Lunastria

Hexenakademie

Zuletzt eingetragen am:
15.06.2026 um 15:40 Uhr
11 Juni, 2026| Hazel| |
Citrins erwachen – Teil 1

Nach den letzten anstrengenden Wochen voller Prüfungen – drei abgeschlossenen Kursen, der Erschaffung ihres eigenen Hexenkristalls und weiteren Unterrichtsstunden – hatte Hazel beschlossen, sich eine Auszeit zu gönnen. Zeit für eine Verschnaufpause und neue Energie!

In ihrem Akademie-Zimmer schickte sie zuerst eine rasche Hexenpost an ihre Eltern, Ceres und Hector, um ihnen stolz von all ihren Fortschritten zu erzählen.

Da Ceres eine mächtige Hexe war, nutzte sie die magische Signatur des Briefes sogleich für einen besonderen Zauber. Nur wenige Augenblicke später begann die Luft mitten in Hazels Zimmer silbern zu flimmern. Aus dem Licht formte sich eine lebendige magische Projektion ihrer Mutter. Ceres wirkte fast greifbar nah, als sie Hazel mit unendlich stolzen Augen ansah. „Wir haben deine Nachricht erhalten, mein Schatz“, sprach die Erscheinung mit warmer Stimme. „Hector und ich könnten nicht stolzer auf dich und deinen Hexenkristall sein! Du machst das wundervoll.“ Hazel lächelte glücklich über diesen kurzen, kostbaren Moment der Nähe, bevor sich die kraftvolle Projektion mit einem sanften Funkeln wieder auflöste.

 

Doch an der Akademie gab es noch jemanden, der ganz genau hinsah: Hazels Tante Cybil, Professorin für Verteidigungsmagie. Hazel hatte sie kurz vor ihrer Rückkehr ins Zimmer auf dem Flur getroffen. Cybil war ebenfalls unheimlich stolz, hielt mit ihrer strengen Art aber nicht hinterm Berg: „Ruh dich nicht auf deinem Erfolg aus, Hazel, und unterschätze niemals deine eigene Magie. Du hast noch einen langen Weg vor dir, der viel Arbeit erfordert. Nur so wirst du dein Ziel erreichen.“

 

Mit den liebevollen Worten ihrer Mutter und dem motivierenden Rat ihrer Tante im Kopf, packte Hazel ihre Sachen. Gemeinsam mit ihrer ebenfalls erschöpften Elfe Citrin brach sie endlich zum Hexenkessel auf.

Das warme Thermalwasser tat ihren müden Muskeln unendlich gut. Auch andere Hexen waren mit ihren Elfen hier. Sie entspannten, lasen ein Buch oder unterhielten sich leise über ihre Ausbildung. 

Mit jedem Atemzug spürte Hazel, wie sich ihre magischen Reserven wieder auffüllten und ihre Magie tief in ihren Adern zu prickeln begann.

„Wahnsinn, was wir bisher alles geschafft haben! Ich kann es spüren. Bald wird der erhoffte Funke aufleuchten und wir werden einen Weg finden, Maru aufzuspüren!“, flüsterte Hazel leise. Voller Stolz sah sie neben sich zu Citrin, die über der Wasseroberfläche schwebte.

Doch die kleine Elfe war seltsam ruhig. Hazel richtete sich auf. Citrins sonst so helles Leuchten wirakte beinahe überladen – fast so, als würde sie die überschüssige Magie des Ortes wie ein Schwamm aufsaugen. Plötzlich veränderte sich ihre Aura. Ein tiefes, goldenes Pulsieren ging von ihr aus – genau im Rhythmus von Hazels eigenem Herzschlag.

Hazel wusste im ersten Moment nicht was zu tun war. Sie wollte Citrin gerade berühren, sie fragen was los war, doch in dem Moment stupste sie jemand von hinten an der Schulter.

Hazel drehte sich um und blickte in die strahlenden Augen einer wunderschönen, erwachsenen Elfe, die Citrin fasziniert beobachtete. Die Elfe deutete auf einen verborgenen, von schimmernden Vorhängen verdeckten Pfad hinter den warmen Quellen. „Dieser Bereich dort ist eigentlich nur für Elfen bestimmt. Doch deine Begleiterin scheint bereit zu sein für ihre Entwicklung“, sprach sie ehrfürchtig, während ein wissendes Lächeln auf ihren Lippen lag. „Geh also den Pfad entlang, Hazel. Ich werde sofort die Ältesten versammeln, damit wir den Zauberkreis vorbereiten können. Die Magie einer Entwicklung ist äußerst kraftvoll und sollte niemals unterschätzt werden.“

Hazel stieg augenblicklich aus dem Wasser, zog sich ihren Umhang über und folgte dem Pfad, während Citrin wie in Trance neben ihr herschwebte. Der Weg führte in eine verborgene Grotte, in deren Mitte ein riesiger, von uralten Runen umgebener Altarstein lag. Dort warteten bereits drei ehrwürdige Elfen. Ihre Präsenz war voller Weisheit, und sie schwebten majestätisch im Raum.

Die älteste von ihnen blickte Hazel gütig an: „Doch bevor wir beginnen, sollte ich dir erst erklären, was eine Entwicklung überhaupt ist. Für die Entwicklung musst du einen speziellen Zauber durchführen.“ Die Älteste schwebte ein Stück näher zu Hazel und erklärte mit sanfter, melodischer Stimme: „Hazel, du hast dich weitergebildet, deine magischen Fähigkeiten erweitert. Nun ist auch Citrin mächtiger. Du musst wissen: Eines Tages, wenn die Magie einer Elfe ein bestimmtes Maß erreicht hat, wird der Körper wachsen müssen, um diese immense Energie speichern zu können. Dieser Wachstumsprozess ist nicht nur ein physisches Wachstum, sondern auch ein Zeichen der tiefen Verbindung zu dir.“

Hazel blickte von der Ältesten zu Citrin. Sie spürte die tiefe Wahrheit in diesen Worten. Ihr neugefundener Fokus, die abgeschlossenen Kurse, die Beschwörung ihres Tränenkristalls – all das hatte nicht nur sie stärker gemacht, sondern auch das Band zu ihrer kleinen Begleiterin unzertrennlich geschmiedet. 

Citrin war bereit, weil Hazel bereit war.

Die drei Ältesten begannen zu singen. Ein hohes, kristallines Summen erfüllte die Grotte. Die Runen auf dem Boden erwachten zum Leben und formten einen gleißenden, silbernen Zauberkreis um den Altarstein.„Tritt vor, Hazel“, wies die Älteste sie an. „Verbinde deine Magie mit dem Kreis. Führe den Zauber aus und schenke deiner Elfe die Kraft, zu wachsen.“

Hazel trat an den Rand des Kreises. Sie atmete den dichten, magischen Dampf der Grotte ein, hob die Hände und begann, goldenen Runen in die Luft zu zeichnen. Die Zeremonie von Citrins Verwandlung hatte begonnen….

 

– Fortsetzung folgt –