Verteidigung – 5. Stunde

Ich beschwöre kurzerhand wieder ein Luftschild, um mir sämtliche Angriffe, oder wie die kleineren Beschwörungen der Hexen bezeichnet werden sollten, abzuwehren. Da ihre Angriffe recht gleichbleibend sind gewöhne ich mich schnell an ihre Intensität. Es ist zwar eine angespannte Situation, doch das Schild kann ich gut aufrecht halten – auch wenn ich dabei absolut abschalte, was um mich herum geschieht. Meine Mitschüler? Keine Ahnung ob die genau denselben Beschwörungen ausgeliefert werden wie ich. Kleine Funkenregen, Eiskristalle, Ranken die sich durch den Boden bohren – alles wird von meinem Luftschild aufgefangen, und zerplatzt an ihm. Ich fühle mich im Verlauf selbstsicherer und trau es mir sogar zu neben dem Schild noch einen weiteren Zauber anzuwenden: ich zapf etwas von dem Erdelement an und beschwören eine steinerne Wand aus dem Boden, die eine weitere Barriere zwischen mir und einer der mir unbekannten Hexen bildet. Es knackt ein paar Mal laut, doch die bricht mit ihren beschworenen Ranken schließlich durch die Steinmauer. Herausfordernd blickt sie zu mir herüber, verzieht keine Miene, doch ich spüre, dass ihre Ranken mit voller Wucht gegen mein Schutzschild knallen. Immer. Wieder.

Ich fasse mir intuitiv an die Stirn – die andauernden Schläge sorgen für einen stechenden Schmerz. Ich werde nicht drumherum kommen: um ihren Angriffen bis zum Ende standzuhalten muss ich aggressiver vorgehen. Keine Ahnung, wie lange wirklich diese Übung andauern wird, aber ich werde keine vollen zehn Minuten diesen Schmerz aushalten können ohne die Qualität des Schildes verringern zu müssen. Ein Strategiewechsel muss her. Und da ich unter Stress stehe gibt es nur zwei Optionen: Flucht oder Angriff. Ich will meine Prüfung bestehen! Also Angriff!!

Ich schwenk meinen Zauberstab konzentrierter abwärts, sammle all die Erdenergie die ich gefasst bekomme. Wenn sie mit ihren Ranken angreifen kann muss ich sie dort blockieren! Ich spüre ein kribbeln in meinen Fingern, als würden sie durch feinen Sand fahren, und als ich mir sicher bin, mehr kribbeln geht nicht mehr, schiebe ich den Zauberstab schwungvoll von mir fort.

Der Boden unter meinen Füßen bebt kurz auf und hinter meinem Luftschild schießen zarte Ranken hervor, schlingen sich vorbei an den beschworenen Ranken der mir unbekannten Hexe, umschlingen stattdessen diese. Diese wirkt recht gefasst, beobachtet aber haargenau, wie die zarten ranken ihre Beine umschlingen, bis zu ihrer rechten Hand entlangsprießen und ihren Zauberstab umschließen. Da spüre ich das Kribbeln nicht mehr. Verdammt! Meine Unsicherheit scheint man mir anzusehen, denn die Hexe muss mit einem Mal anfangen zu prusten als sie wieder zu mir sieht. Einen kräftigen offensiveren Zauber, neben eine Schildbeschwörung, werde ich wohl noch üben müssen; doch ehe die Dame zum Gegenzauber ausholen kann pfeift ein schriller Ton durch den Raum. Majorun erklärt die Prüfung für beendet. Ich atme erleichtert auf, löse beide Zauber.

Ganz zufrieden bin ich mit meiner Leistung zwar noch nicht, aber zumindest habe ich es geschafft mich konsequent zu schützen. Immerhin weiß ich woran ich weiter üben kann.

Verteidigung – 4. Stunde

Mufun Nr. 1

Ich entdecke das kleine Mufun nur dadurch, weil es ein leises niesen von sich gibt. Ich nutze den Moment in dem es sich noch benebelt umschaut und Wirbel es mittels Magie sanft in die Luft. Das kleine Wesen reagiert darauf extrem überfordert, lässt sich aus dem Luftstrom aber nicht mehr entreißen. Ich beschließe die Mufuns in kleinen Luftströmen einzufangen und so für die Hexenprüfung aufzubewahren. So habe ich einen guten Überblick, ob sie auch noch in ein paar Stunden noch in einer guten Verfassung sind (was tatsächlich meine größte Sorge ist). Der Zauber benötigt wenig Kraft, weswegen ich mich vorerst für ihn entscheide…

