LUNASTRIA HEXENAKADEMIE

  • Sommerzeit
    10 August, 2025||
12 August, 2025| Kara|

Zuerst streiche ich mit der Hand über den Runenstein, lasse sanft Zeichen in meine Haut treten, damit die Macht der Schrift mich lenkt. Meine Runenmagie erlaubt es mir, Wellenpfade zu lesen und Schwingungen in der Luft zu spüren. Ich konzentriere mich darauf, die leisen Spuren zu hören, die ein fröhlicher Delfin hinterlässt: ein Muster aus Sprüngen, ein Tropfen Glitzer, ein schimmernder Kranz aus Muscheln, das alles sind Hinweise, die der Fluss des Meeres in Bewegung setzt.

Kari fliegt an meiner Seite, ihr feines Gehör nimmt jedes Rauschen des Wassers wahr, das von den Flossen des Delfins verloren geht. Sie zeigt mir eine feine Linie im Sand, eine Spur aus Perlenschimmer, die nur in bestimmten Lichtwinkeln zu erkennen ist. Wir folgen der Spur durch ein Korallenlabyrinth, dessen Wände in sanften Pastelltönen glühen. Kari deutet auf eine Stelle, an der sich zwei Strömungen treffen: eine warme Oberflächenströmung, die vom Delfin verursacht wird, und eine kühle Tiefe, die uns tiefer ins Reich der See führt.

Ich rücke näher an die Wasseroberfläche heran, und mit der Runenmagie zeichne ich auf der Luft eine Schuppe aus Licht, die uns die Richtung des Delfins anzeigt. Die Runenform zeigt uns eine Wendung: Der Delfin hat den Kranz in die Höhle der silbernen Stille getragen, einer Grottenstelle, in der das Meer vor langer Zeit eine Perle in Form eines Liedes verzaubert hat. Kari und ich nutzen unser weiteres Talent: die Elfe kennt die Sprache des Wassers, ich kenne die Zeichen der Steine. Wir sprechen ein kleines Gedicht in einer alten Weller-Sprache, das der Delfin kennt, eine Melodie aus Wasser und Wind, die ihn sanft zurückruft. Währenddessen setze ich am Boden des Höhlentunnels kleine Runenfelder: jede Rune verstärkt die Orientierungshilfe der Flossenpfade, jede Rune öffnet eine kleine Wasserbrücke, sodass wir nicht von der Strömung mitgerissen werden. Schließlich erreichen wir eine große Halle, deren Decke von gläserner Stalaktiten bedeckt ist.

In der Mitte schimmert der Delfin noch mit einem leuchtenden Funkeln im Schwanzende. Der Delfin hält den Perlenkranz zwischen den Zähnen, doch er schaut neugierig und verspielt, als wolle er überprüfen, ob wir wirklich vertrauenswürdig sind. Kari nähert sich langsam, spricht ihm beruhigende Laute zu, damit er erkennt, dass wir keine Gefahr bringen. Der Delfin setzt den Kranz vorsichtig ab, als er merkt, dass wir friedlich sind. Ich nutze die Zeit, die Runen in der Luft zu verdichten, um eine stille Bitte an die Königin zu richten: Wir möchten den Perlenkranz zurückgeben, aber wir möchten ihn mit Respekt und Schutz zurückgeben, damit er sie weiterhin schützt. Die Runen zeigen uns einen Weg, wie wir den Kranz sicher durch das Labyrinth tragen, indem wir die Strömung in eine sanfte Welle verwandeln, die uns führt, statt uns zu ziehen.

Auf dem Rückweg stellen wir fest, dass der Delfin den Kranz nur ausgeliehen hat, um zu zeigen, wie gut er lachen kann, aber er versteht jetzt, dass er ihn wieder zurückbringen muss. Wir erreichen das Ufer der Meereskönigin und geben ihr den Kranz zurück.