LUNASTRIA HEXENAKADEMIE

  • Der Winter kommt
    15 November, 2025||
28 November, 2025| LegY|

Ich spürte schon ein Kribbeln in den Händen, als Professorin Jeanie uns in die Werkstatt führte, doch diesmal lag etwas anderes in der Luft – etwas, das wie schimmernde Erwartung roch. Zwischen Samtrollen und Perlenkisten standen heute auch kleine, mit Schutzrunen verzierte Fläschchen bereit. Maskenbau, sagte sie. Und doch ahnte ich, dass wir heute mehr erschaffen würden als bloßen Schmuck für einen Ball.

Ich suchte mir ein Stück weißen Samt, so weich wie Wintermondlicht, und streifte darüber, bis mir die Idee des Fuchses wieder in den Sinn kam. Weiß und still. Doch seine Augen – sie sollten smaragdgrün funkeln wie Wälder, die alte Geheimnisse flüstern.

Zuerst legte ich den Umriss an, mit Buntstiften, deren Farben sich seltsam lebendig verhielten. Die Linien schienen zu glimmen, als wüssten sie bereits, was aus ihnen werden sollte. Dann befestigte ich mit etwas Kleber feine Spitzenornamente an den Rändern. Doch der Leim glitzerte auf eine Art, die nicht ganz… normal war. Er schimmerte als hätte sich darin ein Sternenrest verfangen.

Ich griff nach dem kleinen Döschen Glitzer – eigentlich nur ein gewöhnlicher Zusatz. Doch als ich die Dose öffnete, stieg ein leiser, silbrig klingender Ton auf, wie ein kaum hörbares Lachen. Der Glitzer legte sich in zarten Bahnen über den Samt, und ich hatte das Gefühl, als würde er von selbst seinen Weg suchen, als würde er die Form des Fuchses erkennen.

Dann fand ich das Fläschchen Feenstaub. Professorin Jeanie hatte uns gewarnt: Nur einen Hauch verwenden. Doch sogar ein Hauch war genug, um den Raum kurz in pastellfarbenes Licht zu tauchen. Ein dünner, schimmernder Schleier legte sich über die Maske – nicht sichtbar wie Schmuck, aber fühlbar wie Atem einer fremden Welt.

Als ich die smaragdgrünen Glassteine für die Augen einfügte, gab ich einen Tropfen LunLacrima-Trank auf jeden Stein. Der Trank, eine klare Flüssigkeit wie Trauer und Hoffnung zugleich, zog winzige Risse im Licht. Für einen Moment wirkte es, als schimmerten die Augen der Maske feucht – lebendig. Wach.

Zum Schluss nahm ich die Papionella-Blume, eine zarte Blüte, deren Blätter im Licht wie schillernde Flügel wirkten. Ich befestigte sie an der rechten Seite, und im selben Atemzug flatterte ein kaum sichtbarer Funken von ihr auf, als hätte sie kurz geschlagen wie ein Herz oder ein Schmetterling.

Als ich die Maske aufsetzte, wurde es um mich herum ungewöhnlich still. Mein Atem hallte in mir selbst wider, und durch die smaragdgrünen Augen sah ich die Werkstatt anders – klarer, schärfer, tiefer. Ich hörte ein Rascheln, das nicht von Stoff kam, sondern eher von Schritten auf Schnee. Und dann, hinter meinem eigenen Herzschlag, glaubte ich den Laut eines weißen Fuchses zu hören, der irgendwo weit in mir aufwachte.

Als ich die Maske abnahm, pulsierte der Feenstaub einen Herzschlag lang, der LunLacrima-Schimmer zog sich wie Nebel zurück, und die Papionella-Blume schloss ihre Flügel.

Professorin Jeanie betrachtete sie lange – zu lange. Dann lächelte sie, sanft und wissend.

„Diese Maske,“ sagte sie leise, „kommt mit zum Ball. Und vielleicht… findet auch das Wesen darin seinen Weg.“

Ich wusste nicht, ob sie den Fuchs meinte – oder mich.
Aber ich spürte, dass die Antwort mich früher oder später finden würde.