Lunastria
Hexenakademie
11.10 – 08.11.2026
- Astrolabium Zodiac
13.10.2026 um 15:00 Uhr
Der winzige Funke
Auf der anderen Seite des Schleiers
Während Hazel in der Stille der Akademie an ihren Plänen für den Realm-Schlüssel saß, sah Marus Realität vollkommen anders aus.
Für Maru gab es keine gemütlichen Nächte. Es gab überhaupt kein Morgen mehr – nur das ständige, grauenhafte Wiederkehren desselben Tages. Eine Zeitschleife, die sie wie ein unsichtbarer Käfig umschloss.
Jeden Tag aufs Neue versuchte sie etwas anderes. Mal versuchte sie, die Schleife mit uralter, roher Magie zu sprengen, an anderen Tagen weihte sie ihre drei besten Freundinnen, Bonnie, Prima und Elea, in das Geheimnis ein, um gemeinsam einen Ausweg zu finden. Sie erklärte ihnen die Risse im Gefüge, flehte sie an, sich zu erinnern. Doch es nützte nichts. Jeder Versuch endete im selben Albtraum: Wenn die Nacht endete und der neue Tag anbrach, war alles wie weggewischt. Die Zeit setzte sich zurück. Bonnie, Prima und Elea blickten sie morgens stets mit vollkommen überraschten und unwissenden Augen an, während Maru die Erinnerung an all die gescheiterten Versuche allein auf den Schultern trug.
Tage, Wochen, Monate… oder vielleicht sogar Jahre, wälzte sie dicke Folianten, häufte stundenlang verbotenes Wissen an, suchte nach Schwachstellen in den Zeitachsen – Tag für Tag für Tag. Sie wusste nicht, wie viel Zeit tatsächlich vergangen war. Die Müdigkeit hatte längst tiefe Schatten unter ihre Augen gegraben.
Ihre treue Elfe Magnolia versuchte verzweifelt, sie aufzumuntern. Magnolia brachte ihr warme Tees, strich ihr sanft über die Schulter und redete gut auf sie ein, versuchte ein Lächeln in Marus Gesicht zu zaubern. Doch Maru spürte nur noch eine bleierne, erdrückende Leere in ihrer Brust. Die ständige Wiederholung, das Gefühl, gegen unsichtbare Wände zu rennen, während die Hoffnung Tag für Tag ein Stück mehr erstarb, zog sie tief nach unten. Die Einsamkeit in der Schleife schien sie bei lebendigem Leibe zu verschlingen.
Und dann, als die Dunkelheit um sie herum fast schon greifbar war, erschien ihr Vertrauter.
Der geisterhafte Hase, flackerte plötzlich im Raum auf. Er war von seiner langen Reise jenseits der Dimensionen zurückgekehrt. Mit einem sanften, fast unwirklichen Leuchten trat er direkt vor Maru.
In den Augen des kleinen Wesens lag eine tiefe, fast menschliche Traurigkeit, als es sah, wie sehr seine Partnerin litt. Der Hase trat näher, neigte den Kopf und legte seine Stirn behutsam gegen Marus, um sie auf seine eigene, stille Art zu trösten.
Und dann, aus dem hellen Schimmer des Hasen heraus, erklomm eine vertraute Stimme den Raum. Es waren Hazels Worte, getragen von unerschütterlicher Entschlossenheit, die der Vertraute zu ihr herübertransportierte:
„Maru! Ich bin hier! ICH HABE DICH GEHÖRT! Ich finde dich. Ich verspreche es dir!“
Maru hielt den Atem an. Sie hörte diese Worte klar und deutlich. Ein Funken, ein winziges Gefühl von Freude und Wärme zuckte durch ihren müden Körper.
Doch die Hoffnung… sie kam nicht mehr richtig in ihrem Herzen an. Die unendlichen Schleifen hatten Marus Seele zu sehr ausgelaugt, zu schwer gemacht, als dass dieser einzelne Lichtstrahl sie hätte ganz erwärmen können. Die Freude blieb nur noch ganz klein, verschüttet unter der tonnenschweren Last der vergangenen Tage. Oder Wochen. Oder Jahren?
Der Hase wich einen Schritt zurück und blickte Maru tief in die Augen. In diesem Moment veränderte sich sein Ausdruck: Sein Blick wurde fest, entschlossen und unerschütterlich – ein stummes Versprechen, dass er weiterkämpfen und Hazel den Weg zeigen würde.
Kurz darauf verblasste das Geisterwesen wieder im Raum. Maru blieb zurück in der stillen Einsamkeit, während der Kreislauf unerbittlich weiterging – mit einem letzten, winzigen Funken Hoffnung, der zu ersticken drohte.













