Lunastria
Hexenakademie
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Prompt September 2026
15.09.2026 um 15:00 Uhr
Verfluchte Artefakte – Teil 2
Entschlossen zogen Hazel und die treue Citrin los in die schattigen, hohen Hallen der Bücherei. Während Citrin mit gelassenem Blick die Regale nach passenden Folianten über antike Schutzbanne absuchte, blätterte Hazel atemlos in alten Schriften und erzählte ihrer treuen Begleiterin alles von dem verfluchten Artefakt, ihrem Hirsch und Marus Vertrauten, dem weißen Hasen der definitiv erschienen war. Sie wollte alles über Artefakte wissen.
Als die Glocke der Akademie Mitternacht schlug und die Kerzen flackerten, packten die beiden ihre Beute ein und machten sich auf den Weg nach draußen.
Doch als sie um eine der massiven Säulen im hinteren Archivgang bogen, drangen leise Stimmen an ihr Ohr. Hazel erstarrte. Instinktiv hielt sie Citrin am Ärmel zurück und trat lautlos näher an das private Studierzimmer der Bibliothekarin, Aria Portier, heran. Die Tür stand einen winzigen Spaltweit offen.
Ihr Herz machte einen gewaltigen Satz. Sejanus.
Er stand an einem großen Holztisch, im warmen Licht mehrerer Kerzen. Neben ihm blätterte Aria in dicken Folianten. Auf dem Tisch ausgebreitet lagen uralte Gegenstände, Schriftrollen und Artefakte – wunderschöne, aber mit verwitterten Schriftzeichen und geheimnisvollen Symbolen übersät.
Hazel hielt den Atem an und spürte dieses vertraute, kribblige Gefühl im Bauch. Sie beobachtete ihn gebannt. Doch Sejanus wirkte ganz anders als sonst: Keine Spur von kühler Gelassenheit. Seine Stirn war in tiefe Falten gelegt, und seine Stimme klang besorgt und erschöpft, als er sich an die Bibliothekarin wandte.
„Ich verstehe es einfach nicht“, flüsterte Sejanus und deutete auf zwei der Stücke auf dem Tisch. „Dieses hier hat vor Kurzem völlig unerwartet einen Riss bekommen, der sich nicht erklären lässt. Und das andere… es gibt seit Tagen eine seltsame, unterschwellige Präsenz von sich, die ich absolut nicht deuten kann. Meine Familie und ich erforschen solche Gegenstände seit Generationen, aber das übersteigt mein Wissen. Deswegen brauche ich dringend euren Rat.“
Hazel lauschte gebannt. Jedes Wort brannte sich in ihr Gedächtnis ein. Sejanus war also gar nicht der Drahtzieher oder gar gefährlich – er suchte genau wie sie nach Antworten! Er machte sich Sorgen wegen dieser Relikte, weil sie sich unberechenbar verhielten. Ein Riss? Eine seltsame Präsenz? Das klang erschreckend vertraut nach der dunklen Magie, die sie selbst in der Schulküche eben erlebt hatte.
Citrin legte Hazel sanft eine beruhigende Hand auf den Arm und zog sie langsam einen Schritt zurück in den Schatten, um kein Risiko einzugehen.
Mit wirren, aufgewühlten Gedanken und einem pochenden Herzen ließ Hazel sich von Citrin zurück in Richtung ihres Schlafsaals führen. Die frisch erbeuteten Bücher hatte sie fest an sich gedrückt. Sie schlich sich in ihr Zimmer, aber an Schlaf war jetzt nicht mehr zu denken. Sejanus war tief in ein Rätsel verwickelt – und in Hazels Kopf stand fest: Sie musste herausfinden, was es mit diesen Artefakten auf sich hatte. Vielleicht… vielleicht liefen ihre Wege und Sejanus‘ Wege viel näher parallel, als sie beide ahnten?
Perspektivwechsel
Kaum waren Hazel und Citrin im dichten Schatten des Korridors verschwunden, stockte Sejanus mitten im Satz beim Gespräch mit Aria Portier.
Er hielt den Atem an. Mit einem Mal legte sich eine seltsame, vertraute Spannung in die Luft des Raumes. Es war ein leises Kribbeln auf seiner Haut, ein plötzlicher Anflug von Wärme, den er nicht erklären konnte – genau jenes Gefühl, das ihn in den letzten Wochen immer dann überkam, wenn Hazel in seiner Nähe war.
Er wandte den Kopf abrupt zur offenen Tür und blickte hinaus in den halbdunklen Gang. Seine dunkelblauen Augen musterten den leeren Flur, und seine Stirn legte sich in fragende Falten. Niemand war zu sehen. Nur der stille Wind, der durch die alten Fenster zog.
Die Aria blickte ihn irritiert an. „Sejanus? Ist alles in Ordnung?“
Sejanus senkte langsam den Blick, strich sich nachdenklich über die Schläfe und schüttelte den Kopf. Ein leises, fast unmerkliches Schmunzeln huschte über seine Lippen, begleitet von einem Schatten aus Verwirrung.
„Ja…“, murmelte er leise, während sein Blick noch einmal kurz zur Tür glitt. Er konnte es nicht beweisen, aber eine innere Stimme sagte ihm ganz gewiss: Jemand hatte gelauscht. Jemand mit einer ganz besonderen, feurigen Aura.
Sejanus lehnte sich leicht gegen die Tischkante, verschränkte die Arme vor der Brust und musterte die Frau an seiner Seite mit einem nachdenklichen Blick.
„Sag mal…“, begann er mit seiner ruhigen, tiefen Stimme. „Die junge Hexe… jene mit den bernsteinfarbenen Augen und dem auffälligen, weißen Haar. Weißt du, woran sie im Moment arbeitet?“
Die Bibliothekarin hob überrascht die Brauen, während sie in ihren Unterlagen blätterte. „Ah, du meinst Hazel? Oh, sie war vorhin erst hier und hat sich sämtliche alten Folianten über antike Schutzbanne und Artefaktkunde ausgeliehen. Warum fragst du? Sie ist im fortgeschrittenen Lehrjahr. Ihr Eifer ist fast schon unheimlich. Sie beißt sich regelrecht in solche Themen fest.“ sagte sie ganz beiläufig und blätterte weiter neugierig in Sejanus alten Schriftrollen.
Sejanus sagte zunächst nichts. Er atmete langsam aus, und in seinen dunklen Augen blitzte ein Gemisch aus Respekt und heimlicher Faszination auf. Ein Riss in einem seiner wertvollsten Artefakte, eine unerklärliche Präsenz – und hier war diese junge Hexe, die sich freiwillig in genau diese tiefen, gefährlichen Gewässer stürzte.
Vielleicht – schoss es ihm durch den Kopf – sollte er sich ihren Rat einholen?
Ein anerkennendes Lächeln huschte über seine Züge. Sie besaß einen scharfen Verstand, das hatte er oft genug beobachtete – und sie war tief in genau diesen Themen drin. Aber je länger er darüber nachdachte, desto mehr merkte er, dass es längst nicht mehr nur um die Artefakte ging.
Er musste sie wiedersehen. Sein Verstand suchte nach ihrem Rat, aber sein Herz verlangte nach ihrer Nähe. Beides war mittlerweile untrennbar miteinander verschmolzen.
Er wusste nicht, dass sie vor wenigen Minuten nur wenige Meter von ihm entfernt im Schatten gestanden hatte. Aber eines stand für ihn fest: Hazel war längst viel mehr als nur eine flüchtige Begegnung in Astraea.












