Wahrsagerei – 5. Stunde

In einem leicht rosanen Nebel offenbart meine Kugel mir, wie der morgige Tag einer kleinen Sumpfohreule so aussehen wird. Die recht helle, kompakte kleine Eule zeichnet sich als erstes in meiner Kugel ab und ein warmes kribbeln erfüllt mich bei ihrem Anblick. Das ist das Zeichen, dass ich weiß, ich sehe es jetzt aus der Perspektive dieser kleinen Gestalt.

Ich setze mich bequem vor meine Kugel, konzentriere mich auf die wilden Rauchschwaden und versuche mir alle auf mich eindringenden Bilder gut zu merken und anschließend auf einem Blatt zu notieren.

Die kleine Eule lebt wohl schon seit langer Zeit bei der Hexenpost. Aufgrund ihres Naturells ist sie zu Beginn der Dämmerung aktiv. Sie sitzt in einem kleinen Nest, das sie in einem künstlichen Geäst, welches die Hexen in einer Turmspitze angelegt haben; mehrere – womöglich sogar alle – Eulen der Hexenpost nisten hier und haben somit keinen langen Weg um zu ihrer Arbeit zu kommen.

Sie hüpft, aus dem Nest, auf den Ast und beginnt sich ausgiebig zu putzen. Dabei schaut sie sich aufmerksam immer wieder um. Die Umgebungsgeräusche werden immer lauter, denn auch andere Eulen erwachen und machen sich bereit für den heutigen Tag. Andere Eulen, nämlich die, die mehr nachtaktiv sind, flattern angestrengt in ihre Nester zurück, blicken finster umher als würden sie ihre Umgebung dazu ermahnen wollen leiser zu sein. Doch es bleibt insgesamt friedlich zwischen den Tieren.

Zuerst reinigt sie ihre Flügel, dann ihr Bauchgefieder, und irgendwie ganz komische verbogen schafft sie es auch sich am Rücken zu putzen. Dies ist ein recht langwieriger Prozess und es ist schon fast ein bisschen langweilig sie dabei zu beobachten.

Zufrieden schaut sie sich schließlich um, plustert sich auf und blinzelt nach unten. Da ich Höhenangst habe macht mir der Anblick in den Abgrund schon ein bisschen Angst. Das sind bestimmt fünfunddreißig Meter bis zum Boden – so viel Platz trennt die Eule von dem geschehen am Boden. Es ist allerdings beeindruckend wie gut das Tier sehen kann. Trotz des Abstandes, kann ich die acht Hexen am Boden umherflitzen sehen. Verschlafen und mit müden Schritten schieben sie sich von A nach B. Die eine bringt einen riesigen Haufen neuer Briefe in die Mitte des Raumes, während die andere den riesigen Haufen in sechs verschiedene kleinere Häufchen einsortiert. Die nächsten drei Stempeln jeweils von einem Haufen die Briefe noch einmal extra ab. Eine scheint einfach nur immer wieder den Raum zu verlassen und nach einigen Augenblicken komplett verwirrt wieder zurückzukommen. Und die letzten beiden … die bereiten kleine Säckchen vor. Und diese Säckchen scheinen der Eule besonders zu gefallen. Ich spüre richtig, wie sie mit einem Mal ihre Schwingen spreizt und ab in den Abgrund schießt. Geschickt schnappt sie sich eines der Beutelchen aus der Hand einer der Hexen und fliegt wieder zurück zu ihrem Nest.

