Lunastria
Hexenakademie
11.10 – 08.11.2026
- Astrolabium Zodiac
13.10.2026 um 15:00 Uhr
Im Dienst des Krankenflügels
Ein neuer Tag und jede Menge neue Energie lag in der Luft, als sich die Schülerinnen im beeindruckenden Haupttrakt der Akademie versammelten. Die achte Stunde im Fach Heilungszauber sollte keine theoretische Lektion werden, sondern Ernst – heute stand der Einsatz im geschäftigen Krankenflügel der Akademie an.
Wegen der schieren Größe und des herausragenden Rufs der Akademie reisten Patienten oft von weit her an, um von den besten Heilerinnen des Landes behandelt zu werden. Entsprechend voll war es auf den Stationen.
Professorin Myra versammelte die Klasse kurz im Eingangsbereich, um die Aufgaben zu verteilen. „Die Arbeit hier ist vielseitig“, erklärte die Professorin mit warmer Stimme. „Einige von euch werden Salben und Heilmittel brauen, andere widmen sich der akuten Wundversorgung mit Heilzaubern, und wieder andere übernehmen die direkte Pflege und Betreuung unserer Gäste. Wählt weise, was zu euren Stärken passt.“
Für Hazel gab es da kein langes Überlegen. Ihre Wahl fiel auf eine Kombination aus akuter Wundversorgung und empathischer Patientenpflege. Auch Citrin schwebte bereits aufgeregt vor ihrer Nase und signalisierte, dass sie als kleine Assistentin bereitstand.
Zusammen mit ihrer Mitschülerin Rhiann bezog Hazel einen der hellen Bereiche des großen Saals. Sie kümmerten sich um kleinere Schürf- und Schnittwunden, Verbrennungen und einen verstauchten Fuß. Knifflig wurde es bei einer jungen Hexe, die einfach nicht aufhören konnte zu blinzeln. Hazel holte sich Rhiann zu Hilfe, und gemeinsam brauten sie einen Trank, kombiniert mit einer sanften Melodie-Magie von Rhiann.
Als es langsam draußen dämmerte, führte Hazels letzter Fall zu einem älteren, wettergegerbten Reisenden aus den südlichen Provinzen, der sein von dornigen Zweigen verletztes Handgelenk behandeln lassen musste. Die herkömmliche Medizin war hier an ihre Grenzen gestoßen, da die Wunde tief saß.
„Keine Sorge, ich kümmere mich darum“, beruhigte Hazel den Mann mit sanfter Stimme.
Sie kniete sich neben das Bett und formte ihre Hände zu einer schalenartigen Geste. Mit absoluter Präzision ließ sie eine milde, goldene Aura aus ihren Handinnenflächen fließen. Die Magie drang tief in das Gewebe ein, neutralisierte den Schmerz und schloss die Haut fehlerfrei, bis von der Verletzung nur noch ein gesunder Schimmer übrig war. Zuletzt zeichnete sie noch die Rune Uruz auf die Stelle. „Uruz steht für körperliche Stärke, Lebenskraft und Regeneration. Sie wird Ihnen helfen, Ihre Selbstheilungskräfte zu aktivieren“, erklärte Hazel und legte noch einen leichten Schutzverband an.
Der Reisende atmete tief aus, reckte die Hand und blickte Hazel mit Staunen an. „Vielen Dank.“
Während Hazel aufräumte und die letzten Handgriffe tat, fragte sie den Mann, wie es zu dieser Verletzung kam.
„Weißt du“, erzählte der Reisende dankbar und blickte zu den Fenstern hinaus, „ich bin den ganzen Weg aus dem Süden gereist, nur um einmal den berühmten Falkenpass mit eigenen Augen zu sehen. Die unberührte Natur, die steilen Klippen, die wilde Tierwelt… es sollte eine Reise der Erholung werden. Doch die Wildnis dort draußen ist mächtig und ungezähmt. Ich bin im dichten Unterholz unglücklich gestürzt und geriet in ein Dickicht aus magischen Dornen.“
Hazels Ohren spitzten sich sofort. Der Falkenpass. Fasziniert hörte sie zu.
„Aber das Faszinierendste war“, fuhr er mit leuchtenden Augen fort, „als ich dort verletzt und hilflos im Schnee lag, beobachtete ich eine Naturhüterin im Einsatz. Sie war eins mit dem Wind und den Tieren. Mit einer einzigen, ruhigen Geste beruhigte sie einen aufgescheuchten Schwarm Falken und lenkte die wilden Kräfte der Natur, als würden sie zu ihr sprechen. Dieser Anblick hat mich tief berührt – trotz der Schmerzen war es das Beeindruckendste, das ich zuletzt gesehen habe.“
Hazel hörte wie gebannt zu. Doch dann erzählte der Reisende den entscheidenden Satz, den Hazels Hexeninstinkt schlagartig weckte: „Weißt du, das Seltsamste war eigentlich… kurz bevor ich mich im Unterholz verletzte, stolperte ich über einen merkwürdigen, kalten Gegenstand. Ein dunkles Medaillon, das in einem unnatürlichen, kalten Violett schimmerte und sich anfühlte, als würde es mich beobachten. Ich habe es erschrocken weggeworfen und bin geflohen.“
Hazels Herz machte einen Satz. Ein dunkles Medaillon, das in einem kalten Violett schimmert? Die Farbe des Vorfalls, die Aura der Dunkelheit… Das war kein gewöhnlicher Fund. Das war ein verfluchte Artefakt!
Während der Reisende sich erleichtert zurücklehnte, bemerkte Hazel nicht, dass Rhiann, die am Nachbarbett aufgeräumt hatte, jedes Wort mitsamt Hazels verändertem Blick mitangesehen hatte. Rhiann sah das intensive, fast glühende Funkeln in Hazels Augen – diesen Ausdruck von absolutem Fokus und Entschlossenheit, den Hazel in den letzten Wochen immer öfter zeigte.
Als die Patienten versorgt waren und sie kurz unter vier Augen am Materialwagen standen, tippte Rhiann ihrer Freundin leise an die Schulter. „Hazel…“, flüsterte Rhiann mit gedämpfter Stimme und musterte sie eindringlich. „Ich habe zugehört. Du willst da hin, nicht wahr? Zum Falkenpass. Wegen dieses Gegenstands.“
Hazel zuckte kurz zusammen, versuchte dann aber, ein beruhigendes Lächeln aufzusetzen. „Rhiann, das ist nur… eine private Sache. Nichts, worüber du dir Sorgen machen musst.“
„Sorgen? Hazel, du schaust gerade so, als würdest du in den Krieg ziehen“, erwiderte Rhiann, und in ihrer Stimme schwang echte Furcht um ihre Freundin mit. „Soll ich… soll ich dich begleiten? Wir können nach der Schicht zusammen aufbrechen, ich helfe dir!“
Hazel schüttelte langsam, aber bestimmt den Kopf. Sie wusste, wie gut Rhianns Angebot gemeint war, aber sie durfte niemanden in diese Sache hineinziehen. Es ging hier nicht um ein Abenteuer, sondern um Maru.
„Nein, Rhiann“, sagte Hazel leise, aber mit einer Entschlossenheit, die keinen Widerspruch duldete. „Ich mache das allein. Das ist meine Mission. Du musst mir einfach vertrauen und dir keine Sorgen machen, bitte.“
Rhiann sah ihr lange in die Augen, erkannte den unnachgiebigen Willen und atmete schließlich seufzend aus. „Pass auf dich auf, Hazel. Wenn du nicht bald zurückkommst, hole ich die halbe Akademie zu Hilfe.“













