„Heute ist ein wirklich wunderschöner Sommertag!“, seufzt Iris verträumt, während sie auf einem Handtuch am Strand liegt und die warmen Sonnenstrahlen auf ihrer Haut tanzen. Die nahe Meeresbrise bringt ein wenig Erfrischung und der salzige Geruch des Meeres bringt Erinnerungen an ihre Heimat zurück – eine kleine Hafenstadt in der Nähe des Meeres.
„Ich könnte eeeewig so liegenbleiben“, stimmt ihr auch Elisa zu, die es sich unter einem kleinen Sonnenschirm bequem gemacht hat. Heute früh war sie bereits mit Coco und Corax nach Muscheln tauchen gewesen – die schulfreie Zeit musste ja schließlich gut genutzt sein – und nun will Iris es sich so richtig gut gehen lassen. Mit geschlossenen Augen tastet sie nach ihrer Thermoskanne, in dem eiskalte Limonade ist. So muss das Leben sein, wenn man eine Prinzessin ist!
„Hallo? Ist hier jemand?“ Elisa blickt sich erstaunt um. Es ist gerade eigentlich recht leer am Strand, da viele die pralle Mittagssonne meiden, aber da Iris sowohl ihren Sonnenschirm dabei hat, als auch ihre kalte Limonade, hatte sie nichts davon abhalten können, das Meer und die Sonne zu genießen. Dann sieht Elisa, wie eine Frau mit langen, zartvioletten Haaren von den Grotten auf den Strand eilt. Ihr lautes Rufen wird nur von ihrem panischen Hin- und Herblicken unterbrochen, bis sie schließlich den hellblauen Sonnenschirm von Iris entdeckt. Iris hingegen hat noch nichts bemerkt; in Träumereien und Gedanken versunken brummt sie zufrieden, als eine feine Brise durch ihre Haare streift.
„Ah! Da ist jemand!“ Die erschöpfte Stimme der Frau reißt Iris dann doch aus ihren Gedanken. „Huch?“, murmelt sie und schlägt langsam die Augen auf. „Wer bist du?“, fragt sie erstaunt und schreckt etwas zurück, als sie das nahe Gesicht der Frau erblickt. Sie hat nicht damit gerechnet, dass sie heute beim Sonnenbaden gestört werden würde. „Ich glaube sie braucht Hilfe“, sagt Elisa und setzt sich vorsichtig auf Iris Schulter. „Ich bin die Schneiderin der Meereskönigin. Ich war gerade dabei in den Grotten dort drüben die letzten Vorbereitungen für den heutigen großen Auftritt vorzubereiten. Aber dann …“, ruft die Frau aufgeregt und ihre blauen Augen sehen sogar hinter der kleinen Brille etwas feucht aus. „… dann war der Perlenkranz ihrer Majestät plötzlich verschwunden. Alles was ich nicht gesehen habe, war ein kleiner Delfin, der mit den Perlen im Mund im Meer verschwunden ist!“ – „Der Perlenkranz der Meereskönigin wurde gestohlen?“, sagt Iris fassungslos. „Nun – ich würde nicht sagen gestohlen. Die jungen Delfine spielen gerne in den Grotten und es war wahrscheinlich ein besonders verspielter Delfin, vielleicht auch noch ein sehr Junger. Er will ihn sich wahrscheinlich nur ausleihen“, erklärt die Schneiderin. Iris bietet der Schneiderin, die durch das Laufen am Strand etwas außer Atem ist und schwitzt, etwas von ihrer Limonade an. „Und wie können wir dir helfen?“, fragt Iris freundlich. Der Auftritt der Meereskönigin heute Abend ist etwas, worauf sie sich schon seit Beginn des Festes freut. Sie will auf keinen Fall, dass der Auftritt wegen geliehener Perlen ins Wasser fällt! „Nun – ich würde die Perlen normalerweise selbst zurückholen. Aber ich muss noch den Saum des neuen Kleides für heute Abend kürzen und umnähen – und sagen wir es mal so, das Kleid hat eine Menge Saum. Ich kann unmöglich beides machen und meine Assistenten sind schon mit den restlichen Vorbereitungen überarbeitet…“ – „Also sollen wir den Delfin finden und den Perlenkranz rechtzeitig zurückholen?“, ergänzt Elisa aufgeregt. „Ja, das wäre wunderbar! Wie heißt ihr zwei eigentlich?“ – „Wir sind Iris und das ist meine Elfe Elisa, wir sind beide auf der Hexenakademie“, antwortet Iris fröhlich und beginnt, ihre Sachen unter dem Sonnenschirm zusammen zu räumen. „Kann ich meine Tasche dann bei dir in der Grotte stehen lassen?“, fragt sie und nimmt ihre Taucherbrille, die sie heute früh für das Muscheln Tauchen benötigt hatte. „Natürlich, natürlich. Dann kommt mal schnell mit, ich zeige euch den Ort, wo der Delfin den Perlenkranz geliehen hat“, sagt die Schneiderin schwungvoll und führt Iris und Elisa, samt Tasche und Sonnenschirm, in die Grotten.