Der Inhalt des Beutels scheint ein seltsamer Fleischmus zu sein. Wahrscheinlich eine Art Frühstückspaket für die Eulen. Ich schmecke eine leicht breiige Konsistenz auf meiner Zunge, doch im Gegenteil zu mir, scheint es der Eule sehr zu schmecken. Nachdem ihr Frühstück verspeist wurde schüttelt sie sich kräftig, und stößt erneut in den Abgrund vor. Bevor sie sich dieses Mal was schnappt kreist sie ausgiebig über die Köpfe der Hexen und es gesellen sich auch noch zwei weitere dazu. Es fühlt sich vertraut an. Ob das so … „die Clique“ … also … die Freunde der Eule sind? Es fühlt sich auf jeden Fall angenehm an, als wäre das ein alltägliches, ja, Begrüßungsritual unter Kollegen; und schließlich setzt sich die Eule neben den einen Stapel mit den abgestempelten Briefen. Die Hexe wendet sich der Eule zu und sagt etwas. Auch wenn ich die Worte höre, ihr Inhalt kommt in dem Moment überhaupt nicht bei mir an. Als würde jemand in einer fremden Sprache mit mir reden. Obwohl ich doch genau weiß, was es für Worte sind, die verwendet werden. Verrückt.
Doch dann höre ich tatsächlich ein Wort heraus, das ich verstehe: „Typ“ „Zwischen“ „Falkenpass“ und „Helvik“. Das ist eine recht große Strecke, doch der Eule scheint das genug Info zu sein. Sie schnappt nach dem obersten Brief. „Wichtig!“, sagt die Hexe mit erhobenem Finger noch einmal nachdrücklich und mir fällt auf, dass dieses Wort häufiger gefallen sein muss, doch die Eule scheint ihn erst jetzt auch als solches anzunehmen. Schließlich schwingt sie sich wieder in die Lüfte und aus einem der großen, offenen Fenster, fliegt sie hinaus.

Ich sehe noch die Weite der Landschaft und wie behäbig sich die kleine stämmige Eule gegen den pfeifenden Wind wehrt – doch dann verblasst das Bild zunehmend.

Schließlich gebe ich es auf. Der Nebel wird immer dichter und es tut mir in den Augen nur noch weh weiter auf die Kugel zu starren.

Für die Aufzeichnung was an einem Morgen bei einer Eule so passiert, muss das wohl reichen.

Verwandlung – 5. Stunde

Der Frosch schaut mich misstrauisch an, während ich die vor mir liegende Liste genauer Studiere. Ich spüre seinen Blick einfach. Wobei ich sein Misstrauen auch gut nachvollziehen kann. Immerhin … habe ich ihn gefangen und nun in das Klassenzimmer verschleppt. Da wäre ich auch nicht gut auf die betroffene Person zu sprechen. Verständnisvoll wandert mein Blick also zu ihm, und ich nicke ihm zustimmend zu, während seine finster glimmenden Augen mich anvisieren.

„Du kommst später wieder zurück in deinen Teich.“, säusel ich leise vor mich hin, während ich meinen Zauberstab zücke, „Aber für diese kleine Übung brauch ich dich jetzt. Kriegst dafür auch noch was Feines. Versprochen.“

Der Frosch gibt einen leisen Laut von sich der wie ein unterdrücktes Quaken klingt. Vielleicht ist er es auch schon gewohnt in unregelmäßigen Abständen von den Schülern dieser Akademie gefangen zu werden um als Verwandlungsobjekt herzuhalten. Das würde zumindest seine genervte, aber erstaunlich ruhige Haltung erklären. Nichtsdestotrotz richte ich nun meinen Zauberstab auf ihn.

„Fliri Flari Floriflu – Verwandel dich in einen Hasen!“

Ich sehe wie die Luft um den Frosch zu flimmern beginnt. Dieser scheint mit einem Mal skeptisch, schaut sich unsicher umher.

Da es sich um ein lebendiges Wesen dieses Mal handelt bin ich sehr vorsichtig. Ich spüre alle vier Elemente an meinem Zauberstab hin und her zerren, mein Arm wird mit einem Mal sehr weich, wechselt regelmäßig zwischen heiß und kalt, zittert unheimlich wild hin und her. Ich umfasse den Zauberstab daher vorsichtshalber zusätzlich mit meiner linken Hand um mehr Sicherheit zu haben.

