Lunastria

Hexenakademie

Zuletzt eingetragen am:
28.06.2026 um 08:20 Uhr
27 Juni, 2026| Hazel| , |
Abschlussprüfung mit Herzklopfen

Die Aufregung vor dem Schultor war förmlich greifbar, als die Klasse gemeinsam nach Elstad reiste. Der kleine, mystische Ort nahe Helvik pulsierte vor magischer Energie. Überall waren kleine Zelte und Tische aufgebaut, und Hexen aus der ganzen Region warteten gespannt auf ihre Vorhersagen.

Hazel atmete tief durch. Citrin schwebte neben ihr und zeigte mit ihren beiden kleinen Händen zwei Daumen nach oben. Vor Hazel stand ihr Prüfungstisch, reich bestückt: Ihre schimmernde Kristallkugel, Kaffeetassen, Sternenkarten, ein Pendel und natürlich ihr vertrautes Tarotdeck. Hazel strich kurz über den kleinen Hasenkopf an ihrem Hexenhut – das Andenken an ihre Schwester Maru gab ihr die nötige Ruhe. Sie war bereit.


1. Kundin: Dela

Als Erste setzte sich ein bekanntes Gesicht an Hazel’s Tisch. Dela! Die sympathische Ladenbesitzerin lächelte warm. Hazel schob ihr eine kleine Tasse Kaffee hin, die Dela direkt leerte. „Ich plane, mein Sortiment um seltene, nachtblühende Mondlilien-Samen zu erweitern, Hazel. Wird das ein Erfolg oder eine Fehlinvestition?“ Hazel mischte ihr Tarotdeck und zog Das Rad des Schicksals, während sie gleichzeitig einen Blick in Delas Kaffeesatz warf.

„Liebe Dela“, sagte Hazel voller Zuversicht. „Der Kaffeesatz zeigt mir verschlungene Pfade, die sich öffnen. Und das Rad des Schicksals bestätigt es: Die Mondlilien werden ein absoluter Erfolg! Am Anfang wird es etwas dauern, bis sie blühen, aber die Hexen werden Schlange stehen. Vertrau auf dein Gespür.“ 

Dela klatschte erfreut in die Hände und hinterließ Hazel ein anerkennendes Nicken.


2. Kundin: Aria Portier

Als Nächstes nahm die stets strukturierte Aria Platz. Hazel kannte sie gut, denn sie war ein regelmäßiger Gast in der Bibliothek der Akademie. Ihre Frage war tiefgründiger: „Ich suche seit Monaten nach einem verschollenen, uralten Manuskript über vergessene Melodiemagie. Werde ich es in diesem Jahr noch finden?“

Hazel nahm instinktiv ihr Pendel zur Hand und ließ es über einer von Arias Sternenkarten kreisen. Nach einigen Sekunden schlug das Pendel zielgerichtet nach Nordosten aus.

„Du wirst es finden, Aria“, prophezeite Hazel, während sie die Schwingungen spürte. „Aber nicht in den Archiven der Bibliothek. Das Pendel weist nach Nordosten, zu den alten Felsspalten. Das Manuskript wartet an einem Ort, der vom Wind geküsst wird. Schau bei deiner nächsten Reise zum Falkenpass genau hin.“

Aria hielt erstaunt den Atem an und notierte sich den Hinweis sofort.


3. Kunde: Ein geheimnisvoller Fremder

Als Nächstes nahm ein junger Magier Platz, den Hazel noch nie zuvor hier gesehen hatte. Er hatte tiefblaue Augen, schwarze kurze Haare und offensichtlich Tattoos die an seinem Hals zu sehen waren. Er wirkte unglaublich interessant und sah verdammt hübsch aus. Hazel spürte, wie ihr Herz einen heftigen Schlag tat und ihre Wangen warm wurden. Hazel nickte ihm zu, schluckte ihre Nervosität hinunter, als er sie direkt anblickte.

„Hallo, mein Name ist Sejanus“, stellte er sich mit einer angenehm, leicht rauen Stimme vor. „Ich bin Magier aus dem benachbarten Reich Rovan und auf der Durchreise. Ich dachte mir, ich nutze die Gelegenheit um mein Schicksal zu befragen: Führt mein Weg mich bald wieder zurück in die Heimat, oder hält mich das Reich Astraea noch fest?“

Hazel sammelte sich, legte ihren Hexenkristall neben die Kristallkugel und legte die Hände auf die glatte Oberfläche. Sie bündelte ihre Energie. Ihr Hexenkristall leuchtete auf. Der Nebel im Inneren der Kugel begann wild zu wirbeln, formte sich um und gab schließlich zwei sehr klare, aufeinanderfolgende Bilder frei. Hazel hielt den Atem an, während sie die Vision deutete.

„Die Heimat muss warten, Sejanus“, sagte Hazel, hob den Blick und sah ihm fest in die dunkelblauen Augen. „Die Kugel zeigt mir ein Hindernis, eine unerwartete Pflicht hier in Astraea. Bevor du weiterreisen kannst, liegt eine ganz bestimmte Aufgabe vor dir, die du erst abarbeiten musst. Und sei wachsam: Ein alter Bekannter aus deiner Vergangenheit wird schon bald deinen Weg kreuzen. Er bringt eine Nachricht oder Prüfung mit sich.“

Hazel hielt kurz inne, als die Kristallkugel ein letztes Mal aufleuchtete.

„Es wird eine Verbindung entstehen. Eine schicksalhafte Begegnung, die deinen gesamten Lebensweg verändern kann – wenn du bereit bist, dich darauf einzulassen.“

Sejanus zog überrascht eine Augenbraue hoch. Hazels Worte schienen bei ihm einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben, denn sein Blick wurde für einen Moment sehr intensiv. Er lächelte geheimnisvoll, bedankte sich mit einer tiefen, eleganten Verbeugung und raunte ein leises: „Wer weiß, vielleicht hat diese Verbindung ja gerade schon begonnen.“

Mit einem Abschiedsblick, der Hazel noch lange eine Gänsehaut bescherte, erhob er sich und verschwand in der Menge.

Hazel atmete erst mal tief aus, woraufhin Citrin begeistert in die Hände klatschte. Die Elfe stupste Hazels jetzt ziemlich rote Wange an und kicherte leise. Das war definitiv eine extrem spannende Begegnung, die Hazels Herzklopfen noch eine ganze Weile nachhallen ließ.


Nachdem die Tische getauscht wurden, folgte der Theorieteil.

Als Hazel das Protokoll abgab, trat Professorin Celestine an sie heran, lächelte breit, schüttelte ihre Hand und nickte ihr anerkennend zu. Hazel hatte es geschafft. Sie hatte sich durchgebissen, ihre ganz eigene, intuitive Spezialisierung gefunden und die Wahrsage-Prüfung mit Bravour bestanden!