LUNASTRIA HEXENAKADEMIE

21 Mai, 2026| Hazel| , |

Der Wind zerrte an den Säumen der Schulroben, als die Schülerinnen auf dem weiten Trainingsgelände ihre Besen fest umklammerten. Ein nervöses Gemurmel lag in der Luft, denn die finale Prüfung im Besenflug stand kurz bevor. Professorin Jane hatte für diese letzte Stunde die Anweisung gegeben, selbstständig an der Kür zu feilen – natürlich unter ihrer gewohnt wachsamen Aufsicht.

Jane stand mit verschränkten Armen am Rand. Ihr scharfer, erfahrener Blick wanderte über die Flugbahn, blieb jedoch immer wieder an einer ganz bestimmten jungen Hexe hängen: Hazel. Jane erinnerte sich gut daran, wie sie Hazel vor Jahren gemeinsam mit deren Tante Cybil auf den heimischen Feldern die ersten Kniffe beigebracht hatte. Sie wusste um das außergewöhnliche Talent des Mädchens, doch am heutigen Tag verlangte sie mehr als nur wildes Geschick. Es ging um die absolute Perfektion des Kunstflugs – um Anmut, Stil und Souveränität.

Hazel stieß sich mit einer fließenden Bewegung vom Boden ab und schoss steil in den blauen Himmel. Während sie die vertraute Leichtigkeit der Lüfte umfing, wurde ihr eigener Fortschritt der letzten Monate überdeutlich. Vor ihrem Eintritt in die Akademie war ihr Flugstil zwar instinktiv gut, aber oft ungestüm und unkontrolliert gewesen. Doch die harte Arbeit hatte sich ausgezahlt. Hazel hatte gelernt, ihre Magie und ihre Körperbeherrschung exakt auf die Schwingungen des Besens abzustimmen. Wo sie früher bei engen Radien noch ins Trudeln geraten wäre, glitt sie nun mit einer majestätischen Gelassenheit durch die Böen.

Um ihre Technik zu demonstrieren, begann Hazel hoch oben mit einer Reihe anspruchsvoller Figuren, die sie perfekt aufeinander folgen ließ:

Die Spirale des Phoenix: Sie legte den Besen flach in die Kurve und zog ihn in einer engen, absolut gleichmäßigen Aufwärtsspirale in den Himmel. Jede Drehung wirkte mühelos, ohne dass der Besen auch nur einen Bruchteil an Geschwindigkeit verlor.

Der Mondsichel-Sturzflug: Am Scheitelpunkt angekommen, kippte sie die Spitze abrupt nach unten. Im rasanten Sturzflug beschrieb sie die elegante Kurve einer Mondsichel, fing den Besen nur wenige Meter über dem Boden geschmeidig ab und wandelte den Schwung direkt in neuen Auftrieb um.

Die Unendliche Schleife: Mit einer sanften Gewichtsverlagerung webte Hazel eine makellose, liegende Acht in den Himmel. Diese Figur verlangte den perfekten Wechsel von Links- in Rechtskurven – ein Manöver, das ihr vor Monaten noch den Schweiß auf die Stirn getrieben hätte, das sie nun aber mit traumwandlerischer Sicherheit beherrschte.

Die Schwalben-Rolle: Zum krönenden Abschluss ließ sie den Besen während eines horizontalen Geradeausflugs einmal komplett um die eigene Achse rotieren. Eine saubere, blitzschnelle Rolle, bei der sie wie festgewachsen auf ihrem Besen blieb.

Als Hazel schließlich in einen ruhigen Schwebeflug überging, strich sie sich mit einer eleganten Bewegung eine Locke aus dem Gesicht. Ihr Atem ging ruhig, sie war eins mit den Lüften.

Unten am Boden beobachtete Professorin Jane das Manöver. Ihr Gesicht blieb für die anderen Schüler eine unlesbare Maske, doch in ihrem Inneren spürte sie einen tiefen Stolz. Sie sah das winzige, fast unmerkliche Nicken, das sie Hazel von weitem schenkte. Jane wusste es genau, und Hazel spürte es: Die talentierte Anfängerin war endgültig zu einer wahren Meisterin der Lüfte gereift. Sie war bereit für die Abschlussprüfung!