Lunastria

Hexenakademie

Zuletzt eingetragen am:
20.09.2026 um 16:00 Uhr
16 September, 2026| Hazel| , |
Das Parvum-Elixier

Nun stand die achte Stunde in Zaubertrankkunde auf dem Plan, und Professorin Sindony hatte sich für ihre Schülerinnen etwas gänzlich Unkonventionelles einfallen lassen. Statt in den gewohnten Kesseln des Klassenzimmers zu brodeln, hieß es heute: Exkursion!

„Wer sagt denn, dass das Leben einer Trankhexe nur aus staubigen Regalen besteht?“, rief Professorin Sindony mit einem verschmitzten Lächeln, während sie vor der versammelten Klasse eine alte Karte ausrollte. „Heute stellen wir uns individuellen Herausforderungen. Jede von euch fliegt zu einem anderen Ort der Akademie, um dort mit einem selbstgebrauten Trank ein ganz spezifisches Problem zu lösen.“

Zur Auswahl standen drei spannende Orte: eine verschmutzte Manaquelle am Hexenkessel, eine sprachlose Elfenschule mit sprudelnden Sternchen im Mund, und schließlich die weitläufige magische Menagerie.

Für Hazel gab es bei diesen Optionen kein langes Zögern. Da ihr Herz stark für Tiere schlug – wählte sie sofort die Menagerie. Begleitet von Citrin schwang sie sich auf ihren Besen und flog dem großen Gehege entgegen.

Dort angekommen bot sich ihr ein ebenso beeindruckendes wie besorgniserregendes Bild. Mitten auf der großen Wiese des Außengeheges lag eines der berühmten Musophanten-Babys. Das Tier war absolut faszinierend, aber selbst im Kleinkindalter bereits so groß wie ein kleines Haus! Und genau darin lag das Problem: Das Riesenbaby war schwer erkrankt. Es hatte sich an einer giftigen Sumpfwurzel verschluckt, litt unter heftigen Bauchkrämpfen und war panisch. Jedes Mal, wenn es sich unruhig wälzte, bebte die Erde, und der behandelnde Tierpfleger kam wegen der schieren Masse des Tieres einfach nicht an es heran.

Um das Musophanten-Baby zu untersuchen und an den schmerzhaften Bauch heranzukommen, brauchte es ein starkes, zuverlässiges Elixier zur Beruhigung und vorübergehenden Verkleinerung.

Hazel stieg von ihrem Besen, lief schnellen Schrittes auf das Gehege zu und rollte ihre mobile Trank-Ausrüstung aus. Citrin wusste sofort was zu tun war: Sie formte mit ihre zarten Händen beruhigende Runen in die Luft um die panische Aura des Riesenbabys zu dämpfen.

Schnell, aber mit absoluter Präzision machte sich Hazel an die Arbeit. Sie hatte eine Idee im Kopf und kreierte Mithilfe des Zaubertrank-Bucbes ein eigenes Werk her. In ihrem Kessel entfachte sie ein kontrolliertes, sanftes Feuer und stellte das Parvum-Elixier zusammen. Sie wählte dafür ganz besondere,q aufeinander abgestimmte Zutaten:

  • Den fein geschroteten Papiluu-Pilz, der für die nötige Masse-Reduktion und Flexibilität sorgte;
  • zarte Blätter der Papionella-Blume, um die wilden Muskeln des Riesenbabys zu besänftigen;
  • eine Handvoll süßliches Zukerlyss-Kraut, damit das Gebräu auch für ein wählerisches Tier angenehm schmeckte;
  • ein paar Tropfen schimmernde Prismafarbe, die dem Trank seine silbrig-blaue, magische Stabilität verlieh;
  • und als flüssige Basis kristallklares Sternenwasser, das die Energie harmonisch bündelte.

Der Trank sollte das Musophanten-Baby nicht dauerhaft verkleinern, aber seinen Körper für einige Minuten so weit entspannen und das Volumen sanft herunterskalieren, dass eine medizinische Behandlung überhaupt erst möglich wurde.

Es brodelte in wunderschönen Prismenfarben in ihrem Kessel.

Als das Elixier fertig gebraut war, füllte Hazel es in eine große Glasampulle. Wie sollte das riesige Baby diesen Trank trinken?

