Lunastria
Hexenakademie
14.06 – 12.07.2026
- Astrolabium Zodiac
Prompt Juli 2026
09.07.2026 um 15:25 Uhr
Das Leuchten des Liaris-Pfaus
Der Akademie-Garten lag im warmen, goldene Sonnenlicht, doch für Hazel und ihre Gruppe glich er heute einem Labyrinth aus Hecken und Verstecken. Professorin Elspeth hatte den Pflegetag ausgerufen, und Hazels Aufgabe war keine Geringere, als einen der stolzen Liaris-Pfaue für die jährliche Untersuchung der Heilhexen einzufangen.
Aus einer dichten, mannshohen Rosenhecke ertönte ein spöttisches, helles Krächzen. Hazel schlich näher, Citrin folgte ihr schwebend. Da erblickten sie das Tier. Der Pfau war eine absolute Pracht: Sein Gefieder schimmerte in einem hypnotischen Wechselspiel aus Tiefblau, Smaragdgrün und Violett. Doch als er Hazel bemerkte, schlug er kurz ein Rad, ließ die Federn rasselnd erzittern und schnappte frech nach Citrin, bevor er tiefer ins Dickicht huschte.
„Ein stolzer Kerl“, flüsterte Hazel und rieb sich schmunzelnd das Kinn. Sie wusste aus der Theorie, dass Liaris-Pfaue angeblich Lügen spüren konnten. Wer sich ihnen mit falschen Absichten oder verstecktem Netz näherte, wurde gnadenlos ausgetrickst. Hazel beschloss, absolut ehrlich zu sein und nickte Citrin zu.
Sie setzte sich mit ausgestreckten Beinen ins Gras, atmete die warme Sommerluft ein und legte ihre Pflegebürste und das Fläschchen mit dem duftenden Gefiederöl offen vor sich ab. „Ich will dir nichts Böses“, sagte sie laut und blickte direkt in die Hecke. „Du musst nur kurz zur Untersuchung, danach machen wir deine Federn sauber.“ Sie log nicht – sie meinte jedes Wort genau so.
Um dem eigenwilligen Vogel die Angst zu nehmen und ihn sanft zur Ruhe zu bringen, vertraute Hazel auf ihre Spezialisierung.
Mit dem Zeigefinger zeichnete sie einen weiten Zauberkreis in das Gras vor sich. In die Mitte setzte sie die Rune Ehwaz (ᛗ), für Vertrauen und Harmonie.
Citrin, die neugierig auf Hazels Schulter gelandet war, spürte die Absicht ihrer Hexe.
Citrin landete mit absoluter Ruhe direkt neben Hazel’s Rune. Mit ihrer Spezialisierung für Siegelmagie erkannte sie sofort, was Hazels Zauber brauchte. Bedacht hob die Elfe ihre Hände und wob einen zarten Schutzzauber um den Kreis. Dieses sanfte Siegel, mit der Rune Thurisaz, sorgte dafür, dass keine Unruhe von außen die empfindliche Rune störte, und spiegelte stattdessen Hazels pure, ehrliche Absicht verstärkt nach außen. Unter Citrins geschickter Magie begann der Runenkreis in einem stabilen, warmen Licht zu pulsieren.
Der Liaris-Pfau steckte den Kopf aus den Blättern. Seine klugen Augen musterten Hazels Aura, die durch die Ehrlichkeit und die harmonische Rune vollkommen rein war. Der Vogel spürte keine Bedrohung. Mit eleganten, fast majestätischen Schritten stolzierte er aus der Hecke und trat direkt in den Zauberkreis. Er stieß ein leises, zufriedenes Gurren aus und legte den Kopf schief.
Hazel signalisierte der Heilhexe mit einem kurzen Handzeichen, dass sie kommen konnte. Dank der tiefen Entspannung, die die Rune ausstrahlte, ließ der Pfau die Untersuchung völlig widerstandslos über sich ergehen.
Als die Hexe lächelnd weiterzog, begann für Hazel der schönste Teil. Sie nahm die Bürste und gab ein paar Tropfen des goldenen Öls darauf. Gemeinsam mit Citrin machte sie sich an die Arbeit. Während Hazel mit präzisen, sanften Strichen den Staub aus den langen Schleppenfedern bürstete, flog Citrin dicht über das Gefieder und nutzte ihre Magie um ein wenig Wind zu erzeugen, um das Öl hauchdünn und gleichmäßig zu verteilen.
Das Ergebnis war atemberaubend. Im Licht der Nachmittagssonne fingen die Federn des Pfaus an zu leuchten, als wären sie aus flüssigem Edelstein gewoben. Das Tier plusterte sich stolz auf, schlug ein perfektes, funkelndes Rad und strich Hazel zum Abschied einmal sanft mit dem Kopf über die Wange, bevor es majestätisch über den Rasen stolzierte.
Professorin Elspeth, die die Szene beobachtet hatte, notierte sich etwas mit einem anerkennenden Lächeln. Hazel packte ihre Sachen ein – stolz darauf, dass ihre ehrliche Natur, ihre ruhige Citrin und ihre Runen selbst das misstrauischste Wesen besänftigen konnten.














