Lunastria
Hexenakademie
- Codex Astraea NEU
- Astrolabium Zodiac
Prompt September 2026
15.09.2026 um 15:00 Uhr
Stille Schatten, neuer Wind
Hazel hatte gemeinsam mit Kara, Rhiann sicher und gut versorgt in den Krankenflügel gebracht. Hazel atmete erleichtert aus, als sie sah, dass es ihrer Freundin dank der sanften Pflege und der heilsamen Tränke sichtlich besser ging. Tief beeindruckt von der Hingabe und dem Können der dort arbeitenden Heilerhexen verließ Hazel schließlich die Station und trat hinaus auf den geschäftigen Akademiehof.
Dort kreuzte völlig Professorin Jane ihren Weg – die herzliche Besenflug-Professorin, die gerade vom Trainingsgelände kam und eine Rolle Pergament unter dem Arm hielt.
„Hazel! Wie schön das ich dich treffe“, rief Jane und kam mit schnellen Schritten auf sie zu, während der Wind ihr die Haare aus dem Gesicht wehte. Sie drückte Hazel herzlich und sah sie mit einem verschmitzten Lächeln an. „Ich weiß ja von deinem Talent und in meinen Flugstunden hast du dein Können bewiesen. Die Quidditch-Saison steht vor der Tür. Ich suche noch nach einer absolut agilen, blitzschnellen Spielerin für die wichtigen Positionen im Team. Wie sieht’s aus? Überleg es dir. Das Team könnte jemanden wie dich verdammt gut gebrauchen.“
Ein feuriges Funkeln trat in Hazels bernsteinfarbene Augen. Der Vorschlag traf sie wie ein Blitz und ließ ihre Gedanken sofort überschlagen.
Während sie Janes Worte noch im Kopf wälzte, spürte sie, wie sich in ihr etwas regte. Sie war schon sehr lange im Schwimmclub, und das auch äußerst erfolgreich, aber sie hatte schon länger das Gefühl, dass es Zeit für eine Veränderung war. Sie brauchte etwas Neues, ein echtes Abenteuer! Und da Janes Angebot perfekt zu ihrem heimlichen Talent und ihrer großen Freude am Besenfliegen passte, fiel die Entscheidung im Grunde wie von selbst. Das war die perfekte Gelegenheit, um den Schwimmclub hinter sich zu lassen und sich auf dem Spielfeld so richtig auszuprobieren.
Schon am nächsten Tag fand sich Hazel im Clubraum des Quidditch-Teams ein, um sich umzusehen. Citrin schwebte dicht an ihrer Seite.
Der Clubraum war ein gemütlicher, aber rauer Ort, voll von alten Besenstielen, Mannschaftsfotos in magischen Fotorahmen und dem Geruch von Holz, Politur und Schweiß. Die Mitglieder des Teams waren draußen auf dem Feld beim Training, weshalb der Raum menschenleer war.
Doch fast augenblicklich kribbelte es in Hazels Nacken. Ihr magischer Anhänger erwachte zum Leben.
Skeptisch sah sich Hazel um und folgte dem feinen Pulsieren der Magie, vorbei an den Spinden der Spieler, direkt in eine dunkle Nische hinter der alten Trophäenvitrine. Dort, tief vergraben in einer alten Holzkiste voller Ersatzteile und verstaubter Lederschützer, lag es: ein verfluchtes Artefakt. Eine Kette mit einem schwarzen, Blumenförmigen Stein.
Hazel zögerte keinen Moment. Sie schloss die Augen, rief ihre eigene Magie tief aus ihrem Inneren hervor. Sie nutzte ihren Siegelstein um schnell ein Pentagramm um die Kette zu zeichnen.
Die dunkle Macht bäumte sich augenblicklich auf, was Hazel kurz erschreckte. Citrin war bei ihr, sie legte ihre Hände auf Hazel’s Schulter. „Bleib stark!“ flüsterte Sie. Ein zäher, kalter Schatten versuchte, sich gegen Hazels Hände zu stemmen und nach ihr zu greifen. Doch Hazel wich nicht zurück. Sie hielt den Atem an, blickte auf den schwarzen Stein und sprach den Bannspruch mit unerschütterlicher Entschlossenheit in die Stille des Raumes:
„Lunae Lucem! Vincula frange, malum dissolve, exi in umbras!“
Ihre Stimme klang klar und fest, erfüllt von einer Macht, die in den letzten Monaten gewachsen war. Mit dem letzten Wort drängten ihre goldenen Energieströme mit voller Wucht gegen die Finsternis, erstickten das schwarze Pochen und zwangen das Artefakt in die Knie.
Der schwarze Stein glühte ein letztes Mal auf, bevor er erstarb und leblos zur Ruhe kam. Die Kette war versiegelt.
Hazel atmete tief aus, die Anspannung wich augenblicklich aus ihren Schultern. Sie wartete.
Sie hob das Schmuckstück auf und betrachtete es in ihrer Hand, lauschte in die Stille des Raumes, starrte an die Decke, in der Hoffnung, dass sich der Raum verzog, dass ein leises Flüstern ertönte, dass eine Stimme durch die Wände brach – ein Flimmern, ein Hauch von Hoffnung…
Nichts.
Absolute Stille. Nur das ferne Rauschen des Windes draußen auf dem Quidditch-Feld. Kein Hauch, kein Zeichen, kein vertrauter Klang.
Eine kalte Welle der Enttäuschung traf Hazel mitten ins Herz. Die Hitze des Erfolgs wich einer bleiernen, schmerzhaften Leere. Für einen kurzen Moment hatte sie geglaubt, vielleicht würde es jedes Mal passieren. Vielleicht war das erste Mal im Schulgarten nur ein glücklicher Zufall gewesen. War Maru am Ende doch unerreichbar? War alles nur Einbildung gewesen, getrieben von ihrer eigenen Sehnsucht?
Mit zitternden Händen legte sie die versiegelte Kette in ihre Tasche.
Citrin sank ein Stück nach unten und blickte Hazel tief in die Augen.
„Sie ist noch da.“, sagte sie mit klarer Stimme. „WIR haben sie das letzte mal gehört. Wir finden einen Weg.“
Hazel schluckte den Kloß in ihrem Hals herunter, straffte die Schultern und blinzelte die aufsteigenden Tränen fort. „Du hast recht.“ sprach Sie mutig. Sie atmete tief aus, um die schwere Last von ihren Schultern zu schütteln, und wandte den Blick nach vorn. Sie musste diese Enttäuschung jetzt runterschlucken. Das Leben stand nicht still, und vor ihr lag etwas, auf das sie sich trotz allem freute: das Quidditch-Team und das bevorstehende Training.
Sie atmete die frische Luft ein, spürte das Adrenalin und trat mit Citrin an ihrer Seite hinaus auf das weitläufige Trainingsgelände.
Kaum hatte sie das Feld betreten, hörte sie ein vertrautes Rufen über sich. Sie blickte nach oben und sah, wie Felo, die bereits hoch oben in der Luft auf ihrem Besen kreiste, ihr fröhlich zuwinkte. Dieser Anblick zauberte Hazel im selben Moment ein echtes Lächeln auf die Lippen, bereit, sich voll und ganz in das Training zu stürzen.













