Lunastria
Hexenakademie
- Codex Astraea NEU
- Astrolabium Zodiac
Prompt September 2026
15.09.2026 um 15:00 Uhr
Der gefrorene Augenblick
Es war ein ganz normaler, geschäftiger Vormittag an der Akademie. Die Sonne schien warm durch die hohen Fenster, als Maru mit ihren besten Freundinnen Bonnie, Prim und Elea durch den belebten Innenhof schritt.
Maru hatte gerade eine Vorlesung über magische Artefakte gehalten und erzählte ihren Freundinnen begeistert davon. Die drei berichteten lachend von einer chaotischen Kräuterkunde-Stunde, während Maru schmunzelte und ihr Notizbuch an die Brust drückte. Kurz darauf kreuzte Professorin Celia, ihre Mentorin, ihren Weg, warf einen wohlwollenden Blick auf Marus fortgeschrittene Forschungen und wechselte ein paar ermutigende Worte mit ihr. Es fühlte sich gut an. Alles war an seinem Platz.
Den Nachmittag verbrachte Maru vertieft in ihrer Arbeit, gebeugt über alte Folianten und die akribische Untersuchung eines geheimnisvollen Edelsteins. Erst als sich der späte Abend über die Akademie legte, packte sie erschöpft aber zufrieden ihre Sachen zusammen. In ihrem Zimmer setzte sie sich kurz an den Nachttisch, nahm einen kleinen Bilderrahmen mit einem Foto ihrer Familie in die Hand, lächelte leise in die Dunkelheit und schloss schließlich die Augen, um in einen tiefen, traumlosen Schlaf zu sinken.
Der nächste Morgen
Maru schlug die Augen auf, trat hinaus in den Flur und begegnete exakt denselben Studenten, die dieselben Sätze wechselten. Als sie mit Bonnie, Prim und Elea durch den Innenhof ging, erzählten die drei haargenau dieselben Anekdoten. Maru hielt kurz inne, ein leises Gefühl des Unbehagens schlich sich in ihren Magen. Habe ich das nicht alles schon mal…?
Doch bevor sie den Gedanken greifen konnte, winkte Professorin Celia sie herüber und sprach exakt dieselben ermutigenden Worte. Maru schüttelte das seltsame Gefühl ab. Es war sicher nur Einbildung oder Überarbeitung.
Der Tag schritt voran, exakt wie der vorige. Wieder saß sie am Abend allein in der hintersten Ecke der Bibliothek, die Kerzen brannten auf dieselbe heruntergebrannte Länge ab, während ihre Hand mechanisch die alte Schreibfeder über das Pergament führte.
Plötzlich – mitten in einer Zeile – zuckte ihre Hand. Ein stechender, eisiger Schmerz schoss ihr durch die Brust. Der Text auf dem Pergament verschwamm vor ihren Augen.
Sie blickte auf. Ihr Blick fiel auf das große Fenster. Draußen in der sternklaren Nacht stand eine Gestalt im Schatten: Ein Hirsch, dessen Geweih voll Edelsteine glitzerte. Er blickte direkt durch das Glas zu ihr herüber, mit einem so liebevollen, vertrauten Blick, dass Maru der Atem stockte.
Der Kristallhirsch neigte den Kopf und stieß einen feinen Hauch gegen das Glas. In genau diesem Moment durchzog ein feiner Riss die Luft direkt vor Marus Gesicht, und durch diesen Spalt hindurch – fern, gedämpft, aber absolut unverkennbar – hörte sie leise eine geliebte Stimme:
„Maru… wo steckst du nur?“
Der Hirsch verschwand in einem sanften Lichterregen, und der Riss schloss sich mit einem schabenden Geräusch.
Maru starrte auf das Papier vor sich, und mit einem Schlag fror ihr das Blut in den Adern ein. Sie blickte auf die Tinte, auf die Zeilen, auf den gesamten Tag, der sich wie ein unsichtbares Gefängnis um sie gelegt hatte. Es gab keinen Zweifel mehr. Sie steckte in einer Zeitschleife fest.
Als sie am nächsten Tag wieder die Augen aufschlug, liefen ihr sofort die Tränen über das Gesicht. Die schreckliche Gewissheit traf sie wie ein Hammerschlag. Doch diesmal brannte ein helles Licht der Hoffnung in ihrer Brust: Hazel sucht nach mir!
Im Laufe des Tages lief Maru wie auf Kohlen. Sie tat so, als wäre alles normal, doch ihre Gedanken rasten. Sie wartete gezielt darauf, dass der Riss wiederkam. Sie spionierte im Geiste jede Minute aus, lauschte in sich hinein – doch den ganzen Tag über passierte absolut gar nichts. Die Luft blieb starr, die Schleife hielt stand. Ein nagendes Gefühl der Entschlossenheit wuchs in ihr. Der Riss kam nicht einfach so. Er schien auf etwas zu reagieren.
Erst am späten Abend, als sie bereits in ihrem Zimmer saß und gedanklich fast schon aufgeben wollte, passierte es.
Plötzlich zuckte die Luft in der Ecke ihres Zimmers. Ein feines Flimmern riss die Dunkelheit auf, begleitet von einer warmen Magiewelle, die in der Luft knisterte. Hazel musste in der Realität gerade einen Zauber wirken oder mit ihrem Vertrauten verbunden sein!
Maru zögerte keine Sekunde. Sie sprang auf, lief auf das flackernde Schimmern zu, presste die Hände an die Luft und schickte ihren Ruf aus tiefster Seele durch den Schleier hindurch: „Hazel…? Hazel!“
Ob die Nachricht durchkam? Sie wusste es nicht. Es war ein verzweifelter Sprung ins Dunkle. Doch in genau diesem Augenblick, weit entfernt im Schulgarten der Akademie, riss Hazel die Augen auf, als eben jene vertraute Stimme durch die magische Resonanz zu ihr drang.
Als der Riss sich langsam wieder schloss und das Zimmer in stillem Dunkel versank, atmete Maru zittrig aus. Sie verstand nun. Der Loop reagierte auf Hazels Magie. Sie konnte den Riss nicht erzwingen – aber wenn Hazel weitersuchte, wenn sie zauberte oder starke Magie nutzte, würde sich das Fenster wieder öffnen. Und das nächste Mal würde Sie bereit sein! „Hazel! Ich bin da! Gib mich nicht auf!“