Mufun Nr. 2

Kurz nachdem ich den ersten Muffun gefangen habe, höre ich ein leises knurren. Ich drehe mich um und sehe vorerst nichts. Da der erste sehr verwirrt in seiner „Luftblase“ herumhängt, kann ich davon ausgehen, dass das knurren nicht von ihm kommt. Aber von woher dann … ? Ich konzentriere mich, schließe die Augen und versuche mich auf die Richtung aus der das knurren kommt zu konzentrieren. Und irgendwie … ich öffne wieder die Augen, bin mit dem Blick auf den roten Teppich fokussiert der recht zentral im Eingangsbereich der Bibliothek ausliegt. Ich blinzel und erkenn mit einem Mal einen kleinen braunen Flaum, der direkt neben den roten Flusen bedrohlich auf und ab schwenkt, die kleinen Knopfaugen direkt auf mich gerichtet. Anscheinend hat der kleine beobachtet, wie ich seinen Artgenossen eingefangen habe. Ich zögere nicht lang, und schwenk meinen Zauberstab leicht hin und her. Der kleine Flaum erkennt was ich vorhabe, und holt aus, möchte mich anscheinend angreifen. Zum Glück wiegen die kleinen Muffuns so gut wie nichts, und somit lässt sich schnell die Luftenergie um ihn herum bündeln. Noch ehe der Kleine zum Sprung ansetzen konnte habe ich auch ihn in einer Luftblase gefangen. Ein wenig stolz arrangiere ich die beiden Luftkugeln nebeneinander, auch wenn der zweite Fang wild am knurren und fauchen ist. Also gut. Nur noch einer übrig!

Mufun Nr. 3

Ich gehe langsam und aufmerksam die Gänge der Bibliothek ab. Meine Augen sind dabei sehr auf den Boden fokussiert. Diese kleinen Wesen sind soooo unauffällig, ich bin mir sicher, dass ich einen weiteren höchsten finde, weil ihm irgendein Missgeschick passiert, aber nicht, weil ich gut genug suche. Dafür bin ich irgendwie zu angespannt. Zumal es auch schon echt spät ist und ich befürchte bei längerem Umhergewandere von irgendeiner Aufsichtsperson aus der Bibliothek geworfen zu werden (was natürlich Blödsinn ist. Es gibt keine Öffnungszeiten! … Und dennoch habe ich irgendwie Respekt davor). Nach einiger Zeit fühle ich mich erschöpft und beschließe ein wenig mich zu erholen, und mich in der Leseecke hinzusetzen. Ich rubbel mir erst einmal kräftig die Augen und wuschel mir auch gleich darauf einmal durch die Haare, denn durch das angestrengte auf den Boden gucken juckt mir einfach alles gerade. Langsam hebe ich den Blick wieder. Die bereits gefangenen Muffuns sitzen grummelnd in ihren schwebenden Luftblasen, schauen finster zu mir und dann wieder irgendwo Richtung Regale. Ich seufze. … Dann fällt mir ein – warum bin ich nicht schon eher darauf gekommen – mittels Magie nach einem weiteren Muffun zu suchen.

Schließlich sollten die kleinen Wesen, ähnlich wie Arya in der letzten Verteidigungs-Stunde, durch Druckveränderung im Luftstrom zu erspüren sein. Und außer mir befindet sich aktuell (hoffentlich) niemand an Mitschülern in der Bibliothek. Ich konzentriere mich also wieder, schließe die Augen und nutze meinen Zauberstab ähnlich wie eine Antenne um den Fluss der Luft in diesem geschlossenen Raum wahrzunehmen. Da meine beschworenen Luftblasen die Luft in meiner Nähe leicht vibrieren lässt ist es nicht allzu leicht die Grundspannung zu ertasten. Doch dann bemerke ich eine ungewöhnliche Schwingung, gar nicht allzu weit entfernt von mir. Ich zögere noch einen kleinen Augenblick um die Intensität der Schwingung abzuschätzen und erst als ich mir sicher bin, dass es etwas Lebendiges, aber sehr sanftes handeln muss, beginne ich die Luftblase in der Richtung des unbekannten Phänomens zu wirken.

Erst als ich mir sicher bin, dass ich dieses „Ding“ in der Blase umschlossen habe, öffne ich die Augen und suche das, was ich rein nach Gefühl gerade verzaubert habe. Und tatsächlich: keinen Meter von mir entfernt, direkt unter einem der Tische, schwebt meine herbei gezauberte Luftblase hervor – mit einem kleinen braunem Flaum in sich ruhend.

Der Muffun schaut erschrocken auf, wirkt jedoch irgendwo erleichtert, wo er seine Artgenossen erblickt, die bereits in meiner Sammlung vorzufinden sind. Ich hole nun aus meiner Tasche einen kleinen Beutel, den uns Majorun für diese Aufgabe übergeben hatte. Die Luftblasen lasse ich in diesen hineingleiten. Der Stoff, aus dem der Beutel angefertigt wurde, ist Luftdurchlässig, aber dicht genug gewoben, damit die kleinen Wesen ihn nicht beschädigen können. Erst als ich den Beutel gut verknotet habe, löse ich die Luftblasen wieder auf. Gleich darauf beginnt der Beutel sich wild zu bewegen – aber für ein kurzes Weilchen müssen die kleinen das aushalten, ehe ich sie im Elsterwald aussetzen kann.