Die Luft flimmert immer wilder und die Konturen des Froschs beginnen stark zu verschwimmen. Wie ein Laken das gelüftet wird verschwimmt sein Bild und ich merke wie sich die Gestalt des Frosches in meinem Bewusstsein einbrennt. Ich press die Augen zusammen und versuche den Gedanken an die vor mir sitzende Amphibie mit dem eines Hasen zu ersetzen.
Ich hätte mich wirklich eher für die Eidechse entscheiden sollen – verdammt!
Aber sowohl Hase wie auch Frosch haben doch diese kräftigen hinteren Gliedmaßen. Und … ich mag lange Ohren. Lange, weiche Ohren. Vielleicht in … weiß? Ein wenig mehr Form im Kopf, eine weiche, rosa Nase … Und ganz viel Fell. Mit einem kleinen, plüschigen Schwänzchen. Umso mehr ich drüber nachdenke … Wo war noch einmal der Frosch? Da saß doch schon immer ein weißer Hase vor mir auf den Tisch – oder? … Kann und darf es denn so einfach sein?
Ich schüttle den Kopf.
Wer redet denn hier von einfach? Ich habe das Gefühl das mein Arm heftig nach links und rechts ausschlägt, so wild brennt die elementare Energie gerade auf meinen Zauberstab ein! Es wäre schön, wenn der Gedanke an den Hasen ausreichen würde um dieses Szenario zu beenden! Wobei der Druck tatsächlich weniger zu werden scheint, seitdem ich mir das Bild von dem Säugetier so klar vorstellen kann.
Zaghaft öffne ich die Augen.

Die Luft flimmert immer noch, aber lange nicht mehr so wild wie eben. Dort wo eben der Frosch noch saß, sitzt nun ein weißer, mies dreinblickender Hase. Seine großen, gelben Augen blicken irgendwo gelangweilt und genervt zu mir rüber, als würde er sich fragen, warum ich immer noch so zittrig den Zauberstab in seine Richtung halten würde.

Erleichtert senke ich diesen. Greife in meine Tasche und leg dem Hasen eine Kirsche vor die Pfoten.
„Danke.“, flüstere ich leise.
Das Tier schnüffelt skeptisch an der Frucht. Ist bestimmt seltsam für einen Frosch eine Kirsche zu essen. Aber als Hase kann er sie wohl akzeptieren. Während er sie nun mümmelt, warte ich auf die Bewertung der Lehrerin.

Zaubertränke 5. Stunde

Ein Raunen geht bereits durch den Raum als die ersten drei Zutaten auf der Tafel aufgeschrieben werden. Ich notiere mir Majohanas Schriften sorgfältig, merke aber auch wie mir zunehmend mulmig wird.

Sternenwasser, Suloki Fisch in blau, Marsikenpilz, vier Funkelhütchen Pilze, zwei rote Äpfel und einmal rosa Pulver.

Von einigen dieser Zutaten habe ich noch nie gehört und bin daher wirklich verunsichert, was deren Besorgung angeht.

Majohana klopft ihre Hände von der Kreide wieder frei und schaut fordernd in die Runde der Prüflinge. „Eure Prüfung ist in drei Tagen zu erledigen!“, jagt sie uns einen zusätzlichen Schauer über den Rücken, „Das ist wirklich ausreichend Zeit um alle Zutaten zu besorgen. Es werden zwar keine schriftlichen Vermerke angefertigt wer früher und wer erst im letzten Moment seinen Trank abgibt aber …“, ihr Zeigefinger wandert mahnend in die Höhe, „… ich merk mir wen ich faul rumlümmeln sehe und wer wirklich auf der Suche ist. Lasst euch das schonmal gesagt sein. Die Prüfung wird einige eurer bereits erworbenen magischen Fähigkeiten von euch abverlangen … Allein bei der Besorgung, aber auch beim brauen des Trankes.“

Sie erklärt wie wir die verschiedenen Zutaten schließlich zusammenfügen, verreiben und kleinschneiden sollen; ziemlich genau 24 Stunden muss der Trank dann vor sich hin köcheln. Schließlich werden wir mittels Melodienzauber die Intensität seiner Grundessenz verstärken und damit zu einem perfekten „Melodis Vantris“ brauen.

