LUNASTRIA HEXENAKADEMIE

  • Sommerzeit
    10 August, 2025||
7 August, 2025| LegY|

Auf nach Bresea! Ich schnappte mir LeLe und meinen Besen und flog zu sagenumwogenden Insel südlich des Schlosses. Die Meeresbrise war warm und reich an Salz. Ohne das Wasser berührt zu haben, bildete sich ein leichter Salz-Film auf meiner Zunge. Wunderbar, dachte ich und freute mich auf dass was vor mir lag.

Am Strand angekommen, wurde ich sofort in die Obhut von Phoebe, die Inselhüterin, genommen, die mich in einige wichtige Verhaltensregeln einwies. Phoebe war sehr freundlich und ihr Wesen ähnelte einer Erdbeere. Dennoch wurde sie stock ernst bei der Nennung der Verhaltensregeln:

1) Gehe niemals abseits der festen Pfade!
2) Esse und nehme nichts an, was du nicht kennst!
3) Lasse dich niemals auf ein Rätsel ein!
4) Bist du in Not, spreche folgenden Teleportzauber: „subitus morbus!“

Phoebe nannte noch einige Namen von Hexen, die sich nicht dran hielten und schwer verletzt geborgen worden sind. Natürlich gab es in der Vergangenheit auch Hexen, die ganz verschwanden. Nachdem sie zu sprechen aufhörte, vernahm sie die entstandenen Stille der Einschüchterung mit vollster Zufriedenheit, da es von größter Wichtigkeit war, sich an diese Regeln zu halten.

Ausgerüstet mit Elfe, Zauberstab, und Gartenwerkzeugen, sowie einen Kräuterbeutel, ging es auch schon los. Meinen Besen musste ich am Strand zurück lassen. Nahe das Strand begann eine abgezäunte Wildnisgrenze, die nur betretbar an drei Stellen war. Da wo feste Pfade in das Dickicht gingen.

Ich entschied mich für den Pfad, der am wenigsten ausgetreten war, da ich vermutete, dass sich das Peprit Kraut dort niederlassen würde, wo es am wenigsten befürchten musste gefunden zu werden.

Es war warm und sonnig, nur unter dem riesigen Blätterdach kaum spürbar. LeLe schmiegte sich an mich, da ihr die Umgebung und die seltsamen Geräusche nicht geheuer waren.

Nach einer halben Stunde kam ich an die erste Abzweigung. Der Weg teilte sich an einem vermoosten Stein auf dem ein blauer Knollenpilz wuchs. Ich hielt inne und fragte LeLe welchen Weg sie nehmen würde. Bevor sie reagieren konnte erklang plötzlich eine Stimme:

„Ich öffne den Weg mit trügerischem Sinn,
doch wer mich betritt, der steckt schnell darin.
Ich locke mit Ködern, bin still und gemein,
was einmal gefangen, das kommt selten frei’n.
Was bin ich?“

Wir drehten uns verdutzt um, und sahen das der blaue Knollenpilz jetzt mit allen Gliedmaßen und kleinen schwarzen Augen auf dem vermoosten Stein saß und uns frech beäugte. Ein Pilzgolem! LeLe fing an zu zittern und zupfte an meinem Hexenhut.

Ich wandte mich vom Pilzgolem ab, ohne seine Frage zu beantworten, denn es war verboten sich auf Rätsel einzulassen. Der Pilzgolem sprach sein Rätsel erneut aus, doch ich blieb abgewandt. Mit einem lauten Knall verschwand der Pilz inklusive Stein und offenbarte einen dritten Pfad. Ich überlegte kurz und wusste natürlich die Antwort auf das Rätsel: Falle! Bedeutete, dass das keiner der ursprünglichen Pfade der richtige gewesen wäre? Mutig ging ich den dritten Pfad entlang.

Nachdem mir von einer Kletterpflanze der Kräuterbeutel gestohlen worden ist und ich vor giftigen Stechfliegen fliehen musste, landeten wir nach einer gefühlten Ewigkeit auf einer kleinen Lichtung, die gar nicht ins Bild passte. Mitten auf der Lichtung stand ein kleiner Busch mit goldenen Früchten. Um den Busch rum wuchs ein sogenannter Feenkreis, ein Rand aus kleinen grünen Pilzen. LeLe folg begeistert auf den Busch zu, als würde sie die Früchte kennen, als ich mich schon in voller Panik rufen hörte: „accio LeLe!“. Sie flog durch meinen Zauber zurück zu mir und guckte ganz verdaddert. Ich hielt sie jetzt fest und deutete auf den Busch. „Sieh genauer hin LeLe!“, forderte ich sie auf und sprach dann: „revelare!“

Ganz langsam verblasste die Fata Mogana des Beerenbusches und gab ein Geschöpf preis, welches einem Gänsehaut bereitete. Über dem Busch ragte ein weißer fast transparenter Körper auf sechs langen dürren Beinen hervor. Zwischen den Beinen war ein filigranes Netz gesponnen und die angeblich golden Früchte waren eingesponnene Opfer, die an Fäden herab hingen. Dieses Wesen was dort stand und keine Augen zu haben, war ein Imago Fallax. Ein Spinnenwesen aus der Geisterwelt. Einmal in den Fängen eines Fallax und du bist verloren.

Ich blieb noch einige Sekunden schockiert dort stehen und traute meinen Augen nicht, bis ich es schaffte die Flucht zu ergreifen, bevor das nächste Trugbild erschaffen werden konnte.

Langsam dämmerte es und ich fragte mich, ob wir es je schaffen würden das Peprit Kraut zu finden. Tapfer gingen wir weiter, stehts begleitet durch ein Rascheln hinter dem Grünen und komischen Klängen, die von tierisch bis (un)menschlich gingen. Ständig bereit sich wehren zu müssen.

Letztlich kamen wir zu einem Hügel etwas oberhalb der Baumgrenze. Wo wir von dort aus freie Sicht auf das Meer hatten. Ich entschied mich für eine Pause und die riesige Baumweide mitten auf dem Hügel bat sich an, sich dort niederzulassen. Der Himmel färbe sich jetzt tief orange und ich überlegte, die Suche abzubrechen. Ich war aber so erschöpft, dass ich eindöste und LeLe ebenfalls.

Als wir erwachten war die Sonne untergegangen und die Insel rings rum in völlige Dunkelheit getaucht. Oh nein! dachte ich und zögerte aber noch den Teleportzauber auszurufen. LeLe zog mir am Ärmel und fing an zu fiebsen. Ich drehte mich um, um zu sehen was sie wollte. Sie zeigte auf die Weide. Die Weide musste das Alter von 1000 Jahren schon überschritten haben und stand trotzdem stoz an Ort und Stelle. In der Weide kurz über ihrem Wurzelwerk klaffte ein großes Astloch, welches ich bei unserer Ankunft gar nicht bemerkt hatte. Hauptsächlich schwarz und hol, konnte man dennoch tief im Loch ein leichtes lilanes Leuchten wahrnehmen. Ich kletterte auf die Wurzeln, um zu sehen was sich im Loch verbarg und fing an zu lachen. In der Weide verbarg sich eine kleine Wiese reich an Peprit Kraut. Ich zauberte einen neuen Kräuterbeutel herbei und pflückte ein Drittel der Fläche ab.

Danach rief ich den Teleportspruch aus, verabschiedete mich von Phoebe und flog erleichtert mit dem Wissen die Prüfung Gartenpraxis bestanden zu haben zum Schloss zurück.