Dort zeigt sie ihnen den genauen Ort, eine Skizze des Perlenkranzes und gibt ihnen noch zwei magisches Unterwasser-Atemgeräte mit. Eine kleine Blase, die man sich mithilfe einer kleinen Kette vor den Mund hängen kann. Die Schneiderin hatte erklärt, dass man damit in etwa drei Stunden unter Wasser atmen kann. Iris und Elisa schnallen sich die Geräte vor den Mund und steigen langsam in das Wasser der Grotte hinab. Den Zauberstab hat Iris vorsorglich mitgenommen und an ihrer kleinen Umhängetasche sicher verstaut.
Iris hat sich schon überlegt, wie sie den Perlenkranz finden will: sie erinnert sich an die erste Prüfung im Fach Hexerei und Magie. Sie hat nicht gedacht, dass sie ihr gelerntes Wissen tatsächlich so bald in der Praxis testen kann! Mit aller Konzentration denkt Iris an den Perlenkranz und spricht dann am Eingang von der Grotte zum Meer die Worte: „Zeig mir deine Spur, La Le Lillium!“ Dank der Blase kann Iris den Satz unter Wasser tatsächlich sprechen und sie bewegt dabei den Zauberstab so, wie sie es gelernt hat. Eine blassblaue Spur, aus glitzernden Partikeln und winzigen, blauen Blümchen, erscheint im Wasser. Vorsichtig beginnt Iris zu schwimmen und Elisa hält sich an ihrer Schulter fest und lässt sich mitziehen. Bald tauchen sie in Bögen, immer der Spur entlang, an Korallen vorbei, bis sie schließlich an einem kleinen Riff ankommen. Das Riff ist besetzt mit bunten Korallen, um die sich kleine und große Fische tummeln. „Wir müssen jetzt schon recht weit von der Küste entfernt sein“, murmelt Elisa und kann ihre Sorgen nicht ganz vor Iris verstecken. „Wir haben schon den schwierigsten Teil geschafft! Den Perlenkranz zu finden wird jetzt bestimmt ein Kinderspiel“, sagt Iris fröhlich und bewegt sich auf das Riff zu. Doch dann … erkennt sie, dass die zuvor zuverlässige Partikelspurt ihres Suchzaubers immer breiter gefächert wird, bis die Partikel schließlich so weit gestreut sind, dass kein Weg mehr zu erkennen ist. „Sicher?“, fragt Elisa mit einem sorgenvollen Gesicht. „Ehm, so war zumindest der Plan“, antwortet Iris und zieht skeptisch eine Augenbraue hoch. „Was ist denn mit meinem Zauber passiert?“ – „Erinnerst du dich nicht? Je unkonkreter dein Bild vor dem geistigen Auge von dem Gegenstand ist, desto schwieriger wird es, den Gegenstand tatsächlich direkt zu finden. Da wir nur eine Skizze gesehen haben und du den Rest wahrscheinlich im Kopf ergänzt hast, wird uns der Zauber zwar in die Richtung geführt haben, aber nicht direkt zum Perlenkranz, erklärt Elisa geduldig, aber auch ein wenig tadelnd. Bestimmt hatte Iris bei dem Teil des Unterrichts wieder vor sich hin geträumt!