Hazel trat ganz nah an das schnaufende, riesige Tier heran. Sie schloss kurz die Augen, holte tief Luft und begann, mit schnellen, eleganten Bewegungen ihrer Hände leuchtende, goldene Runen in die Luft zu zeichnen. Die Symbole für „Frieden“, „Vertrauen“ und „Fluss“ brannten sich in strahlendem Gold in die Luft ein und bildeten einen schwebenden Kreis.

Citrin half ihr dabei tatkräftig, indem auch sie die Hände nutzte und unterstützende goldene Linien wob, die den Kreis stabilisierten. Die Runen formten eine magische Brücke, die das schimmernde Elixier schwebend direkt vor den Rüssel des Musophanten lenkte.

„Ganz ruhig Keines… spür die Runen, sie tun dir nichts“, flüsterte Hazel mit warmer, einladender Stimme.

Das Baby schnupperte vorsichtig an der golden leuchtenden Runen, roch das süße Zukerlyss-Kraut, spürte die beruhigende Magie der Symbole und trank das Parvum-Elixier mit einem tiefen Zug aus.

Unter dem Einfluss des Tranks und der magischen, golden leuchtenden Runen verlangsamte sich die unruhige Atmung des Musophanten-Babys spürbar. Seine Muskeln entspannten sich vollkommen, und vor den Augen von Hazel und Citrin schrumpfte das riesige Tier langsam zusammen, bis es schließlich die handliche Größe eines großen Ponys erreicht hatte.

Sofort ergriffen die herbeigeeilten Tierpfleger die Initiative. Sie schwärmten aus, sicherten das verkleinerte Baby, untersuchten den schmerzenden Bauch und zogen mit geübten Handgriffen die giftige Sumpfwurzel aus dem Maul des Tieres. Nach wenigen Augenblicken war die Gefahr gebannt, und das Musophanten-Baby atmete tief, gleichmäßig und vor allem schmerzfrei aus.

Einer der Tierpfleger wischte sich erleichtert den Schweiß von der Stirn, blickte zu Hazel herüber und gab ihr mit einem anerkennenden Nicken und Daumen nach oben das erlösende Zeichen: Es ist geschafft, du kannst die Magie lösen!

Hazel atmete tief aus und konzentrierte sich. Mit einer sanft wischenden Handbewegung ließ sie die leuchtenden Boden- und Luftrunen verblassen. Die strahlenden Symbole lösten sich langsam im Wind auf.

Im selben Maße, wie die Runen verschwanden, ließ der Zauber des Parvum-Elixiers nach. Das Musophanten-Baby begann sich zu dehnen, wuchs in aller Ruhe wieder Zentimeter für Zentimeter heran, bis es schließlich seine imposante, ursprüngliche Größe eines kleinen Hauses zurückerhalten hatte. Völlig munter, gesund und bester Laune stapfte das Riesenbaby nun fröhlich über die Wiese, während die Tierpfleger zufrieden lächelten.

Der leitende Tierpfleger trat zu Hazel herüber und schüttelte ihr dankbar die Hand. „Junge Hexe. Runenmagie und Elixier mit Papiluu und Zukerlyss? Das war eine gute Idee. Du warst uns eine große Hilfe. Danke!.“

Hazel lächelte stolz, während Citrin über ihrer Schulter tanzte. Die achte Stunde in Zaubertrankkunde war ein voller Erfolg.

Doch der Tag und all seine Eindrücke hallten in ihr nach. Später am Abend, setzte sich Hazel zu ihrer kleinen Merle. Sie erzählte ihr von dem riesigen Musophanten-Baby, dem brodelnden Kessel und dem aufregenden Einsatz in der Menagerie. Merle hörte mit großen, faszinierten Augen zu. Sie war schon mit Hazel dort gewesen und bildete mit ihrer blau schimmernden Magie bunte Zeichnungen in der Luft von dem faszinierenden Tier.

Während Hazel so sprach und den Tag Revue passieren ließ, ordneten sich die Gedanken in ihrem Kopf fast wie von selbst. Hier in der Menagerie hatte sie unter Beweis gestellt, was in ihr steckte. Und doch… der Falkenpass mit seinen wilden Tieren, dem rauen Wind und den majestätischen Bergen rief nach ihr wie ein fernes, verlockendes Versprechen. Es war keine leichte Entscheidung, die vor ihr lag, aber das Sprechen darüber hatte den Nebel in ihrem Kopf ein Stück gelichtet. Mit einem warmen Gefühl der Zufriedenheit im Herzen und Citrin, die sich auf der Bettdecke zusammengerollt hatte, fiel Hazel schließlich todmüde in ihre Kissen.