Auffordernd schaut sie uns schließlich an. „Worauf wartet ihr denn noch? Los jetzt! In spätestens drei Tagen drückt ihr mir euer fertiges Fläschchen in die Hand!“
Augenblicklich springen die ersten auf und rennen aus dem Raum. Ich schaue ihnen erst noch nach, widme mich dann aber erneut meinen Notizen. Sobald der Trank köchelt habe ich einen Tag Zeit um alles andere zu erledigen. Ich sollte also mich wirklich die nächsten Stunden nur darauf konzentrieren meine Zutaten zu besorgen.

Sternenwasser kriege ich in der Stadt, genauso wie rosa Pulver. Den Suloki Fisch werde ich im Schlossgarten beim Fischteich angeln können. Dort werde ich auch nach Äpfeln Ausschau halten müssen. Den Marsiken Pilz habe ich so noch nie gehört. Und Funkelhütchen Pilze … ?

Ein leises summen dringt an ein mein Ohr und als ich mich zu dem Geräusch umdrehe, sehe ich in Flöflös blaue Augen.
„Flööööööö“, fiept die kleine und posiert Selbstbewusst.
Sie muss aus ihrer Elfenkugel das geschehen beobachtet haben. Bestimmt hat sie mitbekommen was ich gerade plane.
„Meinst du, du kannst mir dabei helfen?“, frage ich sie vorsichtig. Schließlich war unsere letzte Gegenstandsuche etwas … spannend für sie?
Doch Flöflö wirkt komplett unbeeindruckt. Selbstsicher nickt sie mir langsam zu.
Aufgrund ihrer Erfahrung aus der Elfenschule in Naturkunde wird sie mir mit Sicherheit bei der Suche nach den Funkelhütchen helfen können. Ich wiederhole ihr meine Gedankengänge noch einmal laut und betone schließlich noch einmal, „bei den Funkelhütchen, weißt du wo man diese finden könnte?“
Flöflö überlegt kurz demonstrativ, schaut mir dann aber gleich mit so einer Entschlossenheit in die Augen, dass ich sicher sein kann, dass ihr von vornherein klar war, wo sie diesbezüglich suchen müsste. Erleichtert tätschle ich ihr ihr kleines Köpfchen.
„Danke, Flöflö! Das nimmt mir eine unheimliche Last ab. Meinst du wir können uns dann am Fischteich treffen?“
Flöflö stimmt quietschend zu und fliegt sogleich motiviert aus einem der geöffneten Fenster. Ich vertraue ihr, dass sie sich nicht erneut in Gefahr begibt.

Motiviert mache auch ich mich auf den Weg. Ein leeres Fläschchen habe ich bereits bei mir, also schwing ich mich außerhalb der Akademie sofort auf meinen Besen und düse Richtung Manaquelle, denn ich muss zum Hexenkessel. Dieser liegt etwas abseits des Hexenschlosses, weswegen mein Flug recht schnell erledigt ist. Doch anders als bei meinem letzten Besuch im Rahmen einer Prüfung ist heute hier ziemlich viel los. Viele Hexen versammeln sich an diesem Ort um gemeinschaftlich die entspannende Atmosphäre nutzen zu können. Doch das ist kein Problem für mich. Ich warte einen kleinen Moment, bis die junge Hexendame im Eingangsbereich mich freudig begrüßt und fragt, wie sie mir weiterhelfen kann.
„Ich brauche etwas Sternenwasser.“, erläutere ich mein Begehr und ziehe eine leere Phiole aus meiner Tasche, „Das kann ich mir doch hier bei euch abfüllen lassen, oder?“
Die junge Hexendame nickt eifrig und nimmt meine Phiole entgegen.
„Aber sicher.“, lächelt sie höflich, „Ich füll dir dein Fläschchen eben auf. Du bist heute auch nicht die erste die etwas davon haben möchte.“
Ich lächle verlegen, auch wenn sie mir in dem Moment bereits den Rücken zuwendet und sich in ein Hinterzimmer begibt. … Natürlich bin ich nicht die Einzige die ihr Sternenwasser hier abholt. Soweit ich weiß ist der Hexenkessel die einzige Quelle in der man dieses spezielle, funkelnde Wasser erhalten kann. Vielleicht kennt auch manch einer meiner Mitschüler einen anderen Zugang, aber die meisten werden diese Zutat wohl hier abholen.
Nach nur wenigen Augenblicken kommt die junge Hexe wieder und hält mir mein Fläschchen mit einer leicht glitzrig glänzenden Flüssigkeit entgegen.
„Dieser Service ist für jede Hexe kostenlos.“, lächelt sie erneut professionell, „Passen sie nur auf das, dass Wasser nicht verschüttet wird und schützen sie es vor direkter Sonneneinstrahlung.“
Ich nicke und bedanke mich, nehme die Flasche wieder an mich und verschließe sie sofort wieder. Behutsam lege ich das Fläschchen in das innere meiner Tasche, gut und weich eingebettet.
Dann verabschiede ich mich und fliege sofort weiter nach Helvik. Mein nächstes Ziel ist Delas Geschäft.

