Aufgeregt setzte ich mich auf meinen Platz. Ich brachte meine eigene Kristallkugel mit, da sie mir ein gewohntes, sicheres Gefühl gab. Einige andere Schülerinnen, wie beispielsweise Hazel, taten dies ebenfalls. Andere erhielten von Professorin Celestine eine Kugel von der Schule. Alle nahmen ihre Stifte, Hefte und weitere Zauberutensilien aus den Taschen und bereiteten sich auf die Prüfung vor. Professorin Celestine teilte uns mit was wir zu tun hatten. „Eure Prüfungsaufgabe ist folgende: Sagt den Tagesablauf einer der Eulen in der Hexenpost vorher. Beobachtet genau und beschreibt, was ihr seht – von ihren Flugrouten bis hin zu möglichen Begegnungen, die sie erwarten. Anschließend sollt ihr noch eine Szene festhalten.“ Hazel und ich schauten uns an. „Hazel, ich bin aufgeregt. Ich hoffe ich schaffe den Test.“ „Mach‘ dir keine Sorgen, Rikku. Du kriegst das hin, ich glaub an dich!“ Professorin Celestine unterbrach uns und teilte uns das Zeitlimit mit. „Ihr habt Zeit, bis die Sanduhr ausgelaufen ist. Setzt euch nicht unter Druck und entspannt euch, damit ihr genaustens Vorhersagen könnt.“ Und somit begann die Prüfung.
Ich nahm meinen Siegelstein, der ein Siegel auf den Tisch malte. In die Mitte setzte ich die Kristallkugel. Ich atmete tief durch und sah in die Kugel, konzentriert versuchte ich an nichts anderes als die Aufgabe zu denken. Langsam formte sich etwas. Ein Turm, eine Eule – nein zwei, drei. Der Eulenturm nahm richtige Gestalt an und meine Kugel fokussierte nun diese eine Eule. Sie war klein, braun mit beigem Bauch und gelben Augen. Sie saß auf einem Ast, darunter stand ihr Name. Ebony. Ebony beobachtete geduldig die Kobolde, die gerade noch die Briefe sortierten. Ein Kobold kam auf sie zu, verkleinerte die Briefe und steckte sie in das kleine lederne Täschchen an ihrem Fuß. Es schien sie nicht weiter zu stören.
Plötzlich flog sie los, hoch in den Turm durch ein kleines Fenster. Ebony flog sehr hoch. Unter ihr konnte man die kleinen Bäume, Wege und Häuser sehen. Auch ein paar winzig kleine Hexen konnte man erahnen. Alles sah aus, als wäre es ein kleines verzaubertes Miniatur-Astraea. Ebony flog sanft und leise Richtung Abendrot. Nach einige Minuten geschah etwas wunderliches. Irgendetwas stürzte auf sie herab und wollte sie greifen, doch streifte nur ihren Flügel. Ebony erschrak und schaute sich panisch um. Ein weiterer Angriff. Es war ein Habicht, der es auf Ebony abgesehen hat. Auch dieses Mal konnte sie ausweichen aber wie lange sollte sie das durchhalten? Ebony stürzte in die Tiefe Richtung Wald fing sich gerade noch ab und plumps… landete in einer Pfütze. Der Habicht versuchte ihr hinterher zu fliegen aber verlor sie letztendlich unter den Baumkronen. Damit sie auch nicht von Angreifern auf den Boden erhascht werden konnte, schüttelte sie sich schnell das Wasser ab und flog auf einen Ast. Sie wartete den passenden Moment ab um erneut in die Lüfte abheben zu können. Aufgeplustert saß sie und pickte sich ihr Federkleid zurecht. Ein Weilchen verging und sie fühlte sich ruhiger. Ihr kleines Eulenherz schlug wieder in einem normalen Rhythmus.
Es war bereits dunkel geworden. Ebony entschied sich nah den Baumkronen zu fliegen, falls der Habicht erneut auftauchen sollte. Der weitere Flug war zum Glück ereignislos. Sie begann Helvik unter ihren Flügeln zu sehen und näherte sich den Häusern. Auf magische Weise kamen die Briefe aus dem ledernen Täschchen hervor, vergrößerten sich und schwebten in die Briefkästen der Adressanten. Einige Hexen hielten Ebony kleine Cracker aus dem Fenster, die sie mit Freuden annahm und auf dem nächsten Laternenpfahl verputzte.
Auch der Rückweg von Ebony war seicht und ruhig. Ihre Route hatte sie erledigt. Nun war es Zeit für sie einfach mal Eule zu sein. Sie spielte; fing Mäuse; putzte sich und beobachtete den Mond, hinter schleierhaften Wolken. Allmählich brach der Tag an. Die Sonne schüttete eine rote Welle Licht über das Land und Ebony flog zurück zum Eulenturm. Kobolde arbeiteten fleißig, doch für Ebony hieß es nun schlafen zu gehen. Sie setzte sich in ein kleines Nest, kuschelte sich ein, verbarg ihren Kopf in ihren Federn und schlief ein.















