Lunastria
Hexenakademie
- Codex Astraea NEU
- Astrolabium Zodiac
Prompt August 2026
01.08.2026 um 11:40 Uhr
Aussicht auf Regen
Eigentlich war es ein ganz normaler Tag an der Akademie. Ich hatte den turbulenten Besenflugunterricht von Professor Jane knapp überlebt, bei dem mein Besen glücklicherweise nur ein einziges Mal wild im Kreis trudelte. Danach saß ich noch eine ganze Weile mit meinen Freunden im sonnigen Innenhof. Wir quatschten über die anstehenden Prüfungen, teilten uns ein paar süße Kürbiskekse und lachten über die neuesten Missgeschicke aus dem Verwandlungskurs. Alles wirkte friedlich, bis wir uns schließlich auf den Weg zum nächsten Unterricht machten.
Als wir die Treppe zum Hauptkorridor hinaufstiegen, trauten wir unseren Augen nicht: Über den Köpfen der hereinströmenden Schüler schwebte eine waschechte, tiefgraue Regenwolke! Sie war etwa so groß wie ein Schaf, blitzte ab und zu leise und zog stur ihre Runden durch die Gänge. Schlimmer noch – sie regnete ununterbrochen den teuren Akademie-Boden nass. Die herbeigerufenen Hausmeister fluchten bereits lautstark, weil das Holz aufzuquellen drohte. Ein paar ältere Schüler fuchtelten wild mit ihren Zauberstäben herum, doch die Wolke wehrte sich bockig gegen jeden direkten Gegenzauber. Bei jedem magischen Treffer blitzte sie nur wütender.
Mein Puls schoss hoch. Ich wusste, dass magische Gewalt hier nichts brachte. Wolken entstehen aus Naturmagie. Wenn man eine Wolke nicht mit Gewalt wegschieben kann, muss man sie eben mit etwas ködern, das sie beeinflusst. Man muss sie weglocken!
Ich trat entschlossen vor, schloss für einen Moment die Augen und konzentrierte mich mit all meiner Kraft. Direkt in meinen ausgestreckten Händen ließ ich eine Handvoll Sonnen-Anemonen und Dürre-Sukkulenten erblühen. Das Besondere an diesen magischen Pflanzen? Sie verströmen einen intensiv trockenen Duft nach Wüstensand und heißer Sommersonne. Kaum waren die Knospen geöffnet, fingen sie an, die feuchte Luft im Korridor wie kleine Schwämme aufzusaugen und die Umgebung extrem auszutrocknen.
Die Regenwolke reagierte sofort. Da sie die extreme Trockenheit der Sonnen-Anemonen überhaupt nicht mochte, wich sie irritiert von mir zurück – genau in die Richtung, die ich beabsichtigt hatte! Wie eine Schafhirtin trieb ich die Wolke durch den langen Gang. Immer wenn sie stehen blieb, ließ ich eine neue Wüstenblume in meinen Händen erblühen, und die Wolke schwebte prompt ein Stück weiter in Richtung Ausgang. Die anderen Schüler und meine Freunde wichen staunend zurück und machten mir Platz.
Kurz vor den großen Flügeltoren zum Innenhof änderte ich meine Taktik. Um sie endgültig nach draußen ins Freie zu locken, zauberte ich direkt im Innenhof, hinter der Türschwelle, ein kleines Beet aus Durstigen Moor-Orchideen. Diese Blumen lieben Wasser über alles und stoßen einen süßen, dampfenden Lockstoff aus, der für jede Regenwolke unwiderstehlich ist.
Es funktionierte perfekt! Die Wolke roch die feuchtigkeitsliebenden Orchideen, nahm ordentlich Fahrt auf und schwebte majestätisch durch das offene Tor nach draußen. Kaum war sie über dem Beet angekommen, entlud sie sich in einem erleichterten, heftigen Schauer direkt über den dankbaren Pflanzen.
Der Teppich drinnen war gerettet. Meine Mitschüler klatschten begeistert Beifall, und unser Professor, der gerade schwer atmend um die Ecke bog, nickte mir anerkennend zu.
Mit einem stolzen Lächeln machte ich mich auf den Weg in meinen Klassenraum. Was für ein Erlebnis!