In Delas Ladens ist es gerade relativ still. Die Hexe sitzt recht gelangweilt am Tresen und ihr Gesicht hellt sich sofort auf, als sie mich – als potentiellen Kunden – den Laden betreten sieht.
„WILLKOMMEN!“, begrüßt sie mich lautstark und wie ein aufgeregter Hund scheint sie im nächsten Moment mir entgegenspringen zu wollen; mental zumindest. Professionell wie sie nun einmal ist, bleibt sie natürlich hinter dem Tresen und nur durch ihre leuchtenden Augen wird mir offenbart, wie extravertiert ihr Wesen eigentlich sein muss. Doch dann schließen sich die Augen und lächelt freundlich zu mir, „Kann ich dir irgendwie helfen?“
Ich nicke eifrig und verrate ihr, dass ich rosanes Pulver brauche.
„Aaaaha! Von der Akademie? Wusste ich es doch!“, sie wirbelt augenblicklich herum und schnappt sich ein Glas mit rosanem Pulver, dass sie sofort auf dem Tresen vor mir platziert. „Kann ich dir sonst noch was Gutes tun? Eine Angel? Wie wäre es damit?“
Ich schüttle den Kopf, und lehne dankend ab. Doch es ist noch nicht allzu lange her, da habe ich bereits eine Angel genau in diesem Geschäft gekauft. Doch Dela scheint mir genau der richtige Ansprechpartner zu sein, um mich wegen des Marsikenpilzes schlau zu machen.
„Ich brauche sonst nichts direkt aus dem Laden, aber danke. Eine andere Frage … Ehm, ja, ich bin von der Hexenakademie. Und aktuell habe ich meine Zaubertrankprüfung.“
Aufmerksam hört mir Dela zu, und strahlt breit, als ich von meiner aktuellen Situation erkläre. „Ja, das dachte ich mir. Läuft es denn gut?“
„Ich … denke schon? Die Prüfung hat erst vor einer Stunde angefangen. Ich muss noch alle Zutaten besorgen und da gehörten bestimmte Pilze auch dazu. Vier Funkelhütchen und ein Marsiken oder so …“, während ich die Zutaten aufzähle greife ich verwirrt in meine Tasche. Ich möchte die Namen jetzt nicht durcheinanderbringen, in Anbetracht der angespannten Situation wäre es mir aber durchaus zuzutrauen.
Dela nickt eifrig. „Funkelhütchen Pilze sind schwer zu entdecken, wenn man sie nicht kennt. Aber da sollte deine Elfe dir gut helfen können. Elfen und Funkelhütchen verbindet irgendetwas weißt du. Die finden einander immer.“
„Achso?“
Jetzt wundert mich Flöflös reaktion vorhin überhaupt nicht mehr.
„Ja, die verströmen einen Duft den Elfen wohl sehr gut wahrnehmen. Trag deiner Elfe auf welche zu suchen und sie wird mit Sicherheit welche finden.“
„Das habe ich bereits gemacht. Aber gut, dann kann ich mich da definitiv auf die kleine verlassen. Danke! Und dieser Marsikenpilz? Kannst du mir da auch einen kleinen Tipp geben?“
Dela legt nachdenklich die Stirn in Kraus.
„Mmh, ja, Moment. Ich meine wie wuchsen beim Wald. Aber nicht im inneren. Sie mögen Licht, sammeln dieses und in der Nacht leuchten sie dann. Nicht komplett! Nur die punkte! Die leuchten richtig schön. Gemeinsam mit den Irrlichtern. Doch der Marsikenpilz der warnt, anders als das Irrlicht – ja genau! So war das!“
Eine interessante Brücke. Ich nicke dankbar und schlussfolgere ihr gesagtes: „Oh, danke! Das heißt … Am besten heute Abend oder nachts zum Wald fliegen und schauen wo es auf dem Boden dann … leuchtet?“
„Das kannst du so machen. Alternativ kannst du auch tagsüber schon nach kleinen, Fliegenpilzähnlichen Pilzen Ausschau halten. Wenn mehrere zusammen stehen nimm ruhig das ganze Bündel mit, die teilen sich eine Wurzel und verteilen auch ihre Substanz über diese; du wirst den gesamten Pilz für deinen Trank bestimmt brauchen. Mit einem Zauber wirst du Prüfen können ob er leuchtet oder nicht. Schau am besten am Waldrand. Bestimmt findest du auch am Tage schon was.“
Ich bedanke mich ganz herzlich bei Dela, bezahle mein Pulver und mache mich dann auf den Weg zum Hexenschloss.