„Oh“, murmelt Iris ein wenig zerknirscht und setzt dann wieder ein breites Lächeln auf. „Naja, das heißt ja nicht, dass wir den Perlenkranz gar nicht finden – wir müssen nur etwas kreativer denken!“ Vorsichtig schwimmt Iris mit Elisa zusammen auf das Riff zu. Und wie erwartet sieht sie es – überall sind Muscheln über den Meeresboden und das Riff verteilt, und in einigen kann sie eine Perle blitzen sehen. „Bestimmt wurden wir hier her geführt, weil es hier so viele Perlen gibt“, meint Elisa und deutet auf die verschiedenen Öffnungen im Riff. „Ein Delfin passt da nicht rein“, sagt sie dann und blickt sich um. „Ich kann keinen Delfin entdecken“, sagt auch Iris und schwimmt um einige große Korallen herum. Kleine Fische flitzen durch das Wasser, wenn sie ihnen zu nahe kommen und einige sind sogar neugierig und schwimmen näher heran. Ein besonders neugieriger Fisch, ein großer, gelb-grüner Fisch, schwimmt sogar so nah heran, dass er Iris mit dem Mund anstupst. „Wir könnten die Fische fragen“, schlägt Elisa vor. Etwas verwirrt blinzelt Iris erst, doch dann kommt ihr eine Idee. Ein Kommunikationszauber! Es gab eine einfache Rune, die grundsätzliche Verständigung mit Tieren erlaubt, solange die Tiere freundlich gesinnt sind. Vorsichtig malt Iris die Rune mit ihrem Zauberstab auf dem Fisch nach. Die berührte Stelle erleuchtet kurz und tatsächlich schwimmt der Fisch nicht weg. Nach Vollendung der Rune kann Iris den Fisch hören. Fremd, fremd, neu, was ist das? Iris hörte die Gedanken des Fisches. wie ein kleines, fernes Blubbern in ihrem Kopf. „Hallo! Ich bin Iris und das ist Elisa – wir suchen etwas, was ein Delfin ausgeliehen hat“, stellt Iris sich und ihrer Elfe vor. Delfin … verspielt, ja, ja, … Chaos … überall! Perlen? Iris Herz macht einen kleinen Sprung, als sie Perlen in den Gedanken von dem Fisch hört. „Ja, genau, Perlen! Wir suchen den Perlenkranz der Meereskönigin!“, antwortet sie aufgeregt und der Fisch macht einige große Blubberblasen. Folgen, ja, Perlen … Delfin … bringen. Der Fisch beginnt zu schwimmen und Iris hört noch immer leise seine Gedanken, die sich hauptsächlich um das Schwimmen drehen. Die kleine Kommunikationsrune, die sie gelernt hat, war nicht unbedingt sehr wirksam, aber es reichte zum Verständigen aus. Wie ärgerlich für den kleinen Fisch dass sie gefühlt nur jedes fünfte Wort verstehen konnte!
Der Fisch führte sie vom Riff weg, zu einer kleinen Insel in Küstennähe. Delfine … spielen … Perlen … Insel. Hörte Iris den Fisch sagen, als sie der Insel entgegen schwimmen. Tatsächlich können sie die ersten Delfine bereits durch das Wasser gleiten sehen. Sie vollführen spielerische Sprünge und necken sich durch kleine Stupser. Und – was sofort auffällt – ein jeder Delfin ist prächtig geschmückt. Sie tragen Kronen aus Algen, Muscheln und einer der Delfine sticht sofort hervor. Er trägt einen prächtigen Perlenkranz, der unter Wasser in allen Regenbogenfarben schimmert und von Innen zu leuchten scheinen. Das muss der Perlenkranz der Meereskönigin sein! Schnell mischt sich Iris unter die tummelnden Delfine, die sehr interessiert an dem Neuzugang sind. Auch der Delfin mit dem Perlenkranz kommt näher und Iris kann die kleinen Runen und Symbole auf den Perlen erkennen, die mit großer Handwerkskunst eingraviert wurden. Das ist definitiv der Perlenkranz, den sie suchen! Der Fisch blickt sie stolz an und denkt noch: viel Spaß!, bevor er wieder in Richtung des Riffs in den türkisen Fluten des Meeres verschwindet.
Als der Delfin mit dem Perlenkranz nah an Iris heranschwimmt und sie anstupst, zeichnet sie ihm vorsichtig die Kommunikationsrune mit ihrem Zauberstab auf. Die Stimme des Delfins ist ganz anders, als die des Fisches zuvor. Laut und klar dringt die Stimme zu ihr durch. Wer bist du? Zum dritten Mal an diesem Tag stellt Iris sich selbst und Elisa vor und erklärt, was sie machen. Traurig blickt der Delfin sie an. Ich … nicht, dass der Kranz … heute Abend … wichtig – hört Iris den Delfin. Da merkt Iris, dass die Schneiderin tatsächlich Recht hatte. Der Delfin hatte keinerlei schlechte Absichten. Nimm … Krone … andere Krone … für Spiel. „Ah – ihr habt euch besondere Kronen für das Spiel gemacht und geholt?“, fragt Iris neugierig und der Delfin stimmt ihr zu. Nach und nach versteht Iris, dass die Zeit von Aquarias Lumis auch für die Delfine eine besondere Zeit ist. Die Delfine schmücken sich mit den Gaben des Meeres und dekorieren ihre Riffe, Inseln und Küstenabschnitte. Nachts schwimmen sie durch das Meer und genießen, genauso wie die Hexen und Elfen und alle anderen Wesen, die bunten schimmernden Lichter im Meer. Am Ende des Festes werden die jungen Delfine in die Jagd der Delfinschule eingeweiht – ein besonderer Tag für jeden jungen Delfin. Während des Festes wird der schönste Kopfschmuck mit besonderen Leckereien belohnt. Der junge Delfin hatte den Perlenkranz der Meereskönigin gesehen, erkannt, wie wunderschön der Kopfschmuck funkelt und leuchtet, und wollte gerne die besten Leckereien gewinnen. „Nun, wir können dir eine neue Krone machen“, schlägt Iris vor und Elisa nickt.
