Nach der Prüfung ihres Hexenkristalls war es stiller geworden in der Akademie. Die großen Prüfungen waren vorbei, und zum ersten Mal durfte Echo einen Ort betreten, von dem sie bisher nur in Geschichten gehört hatte: den Rosengarten des Schlosses. Der Garten lag hinter einer alten Steinmauer und war nur bei Nacht geöffnet. Man sagte, dass dort Rosen wuchsen, die auf Magie reagierten. Mehr wusste Echo nicht über den Garten.
In dieser Nacht konnte Echo nicht schlafen. Ihr neuer Hexenkristall lag warm in ihrer Tasche, als würde er leise vor sich hin atmen. Also schlich sie hinaus und schnappte sich ihren Besen. Sie wusste nicht warum, aber sie wusste, dass sie heute in den Rosengarten fliegen musste. Der Himmel war tiefblau, übersät mit Sternen. Zwischen den Beeten wuchsen Rosen in allen Farben: violett, blau, silbern, golden. Doch plötzlich blieb Echo stehen.
Eine einzige, riesige Rose in der Mitte des Gartens begann zu glühen, als Echo sich ihr vorsichtig näherte. Auch hier wusste sie: Sie muss näher heran. Etwas rief sie förmlich zu der Rose. Das Licht der Rose war golden, weich wie Sternenschein. Die Blütenblätter zitterten leicht, als würde ein Herz darin schlagen. Ein leises Vibrieren lag in der Luft.
Echo trat vorsichtig näher. „Was … bist du?“ flüsterte sie und streckte vorsichtig ihre Hände nach der Rose aus. Die Rose öffnete sich langsam. Blütenblatt für Blütenblatt entfaltete sich, bis im Zentrum ein kleines, warmes Licht erschien. Dann löste sich das Licht aus der Blüte und schwebte sanft nach unten.
Vor Echo lag ein winziges Hexenbaby. Ihr Körper leuchtete noch schwach golden, als wäre sie direkt aus der Magie der Rose geboren. Sie bewegte sich vorsichtig, wie ein neues kleines Wesen, das die Welt zum ersten Mal spürte.
Echo hielt den Atem an. Worin war sie hineingeraten und was sollte sie jetzt machen? Da war einfach plötzlich ein Hexenbaby, dessen Herzschlag sie in ihrem spüren konnte. Sie hatte mit allem gerechnet, aber nicht damit. Warum hatte sie keiner gewarnt, den Rosengarten nicht zu betreten?
Das Baby öffnete die Augen. In diesem Moment begann ihr Hexenkristall leicht zu glimmen, als hätte er die Antwort schon gewusst. Und eigentlich spürte Echo auch in ihr drinnen, dass sie und das Hexenbaby zusammengehörten. Es musste einfach so kommen. Dass sie an dieser Nacht aufwachte, um hierherzufliegen und den Garten zu besuchen. Es war Schicksal oder Magie. Oder beides.
Echo kniete sich hin und hob das kleine Wesen behutsam auf. Es war warm und überraschend ruhig, als hätte es genau gewusst, dass sie kommen würde. Die Rose hinter ihr schloss sich wieder langsam, ihr Licht erlosch. Der Garten war wieder still.
Echo sah auf das kleine Hexenbaby in ihren Armen und lächelte leise. „Dann … passe ich jetzt wohl auf dich auf, kleine Hope.“















