Lunastria
Hexenakademie
- Codex Astraea NEU
- Astrolabium Zodiac
Prompt August 2026
01.08.2026 um 11:40 Uhr
Familientreffen – Hoffnung, Kraft & Mut
Die Sonnenstrahlen des späten Vormittags vertrieben den letzten Morgennebel über Helvik, als Hazel voller Vorfreude am großen, schmiedeeisernen Eingangstor der Akademie stand. An ihrer Brust schlief die kleine Merle, sicher abgeschirmt durch ein leichtes Tuch, während Citrin auf Hazels Schulter ungeduldig mit den Beinen wippte. Neben ihr warteten Tante Cybil, die wie immer eine elegante, stolze Haltung bewahrte, und Jane, die neugierig die Allee hinabblickte.
„Da kommen sie!“, rief Jane und winkte begeistert.
Zwei vertraute Gestalten bogen um die Ecke. Hazels Herz machte einen glücklichen Satz. Da waren sie: Ihre Mutter Ceres, deren Ähnlichkeit zu Cybil man trotz ihrer viel weicheren Ausstrahlung sofort sah, und ihr Vater Hektor, der schon von Weitem ein breites, stolzes Lächeln im Gesicht hatte.
Die Begrüßung am Tor war herzlich und laut. Hektor drückte seine Tochter fest an sich, während Ceres Jane sofort überschwänglich in die Arme schloss. Cybil und Ceres tauschten eine vertraute Umarmung aus. Der erste Blick der Eltern galt natürlich sofort dem neuen Familienmitglied. Ceres hielt gerührt den Atem an, als sie das Tuch ein wenig wegschob. „Sie ist wunderschön, Hazel“, flüsterte sie mit feuchten Augen, während Hektor den Zeigefinger ausstreckte, nach dem Merle im Schlaf prompt mit ihrer kleinen Hand griff. Da schmolz selbst der 1,90m große Mann dahin.
Gemeinsam schlenderte die kleine Gruppe durch Helvik. Sie suchten sich ein gemütliches Café am Marktplatz. Bei duftendem Kaffee, frischem Kräutertee und warmen Croissants wurde geredet, gelacht und die Eltern ließen sich jedes Detail von Hazels bisherigen Prüfungen erzählen und von Merles erster erfolgreicher Untersuchung.
Gegen Mittag erhob sich Cybill und strich ihren Rock glatt. „Es war mir ein Fest, Ceres, Hektor“, sagte sie mit einem ehrlichen Lächeln. „Aber Jane und ich müssen zurück. Die Akademie-Organisation schläft nicht.“ Jane drückte Hazel noch kurz die Hand: „Genießt euren Tag!“, und die beiden Hexen verabschiedeten sich in Richtung der Akademie.
Nun saß Hazel allein mit ihren Eltern am Tisch. Eine vertraute, tiefe Gemütlichkeit breitete sich aus. Jetzt war es ein Treffen unter vier Augen – oder besser gesagt, unter fünf, denn Merle war mittlerweile auf dem Schoß von Ceres eingeschlafen.
Hektor sah seine Tochter voller Anerkennung an. „Du machst das großartig mit ihr. Wer hätte gedacht, dass unser kleines Mädchen mal so eine Verantwortung trägt.“
Ceres nickte und strich Hazel sanft über die Hand. „Es ist einfach ein Wunder. Als Mutter weiß ich ja selbst, wie intensiv diese erste Zeit ist. Man wächst mit jedem Tag ein Stück mehr in diese Rolle hinein. Doch ich glaube ein Rosenkind ist um einiges anstrengender.“ schmunzelte Ceres. Hazel lächelte gerührt, doch dann wurde ihr Blick etwas ernster, aber voller Hoffnung. Sie rückte ein Stück näher an den Tisch. „Es gibt da noch etwas, das ich euch unbedingt erzählen wollte. Es ist in meiner letzten Prüfung in passiert, als ich mein inneres Auge geöffnet habe. Ich hatte eine Vision.“ Hektor legte seine Kaffeetasse ab und Ceres blickte sie aufmerksam an. „Ich habe meinen Vertrauten gesehen“, fuhr Hazel mit leiser Stimme fort. „Ein stolzer Kristall-Hirsch…und da war noch etwas. Ein weißer Hase. Es war nur ein flüchtiger Moment, nur ein Hauch – aber als ich ihn gesehen habe, musste ich sofort an Maru denken. Ich habe ganz tief in mir gespürt, dass diese Erscheinung etwas mit ihr zu tun hat. Als wäre es ein Zeichen von ihr.“
Bei der Erwähnung von Marus Namen hielten Hektor und Ceres für einen Moment den Atem an. Ein emotionales Leuchten trat in die Augen ihrer Mutter, und sie legte sich gerührt die Hand aufs Herz, während Hektors Blick weich und tief berührt wurde. Seit mittlerweile drei Jahren suchten sie nach jedem noch so kleinen Lebenszeichen ihrer älteren Tochter.
