Lunastria

Hexenakademie

Zuletzt eingetragen am:
28.06.2026 um 08:20 Uhr
Gerechtigkeit und Gebäck

Der Prüfungssaal wirkte an diesem Morgen einschüchternd. Am hohen Richtertisch saß nicht nur Professorin Elvina, sondern auch die Schuldirektorin Emily mit zwei mürrisch dreinblickenden Aufsichtshexen. Als Hazel das Los für die Rolle der Verteidigerin zog, spürte sie ihren Puls im Hals. Ihre Gegenspielerin, eine ehrgeizige Schülerin aus der vorderen Reihe, übernahm die Anklage und legte sofort giftig los.

„Hohes Gericht!“, tönte die Anklägerin. „Die Beweise liegen auf der Hand. Die angeklagte Hexe hat die Kuchenbäckerin mit einem *Amor-Aroma-Zauber* belegt. Die Bäckerin geriet in Trance und schenkte der Hexe drei Bleche Zimtschnecken und eine Sahnetorte. Das ist eindeutig magischer Diebstahl und Missbrauch von Manipulationsmagie gemäß Paragraph 4 der Schulordnung!“

Ein Raunen ging durch den Saal. Hazel blickte auf ihre Notizen. Drei Bleche Zimtschnecken? Das klang verdammt viel. Sie spürte, wie sie nervös an ihren Hexenhandschuhen zupfte. Doch dann trat Citrin an ihre Seite. Die große Elfe legte Hazel beruhigend eine Hand auf die Schulter und flüsterte ihr mit ihrer klaren Stimme ins Ohr: „Schau genau hin, Hazel. Erinnere dich an das, was du gelernt hast. Magie hinterlässt immer eine Absicht. War diese Absicht böse?“

Citrins Stimme gab Hazel sofort ihren Mut zurück. Sie stand fest auf, blickte der Direktorin mutig in die Augen und begann zu sprechen:

„Hohes Gericht, die Anklage übersieht den Kern des magischen Gesetzes“, konterte Hazel, und ihre Stimme spiegelte die Entschlossenheit wider. „Ja, der Amor-Aroma-Zauber wurde gewirkt. Aber Paragraph 4 verlangt eine böswillige Absicht zur Bereicherung. Ich habe mir das magische Protokoll der Bäckerin angesehen. Die Hexe hat den Zauber nicht auf die Bäckerin gesprochen, sondern auf sich selbst, weil sie nach einem langen Tag im Labor furchtbar nach Schwefel und Sumpfkraut roch!“

Die Anklägerin schnaubte. „Und was ist mit den Gratis-Zimtschnecken?“

Jetzt kam Hazels Parade-Argument, bei dem sie sich auf ihr Wissen über magische Wechselwirkungen verließ: „Die Bäckerin leidet bekanntermaßen unter einer extremen magischen Duft-Allergie. Als die Hexe den Laden betrat, reagierte das Parfüm mit den Backofendämpfen. Es war kein Manipulationszauber, sondern eine unglückliche magische Kettenreaktion, die die Bäckerin kurzzeitig so euphorisch stimmte, dass sie die Kuchen verschenkte! Die Hexe hat sogar versucht, Gold auf der Theke zu lassen – das wurde im Staub nachgewiesen.“

Citrin trat einen Schritt vor, blickte zu den Richterinnen und untermauerte Hazels Plädoyer mit ihrer sanften, aber unumstößlichen Stimme: „Wo kein böser Wille herrscht, darf das Gesetz keine Kriminelle schaffen. Es war ein Unfall der Sinne, kein Verbrechen.“


Im Saal war es mucksmäuschenstill. Die Schuldirektorin tuschelte intensiv mit Professorin Elvina. Nach quälenden Minuten erhob sich die Direktorin und ließ ihren Zauberstab auf den Tisch schlagen.

„Das Gericht hat entschieden. Die Argumentation der Verteidigung ist schlüssig und beweist ein tiefes Verständnis für magische Ursachen und Wirkungen. Die Hexe wird vom Vorwurf des Diebstahls freigesprochen. Sie wird lediglich dazu verdonnert, der Bäckerin beim nächsten Mal die Goldmünzen direkt in die Hand zu drücken.“

Die Direktorin blickte zu Hazel herab und ein seltenes, stolzes Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht. „Hervorragend plädiert, Hazel. Und ein wunderbares Zusammenspiel mit eurer Elfe. Die Prüfung ist mit Bestnote bestanden!“

Hazel atmete tief aus und strahlte über das ganze Gesicht. Sie klatschte glücklich mit Citrin ab. Die 10. Stunde war vorbei – das Fach Regeln und Gesetze hatten sie bravourös gemeistert!