Der Prüfungstag begann für Echo ruhig in der „Flotten Feder“ in Helvik. Professorin Charlotte hatte diesen Ort für sie ausgesucht, um ihre letzte Prüfung in Runenkunde zu bestehen. Echo fertigte einfache Gravuren für Federkiele an und verzauberte mehrere Tintenfässchen. Die Arbeit war anspruchsvoll, aber sie fühlte sich wie Routine an, nicht wie eine Abschlussprüfung. Nach einigen Stunden wurde es im Laden stiller und Echo sollte bereits zur Akademie zurückkehren und stellte all ihre fertig verzauberten Gegenstände ins Regal und machte alles sauber, damit sie ihre Prüfung auch bestehen konnte.
Gerade als sie draußen auf ihren Besen steigen wollte, tauchte eine schwarze Katze vor ihr auf. Echo schaute die Katze lange an, die Katze schaute sie an. Um ihren Hals hing eine Schriftrolle. Kurz darauf kam die Chefin des Ladens hastig herausgelaufen und schnappte sich die Katze. Sie entfernte die Schriftrolle vorsichtig und las hastig die Nachricht. Mit geröteten Wangen und sichtlich gestresst bat sie Echo, noch einmal zurückzukehren. Die Schriftrolle enthielt mehrere dringende Bestellungen aus dem Schloss Astraea.
Zuerst verzauberte Echo eine spezielle Archivfarbe. Sie nutzte die Rune „Leuchten“ für die Leuchtkraft der Farbe beim Auftragen und „Haften“ für die lange Haltbarkeit der Farbe auf dem Papier. Es war gar nicht so einfach, die richtigen Runen in der Kombination zu finden. Sie versuchte verschiedene Varianten, aber am Ende funktionierte die Kombo aus Leuchten und Haften am besten. Als die schwarze Katze dabei fast das Tintenfässchen umwarf, konnte Echo es im letzten Moment retten und den Zauber stabil abschließen. Die Farbe leuchtete sanft und haftete dauerhaft. Dawn flog der Katze hinterher und jagte sie durch den Laden. „Stopp, ihr zwei!“, rief Echo leicht gestresst. Beide hielten an und schauten sie erstaunt an. Dawn stupste die Katze versöhnlich auf die Nase und setzte sich in das Regal neben Echo. Die Katze setzte sich schnurrend auf die Fensterbank.
Für die Patnika-Äpfel zeichnete Echo einen Beschwörungskreis, um die Lieferung kühl zu lagern. Sie versuchte, möglichst präzise den Kreis zu zeichnen. Als alles stabil blieb, zeichnete sie den Kreis mit Kreide auf dem Boden des Ladens nach und stellte die Äpfel rein. Die Sonne ging schon langsam unter und Echo stellte schwitzend die Kiste gekühlter Äpfel auf die Theke des Ladens. „Und wie wird die Lieferung jetzt abgeholt?“, wunderte sich Echo. Die Chefin des Ladens lächelte verschmitzt: „Adso, die Lieferung ist fertig.“ Die schwarze Katze sprang auf und setzte sich vor den riesigen Karton mit Äpfeln und der Farbe. Echo schüttelte den Kopf: „Das ist doch viel zu schwer für so eine kleine Katze …“
Die Katze mauzte in Protest. Sie tippte die Gegenstände mit ihrer Pfote an und mit einem Puff hatte sie einen kleinen Rucksack auf dem Rücken und die Kiste war weg. Schnell sprang sie aus dem Laden und war weg. Echo war total verblüfft. Die Chefin des Ladens lachte und zwinkerte ihr zu. „Zauber sind doch etwas Wundervolles.“
Nach diesen Ereignissen kam Echo erst am Abend total müde zurück in die Akademie. Die wahre Prüfung war unerwartet gekommen, aber sie hatte gezeigt, was sie konnte, und sie hatte alles gut gemeistert.