„Ein weißer Hase…“, wiederholte Ceres leise, und ein wehmütiges, aber unendlich hoffnungsvolles Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Sanft strich sie Merle über den Kopf. „Oh, Hazel. Maru war schon immer eng mit dir verbunden. Dass sich dir in deiner Vision so ein Bild zeigt… das kann kein Zufall sein.“
Hektor nickte und drückte Hazels Hand ganz fest. „Es erfüllt unser Herz mit so viel Stolz und Hoffnung, mein Stern. Du bist hier an der Akademie und wirst immer stärker. Dass deine Magie eine Brücke zu deiner Schwester schlägt, zeigt uns, dass das Band zwischen euch beiden ungebrochen ist. Vielleicht führt dich dein Weg hier am Ende genau zu ihr.“
Hazel spürte, wie eine Welle von Wärme und Erleichterung ihre Brust erfüllte. Zu wissen, dass ihre Eltern diesen kleinen Hauch von Hoffnung genauso spürten wie sie, gab ihr eine unglaubliche, neue Kraft für alles, was noch vor ihr lag.
Den restlichen Nachmittag verbrachten die drei mit ausgiebigen Spaziergängen und zeigten Merle die bunten Farben des Marktes. Als schließlich die Dämmerung hereinbrach, machten sie sich gemeinsam auf den Weg zum Kindergarten. Zusammen brachten sie die müde Merle ins Bett. Ceres und Hektor sahen gerührt zu, wie Hazel das Baby routiniert zudeckte, während Citrin treu als kleine Nachtwache auf dem Bettrand landete.
Zurück am großen Eingangstor der Akademie war es schließlich Zeit für den Abschied. Der Abendhimmel über Helvik war nun tiefviolett und von ersten Sternen durchzogen.
„Pass gut auf dich auf Liebling“, sagte Hektor, zog Hazel in eine letzte, feste Umarmung und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn. Auch Ceres schloss ihre Tochter noch einmal fest in die Arme. „Und komm uns bald mal wieder besuchen! Ich möchte Merle so vieles zeigen.“
Dann trat Hektor einen Schritt zurück. Als erfahrener Obskurant, der die dimensionalen Portale der magischen Welt überwachte und sicherte, brauchte er für die Heimreise keinen Besen. Er hob die Hand, und mit einer eleganten, absolut präzisen Geste webte er seine Magie in die Abendluft. Ein leises, melodisches Summen erfüllte die Nacht, als sich vor ihnen der Raum zu spalten begann. Ein kreisrundes, stabiles Portal öffnete sich, dessen Ränder in sanftem Licht flirrten und den Blick auf die vertraute, nächtliche Landschaft vor ihrem Zuhause freigaben. Es war ein meisterhafter, absolut unauffälliger Zauber – genau so, wie es nur ein echter Experte zustande brachte.
Ceres lächelte Hazel ein letztes Mal zu, nahm Hektors Hand und gemeinsam schritten die beiden durch den flimmernden Bogen. Mit einem leisen Plopp schloss sich das Portal hinter ihnen, und die Luft war augenblicklich wieder vollkommen still.
Hazel winkte dem leeren Platz noch einen Moment hinterher. Citrin landete auf ihrer Schulter und schmiegte sich an sie. „Weißt du, Citrin?“, murmelte Hazel leise in die kühle Abendluft. „Ich war so froh, meine Eltern zu sehen, dass ich ihnen vor lauter Aufregung gar nicht von Sejanus erzählt habe…“
Sie hielt inne, und ein kleines, schwärmerisches Leuchten trat in ihr Augen. „Eigentlich wollte ich ihnen so viel sagen, aber irgendwie schien dieser Moment heute nur für Maru, Merle und unsere kleine Familie bestimmt gewesen zu sein.“
Citrin, die bis eben noch ruhig auf Hazels Schulter gesessen hatte, richtete sich auf. Ihre kleinen Augen fixierten Hazel mit einem Ausdruck, der eine Mischung aus Sorge und einer leichten Strenge war. „Vielleicht war das auch besser so…“, erwiderte die Elfe mit ihrer hellen, sanften Stimme. „Wir kennen ihn doch garnicht. Warum ist er überhaupt hier? Ich hab ein komisches Gefühl bei ihm…“
Hazel lachte leise und strich Citrin zärtlich über den Kopf, auch wenn sie wusste, dass die kleine Elfe nicht ganz unrecht hatte. „Du hast ja recht. Mach dir keine Sorgen. Ich hoffe ich sehe ihn bald wieder und kann dir die Sorgen nehmen.“ während sie das sagte, spürte sie ein Kribbeln, das allein die Erwähnung seines Namens in ihr auslöste. Mit dem wohligen Gefühl ihrer Familie im Rücken und dieser kleinen, geheimnisvollen Spannung im Herzen, machte sie sich auf den Rückweg in die Akademie.













