Lunastria

Hexenakademie

Zuletzt eingetragen am:
15.09.2026 um 15:00 Uhr
30 August, 2026| Hazel| , |
Die Schattenkrone

Die Vorlesungsreihe im Fach magische Artefakte war ohnehin fesselnd, doch als Professorin Celia die leuchtende Karte entfaltete und die Aufgabe stellte, schlug Hazels Herz sofort schneller. Bevor es jedoch an die Vorträge ging, hieß es erst einmal: Ärmel hochkrempeln.

Ganze zwei Stunden lang waren Hazel und ihre Mitschülerinnen tief in der historischen Abteilung der Bibliothek verschwunden. Zwischen meterhohen Regalen aus schwerem Eichenholz knisterten alte Pergamente und staubige Folianten. Es raschelte, blätterte und flüsterte überall im Raum, während die Hexenschüler fieberhaft nach vergilbten Notizen suchten, Informationen zusammentrugen, Fakten abglichen und ihre Skizzen anfertigten. Hazel saß mitten in einem kleinen Turm aus aufgeschlagenen Chroniken, biss sich konzentriert auf die Unterlippe und schrieb Stichwort um Stichwort auf, um ihren Vortrag bis ins kleinste Detail durchzuplanen und einzustudieren.

Als die zwei Stunden verflogen waren, kehrte die Klasse zurück in den voll besetzten Hörsaal. Nun begann der anstrengende, aber faszinierende Teil: die Präsentationen der Schülerinnen.

Eine nach der anderen traten die Mitschüler nach vorn. Über ihren Pulten schwebten magische Projektionen von legendären Relikten – von der funkelnden Sturm-Klinge von Zerasta, die laut den Beschreibungen im Wind tanzte, bis hin zum Ewigen Licht der Astralis, das den Raum in einen warmen Glanz tauchte. Die Klasse lauschte gebannt den Erzählungen über verlorene Königreiche, epische Schlachten und uralte Magier.

Schließlich war Hazel an der Reihe. Sie trat vor die Klasse, während ihr Blick direkt auf das dunkelste Symbol der Karte fiel: Die Schattenkrone. Ein Gegenstand, der gleichermaßen faszinierte und in Ehrfurcht erstarren ließ.

Mit einem präzisen Wink und einer leisen Beschwörung ließ Hazel nun über ihrem Pult eine magische Projektion entstehen. Eine detailgetreue, dreidimensionale Illusion der Schattenkrone begann langsam und schwerelos in der Luft zu schweben – aus dunklem, geschwärztem Eisen geschmiedet, durchzogen von Adern aus violettem Licht und gekrönt von einem tiefschwarzen, ungeschliffenen Edelstein im Zentrum.

Hazel warf einen kurzen Blick auf ihre sorgfältig einstudierten Notizen und begann mit fester, klarer Stimme zu sprechen:

Die Schattenkrone, die ihr hier über meinem Tisch schweben seht, gehört zu den umstrittensten und mächtigsten Relikten unserer Geschichte“, begann Hazel und deutete auf die schwebende Projektion, deren violette Adern im Takt zu ihrer Stimme zu pulsieren schienen.

„Erschaffen wurde sie vor Jahrhunderten nicht von sterblichen Herrschern, sondern in den tiefsten, vergessenen Gewölben uralter Magier, die das Gleichgewicht zwischen Licht und Finsternis ausloten wollten. Man erzählt sich, dass die Krone in einem Vulkan geschmiedet und mit den eingefangenen Schatten von Sonnenfinsternissen getränkt wurde.

Ihre Kräfte sind ebenso faszinierend wie furchterregend. Wer die Schattenkrone trägt, erhält die Gabe, die Gedanken und magischen Strömungen anderer Wesen im Umkreis von Meilen zu spüren. Sie verleiht dem Träger eine absolute, eiserne mentale Kontrolle und den Schutz vor jeglicher fremder Beeinflussung. Doch dieser enorme Machtzuwachs hat einen hohen Preis: Die Legenden besagen, dass die Krone die tiefsten Ängste und Schattenseiten des Trägers speist. Wer nicht stark genug ist, wird von der eigenen Dunkelheit verschlungen und in einen kalten, gefühllosen Tyrannen verwandelt.

Berühmt – oder eher berüchtigt – wurde die Schattenkrone durch die Ereignisse während des Großen Dämmerungskrieges. Damals wurde sie von einer rebellischen Zirkelführerin genutzt, um eine ganze Armee aus dem Schatten zu lenken, ehe sie nach deren Sturz spurlos verschwand. Viele Historiker glauben, dass sie seither gut versteckt in den Schattenkanten der Welt ruht – oder darauf wartet, von jemandem gefunden zu werden, der stark genug ist, ihre Last zu tragen.“

Hazel senkte die Hand, und die schwebende Projektion der Schattenkrone verblasste langsam in einem sanften Funkenregen. Im Klassenzimmer herrschte für einen Moment absolute Stille, bevor Professorin Celia anerkennend nickte und die Klasse in verhaltenes Raunen ausbrach.

Für Hazel war dieses Referat mehr als nur eine Hausaufgabe. Die Auseinandersetzung mit solch mächtigen, dunklen Artefakten bestärkte sie innerlich in ihrem Entschluss: Sie musste den Spuren dunkler Magie weiter folgen. Vielleicht…vielleicht würde sie dann Maru endlich finden.