LUNASTRIA HEXENAKADEMIE

  • Sommerzeit
    10 August, 2025||
4 August, 2025| Chary|

Durch die lebhaften Straßen Helviks schlendernd, gerieten meine Elfe und ich tatsächlich in einige Situationen die unsere Hilfe benötigten. Sei es eine Katze, die kläglich maunzend nichtmehr vom Baumwipfel herunterkam, eine ältere Dame, die sich mit dem Gewicht ihres Einkaufs verschätzt hatte oder die emotionale Fürsorge für ein Mädchen, das frisch aus Rapunzel’s torkelte und eine Krise mit ihrer neuen Frisur hatte.

„Mensch, alles schön und gut“, seufzte ich schließlich und sah meine Elfe Sangh niedergeschlagen an, „aber für diese Prüfung brauchen wir meinen Hex-Hex-Schild. So schaffe ich sie doch nie..“

Die Kleine funkelte mich bloß mit ihrem goldgelben Auge an. „Chary so am Boden zerstört!“, fiepste sie los und flog um mein Gesicht herum. „H-hey-„ Dann hielt sie direkt vor meiner Nase inne, was mich erstarren ließ. „Sie nur alles am Boden sehen kann und nicht die Dinge oben sieht! Probleme sind so kreativ! Sie kriechen, laufen und fliegen!“ Ein Lächeln schlich sich auf meine Lippen. Auf ihre eigene, äußerst ekzentrische Art und Weise munterte mich Sangh doch immer wieder auf und ich wusste nicht, ob sie nur daher quasselte oder genau wusste was sie tat. Denn gerade, als ich mich bei ihr bedanken wollte, hallte ein schriller Schrei vom Himmel. Es kam aus Richtung von Helen’s Werkstatt.

Eine Schülerin flog mit rasantem Tempo und abrupten Zigzag-Fluglinien auf ihrem Besen, klammerte sich um diesen und schrie panisch nach Hilfe. Es war mehr als eindeutig, dass sie den Besen nicht unter Kontrolle bringen konnte. Ich rief in ihre Richtung und selbst Sangh wedelte mit ihren kleinen Armen. Doch als die Aufmerksamkeit des Mädchens in unsere Richtung gelenkt war, änderte sich entsprechend auch die Flugbahn.
Instinktiv griff ich nach meinem Zauberstab; jede Sekunde zählte nun, denn der Besen schoss geradewegs auf uns zu. Meinen Blick auf sie fixiert rief ich einen kurzen Spruch auf, der meinen Hex-Hex-Schild herbeibeschwören sollte

„Federn weich, kommt schnell hierher
Mindert Wucht und macht den Prall schwächer!
Al a re laye, al a re layo!“

und schwang meinen Stab kraftvoll nach vorne.
Sofort schoss mein Zauber los und in einem grellen Leuchten erschien zwischen Besen und meinem Körper eine glimmende Silhouette, die einem großen Kissen glich. Es war im selben Moment, als die Schülerin in dieses hineinraste und in einem dumpfen Aufprall das Kissen in tausende von schimmernden Federn explodierte. Ich hielt den Atem an und suchte mit meinem Auge verzweifelt nach dem Mädchen.

Da! Auf einer großen Feder, die sanft zu Boden sank, saß sie und schluchzte bitterlich, ihr Besen leblos neben ihr liegend. Sangh und ich stürmten schnell vor um nach ihr zu sehen und tatsächlich schien sie wohlauf zu sein.. neben leichter Orientierungslosigkeit, so wie sie durch die Gegend geschüttelt worden war.
Das Federspektakel legte sich wieder, hatte jedoch einige verwirrte und schaulustige Passanten angelockt. Glücklicherweise waren darunter auch eine Krankenschwester, die die verängstigte Schülerin in ihre Obhut bringen konnte und Helen persönlich, die völlig untröstlich den Besen mit Fehlfunktion an sich riss.

Als ich den Trubel so beobachtete fiel mir wieder etwas ein und stupste Sangh mit dem Finger an. „Ich glaub’s ja nicht, du hattest wirklich Recht. Probleme können kriechen, laufen.. und fliegen.“ Und dieses Problem war uns wortwörtlich zugeflogen.