Lunastria

Hexenakademie

Zuletzt eingetragen am:
01.08.2026 um 11:40 Uhr
Der erste Schultag / die besonderen Schulregeln

Liebes Tagebuch,

ich kann es immer noch kaum glauben… ich bin jetzt wirklich ein Teil einer Hexenschule geworden. Eine richtige Schule voller Magie, Geheimnisse und Dinge, die ich wahrscheinlich noch lange nicht alle verstehen werde. Alles fühlt sich noch so neu an. So fremd und gleichzeitig irgendwie vertraut.

Vielleicht liegt es daran, dass hier so viele verschiedene Wesen zusammenkommen. Jeder trägt seine eigene Geschichte, seine eigene Magie und seine eigenen Geheimnisse mit sich herum. Es ist schön zu sehen, dass nicht nur Hexen hier lernen, sondern ganz unterschiedliche Wesen ihre Fähigkeiten entdecken können.

Papa meinte, wenn ich mich hier irgendwann verloren oder unwohl fühlen sollte, dann soll ich einfach abends zum Mond hinaufsehen. Das ist eine alte Familientradition, die wohl eher den Lycanern zuzuordnen ist als den Marulin. Kein Wunder eigentlich… schließlich ist Papa ja auch einer von ihnen.

Manchmal frage ich mich, welcher Teil von mir wohl stärker ist. Mein Luchswesen, das jede kleine Veränderung in der Umgebung wahrnimmt und lieber erst beobachtet, bevor es handelt? Oder meine lycanische Seite, die diese besondere Verbindung zum Mond und zur Nacht spürt? Vielleicht muss ich mich aber auch gar nicht entscheiden. Vielleicht machen genau diese beiden Seiten mich zu dem, was ich bin.

Mama hat mir diese wunderschöne Kette geschenkt. Sie hat die Form eines Halbmondes und seitdem trage ich sie fast immer bei mir. Ich weiß nicht, ob wirklich Magie in ihr steckt, aber jedes Mal, wenn ich sie berühre, fühle ich mich ein wenig mutiger. Als würde sie mich daran erinnern, dass ich mehr schaffen kann, als ich manchmal glaube.

Keine Ahnung, wie Mama das immer macht. Sie schafft es einfach, einem Sicherheit zu geben. Vielleicht ist das ihre ganz eigene Magie.

Ich war die ganze Nacht vor meinem ersten Tag so nervös, dass ich immer wieder die Schulregeln gelesen habe. Es gibt so viele Regeln und Geheimnisse zu entdecken. Zwei davon sind mir besonders im Gedächtnis geblieben.

Die erste Regel, die ich besonders wichtig finde, ist der respektvolle Umgang miteinander. An der Hexenschule kommen so viele unterschiedliche Wesen zusammen und jeder hat seine eigene Herkunft, seine eigene Geschichte und seine eigene Magie. Niemand sollte wegen seiner Fähigkeiten oder seines Wesens schlechter behandelt werden.

Ich musste dabei an mich selbst denken. Als Luchs-Wesen mit einem Teil Lycanerblut passe ich vielleicht nicht in jede Schublade. Aber genau deshalb finde ich diese Regel so wichtig. Jeder sollte die Möglichkeit bekommen, so akzeptiert zu werden, wie er ist.

Die zweite Regel, die ich spannend finde, betrifft die Hilfestellung. Wenn jemand bei einer Aufgabe oder einem Rätsel nicht weiterkommt, darf man natürlich nach Hilfe fragen. Aber die Lösung einfach weiterzugeben, nimmt anderen die Chance, etwas selbst herauszufinden.

Heute habe ich diese Regel in der Bibliothek verstanden. Während ich dort ausgeholfen habe, habe ich zwischen den alten Büchern ein besonderes Regal entdeckt. Es war nicht nur irgendein Regal, denn zwischen den Büchern befand sich eine kleine Gravur mit einem Symbol aus Mond und Pfote. Daneben stand ein Rätsel:

„Ich schlafe am Tag und wache in der Nacht, ich folge dem Mond und halte stille Wacht. Ich habe Krallen, doch bin kein Feind, wer mich sucht, muss wissen, was verborgen scheint.“

Ich habe eine ganze Weile darüber nachgedacht. Zuerst wollte ich einfach jedes Buch herausziehen und nachsehen, aber irgendetwas sagte mir, dass das nicht der richtige Weg war. Also habe ich genauer hingesehen und meine Umgebung beobachtet. Schließlich entdeckte ich einen kleinen Pfotenabdruck im Staub, der zu einer versteckten Stelle am Regal führte.

Dort fand ich ein altes Buch über Heilmagie. Ich war unglaublich stolz, dass ich das Rätsel selbst lösen konnte. Hätte mir jemand einfach die Antwort verraten, wäre dieser Moment wahrscheinlich nicht derselbe gewesen.

Ich glaube, jetzt verstehe ich auch besser, warum diese Regel so wichtig ist. Es geht nicht nur darum, etwas zu wissen, sondern darum, selbst zu lernen und eigene Entdeckungen zu machen.

Schon seit dem ersten Tag fühle ich mich hier irgendwie wie zu Hause. Solange man freundlich und respektvoll miteinander umgeht, scheint vieles möglich zu sein. Trotzdem finde ich es ein bisschen merkwürdig, dass so etwas extra in den Regeln stehen muss. Freundlichkeit sollte doch eigentlich selbstverständlich sein… oder? Aber vielleicht hat nicht jedes Wesen die gleichen Erfahrungen gemacht.

Die Schulleiterin meinte auch, dass man jederzeit um Rat fragen darf, wenn man bei etwas nicht weiterkommt. Das finde ich schön, denn es zeigt, dass Regeln nicht dazu da sind, jemanden einzuschränken, sondern damit alle miteinander lernen können.

Nach der Bibliothek habe ich noch ein paar Schulsachen im Schreibwarenladen besorgt. Fast hätte ich das vergessen, aber zum Glück ist es mir noch rechtzeitig eingefallen. Wäre ja peinlich, wenn ich schon am Anfang ohne wichtige Sachen dastehen würde.

Jetzt werde ich noch einen Spaziergang machen. Vielleicht finde ich ein paar wilde Heilkräuter oder entdecke etwas anderes Spannendes. Nachts draußen unterwegs zu sein fühlt sich für mich besonders an. Ruhiger. Vertrauter.

Vielleicht liegt es am Mond. Vielleicht an meinem Luchsinstinkt. Vielleicht an meiner lycanischen Seite.

Oder vielleicht daran, dass ich langsam wirklich anfange, hier anzukommen.

Bis dahin,

deine Saiya