, dass ihr euch beide nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert habt”, seufzte sie und fuhr dann fort. “Colette, du hättest den Zauber abbrechen müssen, Amber war dir bereits viel zu nah. Stell dir nur vor was ein feindliches Wesen oder ein anderer Zauberer hätte anstellen können, wenn ihr gemeinsam in diesem Käfig gewesen wärt.”

Colette sah betreten zu Boden, die Vorstellung war wirklich beängstigend, sie hatte nicht nachgedacht.

“Und Amber, dein Manöver war zwar kühn, jedoch undurchdacht und hat euch beide in eine prekäre Lage gebracht. Das nächste Mal, wenn du so stur vorpreschen willst, musst du den passenden Zauber bereits im Kopf, wenn nicht bereits ausgeführt haben, sonst bringt dir das Aufschließen zum Feind gar nichts.”

“Ja, Ma’am”, sagte Amber mit fester Stimme.

“Für heute war es das, ich denke, ihr habt euch gegenseitig ein wenig kennengelernt. Beim nächsten Mal werde ich euch auf Patrouille in die Stadt mitnehmen, wir werden spät abends die Straßen sichern, bereitet euch entsprechend darauf vor.”

“Jawohl”, sagten Amber und Colette unisono.