Lunastria

Hexenakademie

Zuletzt eingetragen am:
24.10.2026 um 13:00 Uhr
30 September, 2026| Hazel| |
Dunkle Gedanken

Die Nacht lag schwer und kühl über den schimmernden Gassen des Königreichs Astraea. Die Straßen der Blütenallee waren leer.

Hazel hatte am Abend noch über den letzten Plänen für den Ausflug nach Birkhafen gegrübelt, als Citrin aufgeregt durch das Fenster ihres Zimmers hereingeflogen kam.

„Hazel, wir müssen unseren Ausflug nach Birkhafen noch kurz aufschieben!“, rief sie mit besorgter Stimme „Ich habe während meines Rückwegs von der Elfenlichtung etwas seltsames gespürt. Wir müssen dringend in das Elfen-Café – dort ist etwas dunkles!“

Mitten am Tag hätten sie dort unmöglich nach einem verfluchten Gegenstand suchen können, ohne Unruhe unter den Gästen auszulösen. Also machten sie sich sofort im Schutz der Dunkelheit auf den Weg.

Mit einer vorsichtigen Handbewegung und einem leisen, dämpfenden Schutzzauber glitt Hazels Finger über das Türschloss des geschlossenen Cafés. Das alte Holz gab lautlos nach, und sie schlüpften ins Innere. Hazel wusste das dies nicht der korrekte weg war, doch die Zeit saß ihr im Nacken.

Der Duft von Kuchen und süßen Beeren lag in der Luft, doch er wurde von einer fauligen, eisigen Note überlagert. Citrin flog voraus, sie erzeugte mir Magie ein kleines Licht und erhellte den Raum nur minimal, während sie sich durch die Tische und Stühle zu einem abgetrennten Lagerbereich im Hinterzimmer vorarbeiteten.

Dort, zwischen verstaubten Kisten voller altem Teegeschirr, Vorratsgläsern und Dekoration, schlug der Kompass in Hazels Hand heftig aus.

Hazel ging in die Knie und schob einen Stapel Porzellanteller beiseite. Da lag es: das sechste Artefakt. Ein schwerer, metallischer Anhänger in Form einer detailreichen Blüte, deren Adern in einem kranken, giftigen Grün schimmerten. Die umliegenden Holzkisten schienen unter dem passiven Einfluss bereits zu verrotten.

Hazel zögerte keine Sekunde. Sie legte ihre Hände um den grünen Anhänger.

Sofort biss die Kälte durch ihre Handschuhe, und eine Wand aus finsterer, hasserfüllter Energie schoss aus dem Artefakt hervor. Die Magie, wie ein schwarzer Schatten, bäumte sich auf, zischte wild und drohte Hazel den Atem abzuschnüren. Die Dunkelheit schien sie zu erdrücken.

Mit eiserner Entschlossenheit, riss Hazel die Hand von dem Anhänger weg und griff mit der anderen fest an ihr Hirschamulett, das sie eng um den Hals trug. Sie schloss die Augen und rief in Gedanken nach ihrem Vertrauten: „Steh mir bitte bei!“

Ein warmes, helles Pulsieren ging von dem Metall aus. In diesem Augenblick manifestierte sich der Kristallhirsch – eine gewaltige, edle Gestalt aus reinem Licht, das sich schützend und stärkend hinter Hazel aufbaute. Ein Schwall gewaltiger, golden leuchtender Energie durchströmte ihren Körper und drängte die Finsternis zurück.

In diesem Zustand der tiefen magischen Resonanz, als Hazels Geist weit offen stand, riss sie plötzlich ein mentaler Strudel mit. Ein Echo schnitt durch ihre Gedanken – Marus Stimme, leise, kraftlos und von unendlicher Verzweiflung gezeichnet, erklang direkt in ihrem Kopf. Auch eine zweite Stimme erkannte Sie. Es war ihre Elfe Magnolia.

„Es ist hoffnungslos… Ich bleibe hier gefangen, für immer im grauen Nichts… Warum überhaupt noch weiterkämpfen? Nichts hat etwas gebracht… Niemand kann mich finden…“ Marus stimme klang leise. Es war eher ein flüstern. „Nein das stimmt nicht! Hazel hat dich gehört! Sie hat zu dir gesprochen! Sie findet einen Weg! Wir müssen jetzt stark bleiben und darauf hoffen das sie einen Zugang findet. Denn wenn sie greifbar ist, müssen wir bereit sein Maru!“ Das war Magnolia. Sie sprach ihr Mut zu und klang fast schon wütend. Mit aller Macht versuchte sie Marus Hoffnung zurückzuholen. Nach einem langen Moment der Stille, höre sie Maru schniefen. „Ja…. du hast Recht. Aber es ist so verdammt schwer.“

Der Schmerz in Marus Worten traf Hazel wie ein physischer Schlag ins Gesicht. Ihr Herz zog sich schmerzhaft zusammen.

Mit einem erstickten Aufschrei sammelte Hazel all ihre verbliebene Willenskraft, bündelte ihre Runenmagie und sprach den Bannspruch: „Lunae Lucem! Vincula frange, malum dissolve, exi in umbras!“

Ein greller, golden leuchtender Kreis schloss sich um den Anhänger. Der Schatten flackerte wütend auf, wurde dann jedoch von den Siegeln gewaltsam umschlossen und tief in den Kern gebannt. Die Dunkelheit erstarb. Der blumenförmige Anhänger war nun vollständig versiegelt und unschädlich gemacht.

Atemlos nahm Hazel den versiegelten Anhänger und ließ ihn sicher in ihrer Tasche verschwinden. Dank der sauberen Versiegelung gab es keine Schäden im Raum – er sah aus wie zuvor.

Um absolut sicherzugehen, schwebte Citrin eiligen heran, hob die Hände und wirkte einen sanften Reinigungszauber über das gesamte Hinterzimmer. Im Handumdrehen war auch die letzte Restspur der dunklen Energie wie weggewischt, die Luft roch wieder frisch nach Gebäck.

Der Kristallhirsch verblasste langsam wieder zu einem sanften Schimmer, während Hazel nach Luft schnappend im Halbdunkel kauerte. Die Tränen brannten in ihren Augen – Marus Worte hallten noch immer schmerzhaft in ihrem Kopf nach.

Citrin setzte sich behutsam auf Hazels schlotternde Schulter und schmiegte sich tröstend und ganz warm an ihre Wange. „Du hast Magnolia gehört. Sie wird Maru Kraft geben, bis wir endlich am Ziel sind!“ tröstete sie.

Hazel strich mit zitternden Fingern über den Kopf ihrer treuen Elfe, stand auf und wusste: Es gab keine Zeit mehr zu verlieren. Der Fund des sechsten Artefakts hatte ihr schmerzlich vor Augen geführt, wie nah Maru am Abgrund war. Der nächste Schritt stand fest: Sie musste nach Birkhafen reisen, den Nocturnit-Stein holen und den Realm-Schlüssel vollenden.