Als ich so über die Landschaft hinweg fliege entdecke ich schließlich einen recht hoch gewachsenen Apfelbaum. Ich fliege näher heran und entdecke auch tatsächlich ein paar reif wirkende rote Äpfel. Zwei besonders schöne pflücke ich mir und packe sie in meine Tasche.

Motiviert geht es weiter zum Hexenschloss. Ich gehe an den Fischteich und werfe meine Angel aus, in der Hoffnung einen schönen blauen Saluki Fisch fangen zu können. Nebenbei bereite ich meinen Fischeimer mit etwas Wasser vor.
Und mit einem Mal wurde mir wieder bewusst warum ich so selten angeln gehe. Bestimmt könnte ich den Prozess über Magie beschleunigen, da es sich hier aber um das Leben eines Fischs geht (ich brauch zwar nur ein paar seiner Schuppen, ich weiß aber letztendlich nicht wie stressig das für den kleinen Fisch sein könnte) möchte ich dafür lieber keine Hexerei anwenden.
Irgendwann dringt ein leises quietschen an mein Ohr. Flöflö hat den Fischteich aufgesucht und mit sich trägt sie vier wirklich sehr kleine, aber hellstrahlende gelbe Pilzchen. Wie und wo sie diese auch immer gefunden hat, ich bin ihr unheimlich dankbar. Und natürlich bin ich erleichtert zu sehen, dass es ihr gut geht!
Während ich die Pilze in meiner Tasche verstaue betrachtet die kleine Elfe die Situation am Teich genau. Anscheinend gefällt ihr gar nicht wie langsam hier alles von statten geht. Kurzerhand springt sie im hohen Bogen, verwandelt sich dabei in einen Fisch, und verschwindet im Wasser. Ich reagiere zu langsam um irgendwie zu realisieren was sie da genau gerade getan hat. Ein paar Minuten passiert nichts – und dann ganz viel. Die Schnur meiner Angel beginnt zu spannen und ich beginne sofort an ihr zu ziehen und die Kordel zu drehen um zu schauen, was mir da an den Haken gesprungen ist. Direkt neben mir springt Flöflö wieder aus dem Wasser und feuert mich mit kleinen piepsigen Geräuschen an. Und es hilft wirklich! Mit einem Mal ziehe ich einen wunderschön blau schimmernden Fisch aus dem Wasser. Was auch immer Flöflö im Wasser getan hat, es scheint den Fisch in die Nähe des Hakens getrieben zu haben. Ich setze ihn bedächtig in den Wassereimer und befreie ihn wieder von dem Haken.
Glücklich wirkt der Fisch leider nicht. Daher beschließe ich mir gleich ein paar seiner Schuppen zu besorgen um ihn gleich wieder in den Teich entlassen zu können. Dafür zücke ich meinen Zauberstab, stelle eine Verbindung zu dem Wasser im Eimer her und verwandle einzelne kleine Wasserströme in eine Art Raspel. Diese schabt vorsichtig an dem Fisch. Ich brauche etwas einen Teelöffel voll seiner Schuppen, das sollte doch zu machen sein.
Dem Fisch gefällt das überhaupt nicht. Es wirbelt wild in dem Eimer umher – was den Prozess wunderbar beschleunigt. Flöflö lugt neugierig über den Rand des Eimers und beobachtet wie viele von den glitzernden blauen Schuppen bereits im Wasser treiben. Natürlich möchte ich den Fisch weiterleben lassen, von daher sollte es nicht zu viel werden. Nach einigen Augenblicke fiept Flöflö laut auf und ich löse den Zauber sofort. Ein paar Mal höre ich den Fisch noch aufgebracht durch das Wasser sausen, doch dann scheint auch er zu bemerken, dass das Wasser ihn nicht weiter bedrängt, und ruht für einen Augenblick. Erneut nutze ich meinen Zauberstab, versuche mit ihm die feinen abgeriebenen Schuppen in eine Luftblase zu sammeln und an die Oberfläche des Eimers zu transportieren. Wie eine riesige Seifenblase schweben die gewünschten Schuppen aus dem Eimer, mir entgegen.
Mit einem harten „Bleib“-Befehl verharrt die Seifenblase schließlich. Nun beschwöre ich zusätzlich eine kleine Dose in der ich die Schuppen unbeschadet transportieren kann. Ich halte die Dose unter meine Seifenblase, richte meinen Zauberstab wieder auf diese und durch einfaches antippen löst sich der Seifenblasenzauber sofort und die blauen Schuppen landen sicher in der kleinen Dose. Ich verschließe diese, packe sie sofort zusätzlich in meine Tasche und kann auch gleich darauf den Fisch wieder in den Teich entlassen. Dieser springt sofort in das angebotene größere Wasser und verschwindet in dem tiefen blau.

