LUNASTRIA HEXENAKADEMIE

25 März, 2026| élodie| |

„Keine Sorge, Nileth, ich hab sie schon entdeckt!“, rief ich über die Schulter.

Draußen auf einem knorrigen Ast saß der Übeltäter: Ein stattlicher Rabe, der die goldene Brille wie eine Trophäe im Schnabel hielt und mich frech aus seinen listigen Augen musterte.

Da der Baum zu weit entfernt war, um einfach danach zu greifen, und ich den Raben nicht erschrecken wollte (wer weiß, wo er das gute Stück sonst fallen gelassen hätte), kramte ich in meinem Gedächtnis.

Ich überlegte kurz … Haben wir nicht letztens in Hexerei und Magie Bewegungs- und Levitationssprüche gelernt? Genau, das war’s! Da fiel mir auch sofort der passende Spruch wieder ein.

Ich konzentrierte mich auf die glänzenden Bügel der Brille.

„Levito!“, rief ich mit fester Stimme.

Zuerst passierte gar nichts. Der Rabe legte den Kopf schief. Doch dann spürte ich den magischen Ruck.

Die Brille löste sich aus dem Schnabel des überraschten Vogels und schwebte – erst wackelig, dann immer sicherer – in hohem Bogen durch das offene Fenster direkt in meine ausgestreckte Hand.

Mit einem empörten Krächzen breitete der Rabe die Flügel aus und suchte das Weite.

„Hier ist sie, Nileth. Unversehrt!“, sagte ich und reichte ihr mit einem stolzen Lächeln ihre Brille.

Die Bibliothekarin setzte sie mit zitternden Fingern auf, blinzelte kurz und strahlte mich dann an. „Oh, die Akademie bildet dieses Jahr wirklich Naturtalente aus! Vielen Dank, meine Liebe.“