Die letzte Etappe! Ich bin mitten in einer anspruchsvollen Stationsarbeit und endlich ist es nicht mehr weit und ich kann an der Prüfung für Gartenpraxis teilnehmen. Nachdem ich von Professorin Mandragora eine kleine blühende Pflanze bekommen habe, saß ich nun in einer der Verdunkelungsräume. Ziemlich beklemmendes Gefühl, aber meine kleine Elfe LeLe war direkt neben mir. Der Verdunkelungsraum soll dabei helfen, selbst das kleinste Leuchten, bewirkt durch einen Zauber, sehen zu können. Denn in den seltensten Fällen schafft es eine angehende Hexe Blüten sofort zum strahlen zu bringen. Ich versuchte es.
In dem Raum war es so dunkel, dass ich wirklich nichts sehen konnte. Ich schloss meine Augen trotzdem, um mich besser auf meinen Zauber und mein Gefühl für magische Ströme konzentrieren zu können. Die blühende Pflanze hielt ich dabei fest in meinen Händen. Zunächst passierte nichts. Die ersten unsicheren Gedanken schossen mir in den Kopf, was nicht hilfreich war, da ich mich nicht ablenken lassen durfte.
LeLe spürte meine Unsicherheit sofort und steckte ihre kleinen Hände unter meine Haare, berührte meine Kopfhaut und fing an in harmonischen Klängen zu Summen. Als würde lauwarmes Wasser von meiner Kopfspitze über meinen ganzen Körper laufen, verbreitete sich ein wollig warmes Gefühl in mir aus und ich entspannte mich.
Ich fokussierte meine Gedanken wieder auf die Pflanze und bemerkte, dass sich die Wurzeln der Pflanze an meine Hände schmiegten. Mir kam es so vor als würde mich alles in diesem Raum dabei unterstützen meinen Zauber erfolgreich umzusetzen. Durch den Kontakt zum Boden war ich mit dem Element der Erde verbunden und versuchte die magischen Erdströme so umzulenken, dass sie in meinen Händen ankamen. Meine Hände wurden wärmer. Danach versuchte ich die minimalen Windströme des Raums zu bündeln und ebenfalls in meine Hände zu leiten. Wieder erwärmten sich meine Hände. Da der Unterricht in einem Gewächshaustrakt stattfand, hatten alle Räume eine hohe Luftfeuchtigkeit. Und auch dies machte ich mir zu nutzen und versuchte das Wasser im Raum in kleinen Wasserperlen zu bündeln. Wie eine kleine Perlenkette umkreiste das Wasser nun die Pflanze. Ich konnte es zwar nicht sehen, aber spüren, wie sich jedes Element anordnete und auf den finalen Zauberspruch wartete.
Die Wärme in meinen Händen pulsierte jetzt leicht, aber der Raum blieb weiterhin dunkel. Ich konzentrierte mich weiter und konnte alle magischen Ströme im Raum spüren. Als ich bemerkte, dass alles im Einklang zu sein schien, fing mein Körper an zu schweben. Das ist der richtige Moment! dachte ich und sprach in Runensprache meinen Zauberspruch aus: „ignis condor lux lumos pulsare!“
Der verdunkelungsraum wurde urplötzlich mit Licht in jeglicher Farbe gefüllt. Die Magie war in diesem Moment so stark, dass sie die Tür aufstieß. Mit dem Öffnen der Tür war alles so schnell vorbei, wie es begonnen hatte. Ich blickte auf die Pflanze herab und sah nichts. Mein Herz sackte in die Hose und bevor ich mich rühren konnte kam Professorin Mandragora auf mich zu geeilt: „MOMENT, Moment!“ rief sie und schloss die Tür des Raumen.
Wieder in völliger Dunkelheit, bemerkte ich ein kleines pulsierendes Licht in meinen Händen, welches langsam stärker wurde. Da leuchtete die Pflanze in meiner Hand und zwar in allen Elementarfarben… „geschafft!“ sprach ich mit leiser und stolzer Stimme.