„Jetzt fehlt nur noch eine Zutat!“, berichte ich Flöflö. „Von Dela habe ich erfahren das wir die Marsikenpilze am Hexenwald finden können. Dort sollen die am Rande des Waldes wachsen. Magst du mir auch da beim Suchen helfen?“
Natürlich ist Flöflö motiviert und wie machen uns gemeinsam auf den Weg Richtung Hexenwald.

Inzwischen ist es schon wesentlich später, und die Dämmerung erweist sich bei der Suche nach den leuchtenden Pilzen durchaus als praktisch. Ich nutze die Erdmagie um eine ungefähre Ortung von Pilzstrukturen auszumachen, und dann heißt es nur noch mit zusammengekniffenen Augen den Waldrand abfliegen. Wir finden sehr schnell eine kleine Ansammlung blass leuchtender, Fliegenpilzähnlicher Pilze. Ich frage Flöflö ob auch sie diese Pilze als Marsiken Pilze bezeichnen würde. Bei Pilzen sollte man immer vorsichtig sein! Da sie mir ohne zu zögern zustimmt pflücken wir das kleine Bündel welches anscheinend zusammengehört und verstauen es zusätzlich in der Tasche. Mit all den Zutaten im Gepäck machen wir uns auf den Rückweg zum Schloss. Die Prüfung ist noch lange nicht abgeschlossen.

Wieder im Schloss angekommen bereite ich alles auf meinem kleinen Arbeitstischchen im Zaubertranklehrzimmer vor. Mit mir sind bereits zwei weitere Mitschülerinnen beim Brauen.

In meinen Kessel schütte ich das Sternenwasser und befestige den Kessel an seiner Halterung über der kleinen Feuerstelle. Diese entzünde ich darauf.

