Lunastria

Hexenakademie

Zuletzt eingetragen am:
22.10.2026 um 16:25 Uhr
29 September, 2026| Hazel| , |
Geteilter Fokus

Der Duft von Metall und Bienenwachs lag in der Luft, als die Klasse für die achte Stunde den Raum für Magische Artefakte betrat. Vorne am Pult stand Professorin Celia und hielt ein faszinierendes, schimmerndes Amulett in der Hand, das im gedämpften Licht des Klassenzimmers von innen heraus zu glühen schien.

Die Schülerinnen versammelten sich an den Gruppentischen. Hazel stand zusammen mit ihrer Freundin Flaimi an einer Werkbank. Während Flaimi mit ihrer gewohnten, ruhigen und eleganten Präzision ganz in ihrer Arbeit aufging, war Hazel mit ihren Gedanken völlig woanders.

In Hazels Kopf pochte unaufhörlich das Bild von Marus leeren, hoffnungslosen Augen aus der Vision am Falkenpass. Die Zeit läuft davon, ging es ihr durch den Kopf. Am liebsten wäre sie sofort aufgestanden, um den Realm-Schlüssel vorzubereiten. Sie wusste, dass sie für den Bau noch etwas brauchte… etwas, das man in Birkhafen finden konnte. Um sie herum ging ein leises Raunen durch die Klasse.

„Magische Artefakte können weit mehr als nur einen einzelnen Zauber tragen“, riss Celia Hazel aus den Gedanken und demonstrierte die mehrschichtige Verzauberung an ihrem eigenen Amulett.

Nun ging es an die praktische Arbeit. Jede Schülerin erhielt einen einfachen Gegenstand – einen matten Kupferring, auf dem Hazel zwei verschiedene Verzauberungen wirken sollte.

Ihr Blick hing starr auf dem Ring. Abgelenkt von den Sorgen um Maru und dem im Kopf durchgeplanten Ausflug nach Birkhafen, atmete sie flach aus und bündelte ihre Energie viel zu ungeduldig, um eine Wärmeverzauberung mit einem Schutzzauber zu verbinden.

Das musste schiefgehen. Hazels Kupferring begann augenblicklich wild und unkontrolliert auf dem Tisch zu ‚tanzen‘. Die magischen Stränge stießen sich heftig ab, ein unkontrollierter magischer Funke zischte zur Seite und traf Flaimis Arbeitsbereich, wo er ein kurzes Knistern verursachte.

Flaimi schrak kaum merklich zusammen. Sie nahm einen tiefen Atemzug und stoppte sofort ihre Arbeit. Flaimi lehnte sich zu Hazel herüber und stupste sie sanft mit dem Ellbogen an. Mit gedämpfter Stimme flüsterte sie ihr zu: „Hey… Hazel? Was ist denn los mit dir?“ In Flaimis hellen Augen spiegelte sich echte Verwunderung. „Du bist sonst immer so behutsam und konzentriert bei solchen Arbeiten. Das bist ja gar nicht du.“

Hazel schüttelte den Kopf, um den mentalen Nebel zu vertreiben, und sah ihrer Freundin mit einem schiefen Lächeln an. „Entschuldige… Du hast recht. Ich bin wohl im Kopf ganz woanders.“

„Atme durch“, flüsterte Flaimi mit ihrer geduldigen Art und legte sanft ihre Hand auf Hazels. „Konzentriere dich.“

Hazel nickte dankbar. Sie nahm einen tiefen Atemzug und erinnerte sich wieder an ihr gewohntes Feingefühl. Mit Flaimis beruhigender Präsenz an ihrer Seite fing Hazel noch einmal von vorne an.

Diesmal rasteten die magischen Fäden perfekt ineinander ein. Der Kupferring erstrahlte in einem zauberhaften Glanz – die Wärme und der Schutz hielten einwandfrei. Hazel bedankte sich bei Flaimi und entschuldigte sich für den verpatzten Zauber. Ihr war nicht entgangen, dass ihre Freundin sie beobachtete. Sie musste nun deutlich wachsamer sein. Sie durfte sich keine Fehler mehr erlauben. Auch Rhiann war zuletzt besorgt um sie gewesen…

Professorin Celia ging lächelnd durch die Reihen, während ihre Augen wachsam und prüfend von Werkbank zu Werkbank wanderten. Als sie an Hazels Tisch ankam, blieb ihr Blick für einen langen Moment auf ihr haften. Celia war in den letzten Wochen nicht entgangen, wie unruhig Hazel wirkte und dass sie gedanklich oft ganz woanders war. Mit dem zunehmenden Schwierigkeitsgrad und den fortgeschrittenen Anforderungen der Ausbildung erwartete sie von ihren Schülerinnen volle Präsenz. Sie hatte gesehen, wie der erste Zauber verpufft war, und kurz mit dem Gedanken gespielt einzugreifen – doch dann hatte sie gesehen, wie elegant Flaimi eingegriffen und Hazel mit ihrer ruhigen Art geerdet hatte.

Nun, da der Kupferring in einem harmonischen Glanz erstrahlte, trat Celia näher, legte eine Hand auf die Werkbank und sah Hazel direkt in die Augen. Ihr Blick war voller warmer Strenge und wachsender Sorge.

„Sehr gut Hazel. Die Magie greift am Ende exakt ineinander, weil du deine innere Unruhe doch noch gebändigt hast“, sagte Celia mit leiser, nur für sie bestimmter Stimme. Sie beugte sich ein Stück vor. „Aber vergiss nicht: Wer komplexe Aufgaben meistern will, braucht absolute Klarheit im Geist. Lass dich von deinen Gedanken nicht davontragen. Du bist zu gut für solche Ablenkungen.“

Hazel schluckte und spürte, wie Celias Worte sie trafen, auch wenn die Professorin von ihren wahren Plänen natürlich keine Ahnung hatte.

Celia lächelte schwach, klopfte Hazel sanft auf die Schulter und ging dann mit gleichmäßigen Schritten weiter die Reihe entlang.

Die Stunde war geschafft, der Ring hielt – und dank Flaimis sanftem Anstoß und Celias strengem, aber fairem Rat hatte Hazel ihren inneren Fokus wiedergefunden. Der Ausflug nach Birkhafen war ihr nächstes Ziel…