Vorsichtig hat der Delfin die beiden am Strand der Insel abgesetzt. Die Blase zum Unterwasser-Atmen verstauen die beiden in der kleinen Umhängetasche, um nicht die restliche Luft aufzubrauchen. Nach und nach sammeln sie gemeinsam schöne Muscheln, bunte Algen und der junge Delfin bringt sogar einige Perlen an den Strand.
Als sie alle Materialien beisammen haben, legt Iris die Gegenstände gemeinsam mit Elisa zu einer Krone zusammen. „Verbindet euch, La Le Lillium“, zaubert Iris und langsam schlingen sich die Algen um die Muscheln, schließen sie kunstvoll ein und präsentieren die schimmernden Perlen. „Der Zauber wird nicht ewig halten, weil es jetzt recht schnell gehen musste und ich noch nicht so gut zaubern kann“, erklärt Iris dem Delfin und setzt ihm die neue Krone auf. Den Perlenkranz der Meereskönigin verstaut Iris vorsichtig in einer magischen Tasche, die die Schneiderin ihr mitgegeben hatte, und verstaut diese wiederum in ihrer Umhängetasche. „Vielen Dank für deine Mitarbeit!“, sagt Iris und tätschelt den Delfin. Sie hatte nicht erwartet, dass der junge Delfin den Perlenkranz so bereitwillig gegen eine neue Krone tauschen würde. „Nun müssen wir aber dringend zurück! Die Meereskönigin hat schließlich heute Abend ihren Auftritt und die Sonne steht schon recht tief …“, murmelt Iris und Elisa stimmt ihr etwas sorgenvoll zu. „Ob unsere restliche Luft wohl noch reicht?“, fragt Elisa und wird kurz darauf von dem Delfin angestupst. Ich bringe … zurück! Dankbar blickt Iris den Delfin an. „Das wäre super!“
Iris und Elisa begeben sich wieder mit der Atemblase ins Wasser und halten sich an den seitlichen Flossen des Delfins fest. Schnell schießt er durchs Wasser und zieht die beiden mit sich. Innerhalb kürzester Zeit lassen sie die Insel hinter sich, ziehen am Riff vorbei – wo ihnen nun auch die Dekorationen auffallen – und landen in der Nähe der Grotten. Fröhlich verabschiedet sich der junge Delfin und schwimmt zufrieden mit seiner neuen Krone davon. Iris und Elisa ziehen sich aus dem Wasser auf den Grottenboden und merken, wie erschöpft sie sind. Das viele Schwimmen hat – trotz Zaubersprüchen und Unterstützung der Meereswesen – doch sehr an ihrer Kraft gezehrt. Hoffentlich würden sie heute Abend noch lange genug wach bleiben können, um der Show der Meereskönigin in Ruhe zuzusehen!
Noch bevor Iris und Elisa sich abtrocknen konnten, erscheint die Schneiderin in der Grotte. „Oh, bitte sagt mir, dass ihr den Perlenkranz gefunden habt!“, ruft sie fröhlich und eilt auf sie zu. Die stolzen Gesichter von Iris und Elisa sprechen bereits Bände, sodass die Zwei die Frage eigentlich gar nicht beantworten müssen. „Ja, wir haben den Kranz! Der Delfin hatte tatsächlich nichts böses im Sinn, wir haben ihm deshalb eine neue Krone gezaubert“, erklärt Iris knapp, denn die Schneiderin steht bereits neben ihr und betrachtet den magischen Beutel, in dem der Perlenkranz liegt. „Perfekt! Kommt mit, ich habe ein kleines Dankeschön vorbereitet“, sagt sie und eilt davon. Iris und Elisa laufen hinterher und kommen in die Grotte, in der alles vorbereitet wird. „Sieh nur – das Kleid hier, das kannst du heute Abend anziehen, wenn du möchtest.“ Das hellblaue Kleid mit den Rüschen sieht wirklich wunderschön aus! Iris‘ Augen leuchten vor Aufregung und ihre Erschöpfung scheint wie weggeblasen. „Wie wunderschön“, sagt sie voller Freude und betrachtet das Kleid eingehend. Damit sollte der Abend dann doch wirklich ein unvergesslicher Abschluss für diesen aufregenden Tag werden.