LUNASTRIA HEXENAKADEMIE

Die fünfte Stunde begann ungewöhnlich geheimnisvoll. Als alle Schülerinnen im Unterrichtsraum saßen, trat Professorin Estrella langsam nach vorne und legte eine kleine silberne Glocke auf ihren Tisch.

Kling. Sofort wurde es still.

„Für eure heutige Aufgabe“, sagte sie ruhig, „müsst ihr eine magische Kristallkette finden. Wo sie verborgen ist, weiß niemand außer der Magie selbst.“

Die Schülerinnen blickten sich nervös an.

„Ihr bekommt keinen Hinweis auf den genauen Ort. Sucht aufmerksam. Vertraut euren Instinkten.“

Mehr sagte Professorin Estrella nicht.

Die Suche begann in der ganzen Schule. Einige Schülerinnen liefen sofort in die Bibliothek, andere suchten auf dem Dachboden oder in den verzauberten Gärten. Ich jedoch hatte ein seltsames Gefühl, was mich immer wieder in Richtung Keller zog.

Gemeinsam mit Phini stieg ich die alte Steintreppe hinunter.

Die Kellergewölbe waren düster und geheimnisvoll. Dort unten experimentierten angehende Hexen mit Zaubertränken. Zwischen hohen Regalen standen Kessel, aus denen bunter Dampf aufstieg. Aus den beiden Übungsräumen hörte man Zaubersprüche und hektisches Durcheinander.

Plötzlich ertönte ein lauter Knall.

BOOOOM.

Ein magischer Schutzkreis erschien sofort an der Decke und löschte Funken und Rauch mit einem Wasserzauber.

„Automatischer Feuerlösch- und Knallschutzzauber aktiviert“, erklang eine magische Stimme.

Zwei ältere Schülerinnen kamen hustend aus einem der Räume.

„Der Trank war wohl zu stark …“

Ich musste leicht lachen, doch dann begann ich weiterzusuchen. Ich sah unter alte Arbeitstische, zwischen Kisten voller Kräuter und hinter staubige Regale. Aber ich fand einfach nichts 

Die Kellergewölbe wirkten endlos.

Gerade als ich dachte, ich hätte mich verirrt, bemerkte ich zwischen einigen alten Flaschen ein schwaches Funkeln.

Ganz hinten, versteckt hinter einem Stapel alter Zauberbücher, lag etwas im Schatten.

Vorsichtig schob ich die Bücher zur Seite.

Dort befand sich eine wunderschöne goldene Halskette mit einem leuchtenden Kristallanhänger.

Für einen Moment wurde alles still.

Als ich die Kette in die Hände nahm, begann der Kristall sanft zu leuchten, als hätte er nur darauf gewartet, gefunden zu werden.

In diesem Augenblick erschien Professorin Estrella plötzlich hinter mir.

„Du hast sie also gefunden“, sagte sie mit einem kleinen Lächeln.

Ich nickte überrascht. „Ich wusste nicht einmal, ob ich am richtigen Ort suche.“

Professorin Estrella trat näher.

„Genau darum ging es bei dieser Prüfung. Wahre Magie führt dich nicht mit Karten oder Hinweisen. Sie prüft, ob du Geduld hast, aufmerksam bleibst und deinem Gefühl vertraust.“

Ich blickte auf die leuchtende Kristallkette in meinen Händen und spürte zum ersten Mal, dass ich wirklich eine Hexenschülerin geworden war.