Lunastria

Hexenakademie

Zuletzt eingetragen am:
15.06.2026 um 15:40 Uhr
Die Kristallträne

Der große Tag war endlich gekommen! Nach vielen Stunden in diesem und den anderen Kursen hatte Hazel genug Wissen und Erfahrung gesammelt, um ihren eigenen Zauberkristall zu beschwören. Sie wusste, dass dies kein leichtes Unterfangen war, aber sie war gut vorbereitet und voller Motivation.

Anstatt im vertrauten Klassenzimmer stand sie gemeinsam mit ihren Mitschülerinnen draußen im Hof der Akademie. Die Schülerinnen der anderen Klassen hatten sich versammelt, um ihnen zuzusehen. Unter den Zuschauern standen auch Echo, Amber, Felo, Flaimi, Maron und Legy. Sie alle hatten die Nervenprobe bereits hinter sich. Doch anstatt sich auf ihrem Erfolg auszuruhen, blickten sie gebannt nach vorne und fieberten mit Hazel mit. Mittendrin standen auch ihre Freundinnen Rikku, Minni, Bini und Coco. Sie hatten ihre eigene letzte Prüfung noch vor sich und starrten so gespannt auf das Geschehen, als würden sie jeden Handgriff im Geiste mitlaufen.

Hazel spürte die Blicke der Menge wie ein leichtes Prickeln auf ihrer Haut. Als ihr Name erklang, trat Hazel vor. Sie war sichtlich nervös, und das vertraute Flattern machte sich in ihrem Bauch breit. Sie sah kurz zu ihrer kleinen Elfe Citrin, die ruhig neben Professorin Estrella schwebte und sie mit großen sanften Augen ansah. Hazel atmete tief ein und vertraute auf das, was sie gelernt hatte.

Jetzt begann der wichtigste Teil: Sie schloss die Augen und stellte sich ihren Hexenkristall bildlich vor. Sie dachte an seine Form, seine Farbe, seine Größe – all die Details, die ihn einzigartig machen sollten. Vor ihrem inneren Auge formte sich ein Kristall. Sie dachte kurz an ihr Ankommen hier. An ihre kleine Elfe Citrin, die zur ihr gehörte. An ihre Freunde, die sie hier gefunden und zu denen sie ein riesiges Vertrauen aufgebaut hatte. Sie dachte an ihre Eltern. An ihre Tante. An Maru. Sie dachte an Freude und Liebe. An tiefen Schmerz und Verlust aber auch an unbändige Hoffnung.

Hazel öffnete ihre Augen. Konzentriert begann sie, den schwierigen Beschwörungskreis zu weben. Ganz ohne Zauberstab, rein durch ihre Spezialität – die Runenmagie. Mit ruhiger, präziser Hand zog sie ihre Finger durch die Luft, und augenblicklich folgten ihr glühende Linien. Funken aus goldenem Licht sprühten von ihren Fingerkuppen und blieben wie leuchtende, greifbare Fäden im Raum stehen. Sie zeichnete die komplexen Zeichen, formte die uralten Runen für

Suche – Kenaz

Wahrheit – Ansuz ᚫ und 

Ausdauer – Nauthiz ᚾ 

direkt in die Luft. Ihre Hand zitterte nicht. Jeder Kreisschluss war perfekt. In den Zuschauerrängen hielten Echo und Rikku gleichzeitig den Atem an, fasziniert von Hazels meisterhafter Runenarbeit. Als das letzte Symbol gesetzt war, begann die Magie zu arbeiten.

Ein plötzlicher Windstoß fegte über den Hof der Akademie und ließ die Umhänge der Zuschauer flattern. Das Murmeln in der Menge verstummte augenblicklich. Der goldene Beschwörungskreis vor ihr begann so hell zu glühen, dass einige Schülerinnen die Augen abwenden mussten. Ein tiefes, vibrierendes Summen lag in der Luft.

Inmitten des Kreises begann sich das Licht zu verdichten. Es wirbelte wie ein kleiner Tornado, zog Staub und magische Partikel an. Dann gab es ein scharfes, kristallines Knacken. Das Licht zersprang in tausend glitzernde Funken und gab den Blick auf Hazels Schöpfung frei.

Der Kristall schwebte eine Handbreit über dem Boden. Er hatte die elegante Form eines großen Tropfens – oder aber einer versteinerten Träne. Die Oberfläche war von rauen, scharfen Facetten durchzogen, die das Licht brachen. Seine Farbe war ein tiefes grün, doch im Inneren dieser Kristallträne pulsierte ein warmes, goldenes Leuchten. Er strahlte eine spürbare Energie aus.

Ihre Freunde wechselten beeindruckte Blicke. Professorin Estrella trat langsam näher, ihre Augen weit vor Staunen. Sie strich sich über das Kinn und blickte von der leuchtenden Träne zu Hazel. „Faszinierend“, murmelte die Professorin, laut genug, dass die vorderen Reihen es hören konnten. „Ein Kristall, der von unbändigem Willen spricht. Bestanden Hazel.“

Erleichterte Rufe gingen durch ihre Freundesgruppe. Citrin flog enthusiastisch auf sie zu, tanzte in der Luft fröhlich um Hazel herum.

Hazel streckte die Hand aus. Der Kristall sank sanft in ihre Handfläche. Er fühlte sich warm an und die Energie, die durch ihren Arm floss, gab ihr ein unglaublich mächtiges Gefühl. Im Anschluss gab es kein Halten mehr und ihre Freunde vielen über sie her. Umarmten Hazel und beglückwünschten Sie zur bestandenen Prüfung.