LUNASTRIA HEXENAKADEMIE

  • Der Winter kommt
    15 November, 2025||
27 November, 2025| Kara|

Der Flug nach Rodholt ist lang, aber friedlich. Die mit Schnee bedeckten Kiefernwälder wirken im Morgenlicht fast magisch. Im Posthaus bekomme ich das kleine Päckchen, kaum schwerer als ein Zauberbuch. Die Postmeisterin mustert mich ernst. „Halte es sicher“, sagt sie.

Ich nicke, schwinge mich wieder auf den Besen – und spüre, wie die Prüfung beginnt, mich wirklich zu fordern. Je näher ich dem Sternensee komme, desto stärker flackert das Licht auf seiner Oberfläche. Es ist, als würde der See selbst Sterne atmen. Ich gönne mir einen kurzen Moment, um den Anblick zu genießen, doch der Wind wird schnell wilder. Ein kalter Schlag trifft mich von der Seite, mein Besen wankt. Ich ziehe einen Schutzkreis um mich, die Magie prickelt wie warmes Wasser über meine Arme. Der Flug stabilisiert sich – fürs Erste.

Der Falkenpass begrüßt mich nicht, er stellt sich mir entgegen. Felsige Wände, kaum Platz zum Manövrieren, und Sturmböen, die wie lebendige Wesen wirken. Ein Felsbrocken löst sich oberhalb und stürzt herab – ich reiße den Besen zur Seite, spüre die Vibration des Aufpralls in den Knochen. Dann höre ich das Krächzen. Ein Falkenwächter, größer als jeder normale Vogel, schwingt sich von einem Vorsprung in die Luft. Seine Augen sind kalt, zielgerichtet. Mit einem schnellen Manöver ducke ich mich unter ihm hindurch, beschleunige und nutze eine Windböe, um aus seinem Jagdradius zu entkommen. Erst als sein Schrei im Sturm verhallt, wage ich wieder zu atmen. Die Welt wird stiller, aber nicht friedlicher. Moore und Nebel umgeben die letzten Kilometer. Die Luft ist feucht, schwer, und der Nebel scheint sich zu bewegen, als hätte er ein eigenes Bewusstsein. Ich halte das Päckchen fester und bleibe aufmerksam.

Schließlich tauchen die Dächer von Birkhafen aus dem Grau auf. Die Hafenstadt wirkt verschlafen, aber vertraut genug, um mich zu beruhigen. Auf dem Marktplatz wartet eine Frau mit orangenen Augen- Eleanor. „Du bringst das Päckchen?“ fragt sie ruhig. Ich überreiche es. Sie prüft es kurz, lächelt dann – warm, anerkennend. „Willkommen im Kreis der Verteidigungsmagierinnen.“

Als ich später wieder abhebe, fühlt sich mein Besen leichter an als je zuvor.