Lunastria

Hexenakademie

Zuletzt eingetragen am:
01.08.2026 um 11:40 Uhr
28 Juli, 2026| Hazel| |
Verborgen zwischen Büchern und Regalen

Der Backunterricht war abgeschlossen, das Lob von Professorin Camille hallte noch in ihr nach, doch die Akademie ließ ihr keine Zeit zum Ausruhen. Neue Fächer kamen dazu und mit ihnen stieg der Anspruch. Zaubertrankkunde und Heilungszauber standen nun im Fokus und auch das Fach Magische Artefakte beschäftigte Hazel sehr. Gerade dieses Fach erinnerte sie sehr an Maru, daher hatte Hazel es lange aufgeschoben.

Hazel saß in der Bibliothek, die so gut wie leer war. Citrin war gerade auf der Elfenlichtung unterwegs und suchte seltene Zutaten. Merle hatte eine gute Zeit im Kindergarten – so hatte Hazel Zeit Bücher für den Unterricht durchzugehen. Die hohen Regale, die sich wie stille Wächter über ihr erhoben, waren gefüllt mit vergilbten Folianten über die Zusammensetzung von Zaubertränken und die komplizierten Runenfolgen der Heilung.

Die Akademie-Bibliothek war in der späten Nachmittagsstunde in ein warmes, staubiges Licht getaucht. Hazel war tief in die Beschreibungen eines Trankes vertieft, als plötzlich ein Schatten auf ihren Tisch fiel.

„Wenn du mit dieser Intensität weiter in deine Notizen starrst Hazel, fängt die Bibliothek vor lauter Eifer noch an von selbst zu glühen“, erklang eine amüsierte, tiefe Stimme.

Hazel zuckte zusammen. Vor lauter Konzentration hatte sie ihn gar nicht kommen hören. Sie fuhr förmlich von ihrem Stuhl hoch, wobei dieser ein kratzendes Geräusch auf dem Parkett verursachte. Ihre Bewegungen waren fast schon zu hastig, ihr Herz klopfte ihr bis zum Hals. Vor ihr stand Sejanus, die Arme verschränkt, ein kleines, schiefes Lächeln auf den Lippen, das seine Augen zum Funkeln brachte.

„Sejanus“, stieß sie hervor, während sie versuchte, ihren schnellen Atem zu kontrollieren.

Da er ihr bei ihrem hastigen Aufstehen so nah gekommen war, dass sie fast gegen ihn gestoßen wäre, blieb sie wie angewurzelt stehen. Die Distanz zwischen ihnen war plötzlich fast verschwunden. In diesem Moment nahm sie ihn ganz anders wahr als bei ihren letzten Begegnungen: Er roch nicht nur nach altem Pergament, sondern nach einer herben, fast elektrisierenden Note – wie Gewitterregen und dunkles Zedernholz. Dieser Duft hüllte sie ein und ließ ihre Sinne förmlich explodieren.

Sejanus schien ihre Reaktion nicht entgangen zu sein. Sein Lächeln wurde eine Nuance weicher, fast schon ein wenig herausfordernd, während er seinen Blick nicht von ihrem Gesicht abwandte.

„Ich wollte dich nicht erschrecken“, sagte er leise, und seine Stimme vibrierte nun in einer Frequenz, die Hazel bis in die Fingerspitzen spürte.

„Was führt dich in die Archive der Akademie?“, fragte sie leise.

Sejanus trat einen Schritt näher. Er legte seine Hände auf die Tischkante, und Hazel bemerkte, wie er kurz innehielt, als müsste er seine eigene Balance finden. „Ich bin auf einer Reise durch verschiedenen Reiche“, erklärte er. „Ich verfolge ein Altes Rätsel, das mich schon lange belastet. Die Bibliothek hier in Astraea beherbergt Dokumente, die ich unbedingt einsehen muss. Ich habe vor, in den nächsten Tagen einige Professoren aufzusuchen, um mehr über meine Nachforschungen zu erfahren.“

„Es scheint, als würde dich dieses Geheimnis weit führen“, bemerkte sie forschend.

Sejanus sah sie lange an. Er schien sich fast in ihren bernsteinfarbenen Augen zu verlieren, die in der schattigen Bibliothek ein ganz eigenes, warmes Leuchten entwickelten. „Es ist seltsam Hazel“, murmelte er. „Sobald ich in deiner Nähe bin, fühle ich mich seltsam aus dem Takt gebracht. Als wäre die Luft um dich herum magnetisch. Spürst du das auch?“

Magnetisch?“, wiederholte sie leise.

Sejanus schüttelte kurz den Kopf, eine leichte Röte zierte sein Gesicht. „Vielleicht ist es die Anspannung meiner Suche.“ Dann strich er sich kurz über das Haar, als würde er sich besinnen. Waren ihm die Worte peinlich?

„Lass dich nicht von mir ablenken Hazel. Deine Studien sind sicher fordernder als meine alten Dokumente. Aber ich muss zugeben, die Suche nach diesem Geheimnis wäre weitaus weniger unterhaltsam, wenn ich nicht ab und zu jemanden wie dich treffen würde. Ich hoffe, unsere Wege kreuzen sich in Helvik bald wieder.“

Bevor sie antworten konnte, wandte er sich ab und verschwand in den Schatten der Bücherregale. Hazel blieb allein zurück, die Hand auf ihrem Buch, das Herzschlag-Pochen in den Fingerspitzen.

Sobald ich in deiner Nähe bin, fühle ich mich seltsam aus dem Takt gebracht. Ein Kribbeln durchfuhr sie und sie spürte wie ihr warm wurde.

Hazel wusste jetzt, dass Sejanus nicht zufällig hier war – und dass sie ihn unbedingt wiedersehen wollte.