Die gesammelten Pilze und Äpfel werden gemeinsam klein geschnitten und schon einmal beiseitegelegt. Sobald ich aus dem Kessel leichten Dampf aufsteigen sehe werden zunächst diese Fischschuppen (etwa ein Teelöffel voll) in das Sternenwasser gekippt, welches sogleich eine strahlendblaue Farbe übernimmt (zumindest so gut wie ich das bei der spärlichen Belichtung gerade erspähen kann). Ich rühre immer mal wieder in dem Wasser, damit es sich wirklich gleichmäßig erhitzt und nicht zu viel Sternenwasser verdampft. Als die ersten blasen beginnen aufzusteigen schütte ich die kleingeschnittenen Zutaten zusätzlich in das Wasser. Da beginnt es wild zu blubbern und zu glucksen. Gerade die Pilze verleihen der zuvor recht dünnen Flüssigkeit eine nun klebrige, schwere Konsistenz. Ich brauche wesentlich mehr Kraft um mein Tempo beim Rühren zu halten. Doch es wird wieder leichter. Die Färbung verändert sich leicht, wird etwas Cyan lastiger, und auch der aufsteigende Duft wird frisch und zitroniger. Ich versuche mich nicht irritieren zu lassen, wobei ich doch genau weiß, dass keine einzige Citrusfrucht diesen Kessel bisher gesehen hat. Schließlich scheinen die Pilze sich so gut in dem Gebräu eingebunden zu haben, dass es sich wieder ziemlich leicht umrühren lässt. Ich gehe in meinem Kopf jeden einzelnen Schritt noch einmal durch. Dann greife ich zu dem Glas mit dem rosa Pulver und streue dieses bedächtig und gleichmäßig unter ständigem Rühren in den Kessel hinein. Der Duft verändert sich. Wird süßlich. Schwerer. Lieblich? Ich vertraue meiner Nase nicht mehr. Als der gesamte Inhalt in den Kessel gewandert ist lege ich das leere Glas beiseite und rühre noch mit geschlossenen Augen hundertmal nach links und hundertmal nach rechts. Dann lege ich die Kelle zur Seite und mach einen Schritt zurück. Ich zücke meinen Zauberstab und befehle dem Feuer unter dem Kessel sich langsam und gleichbleibend zu verhalten. Es scheint ein liebes Feuer zu sein, denn ich spüre nicht diesen Widerstand wie ich ihn sonst beim Umgang mit Feuer schnell verspüre. Daher lege ich noch zwei Holzscheite zu den Flammen und verlasse mich dann darauf, dass ich morgen den Zaubertrank abfüllen kann.

4. Stunde – Musikunterricht

Ein Raunen geht zunächst durch die Schülerreihen, nachdem Majolana uns die heutige Aufgabe verkündet hat.

„Melodien lassen sich ganz leicht herbeizaubern. Werdet einfach Kreativ!“, zwinkert sie uns motivierend zu.

Doch anstelle von motivierter Schaffenskraft in meinem inneren, höre ich mich selber nur angestrengt seufzen. Und bin darauf von mir selber dezent enttäuscht. Kopfschüttelnd zücke ich zögerlich meinen Stab. Unauffällig wandert mein Blick hin und her um zu erhaschen wie meine Mitschülerinnen an diese Aufgabe herangehen.

Meine gute Freundin Yoko wählt nicht ihren Zauberstab, sondern ihr Instrument. Das sich dabei mit Melodien arbeiten lässt ist offensichtlich. Da sie jedoch eine Melodien-Spezialisierung hat ist es nicht verwunderlich, dass mit einem Mal ein leichter Lichtschleier sich um sie legt, nachdem sie eine Melodie auf ihrer Mundharmonika angestimmt hat. Wirklich sehr beeindruckend. Und mit einem Mal – zack – verschwindet sie, und ich höre die angestimmte Melodie auf einmal von der anderen Seite des Schulgartens.

Wahnsinn!

Okay. Ich bin zwar nicht schlecht mit meiner Geige zugange, aber aufgrund der unterschiedlichen Spezialisierungen möchte ich es nicht unbedingt ausprobieren und am Ende einfach nur peinlich in der Gruppe auffallen. Ich bleibe also bei meinem Zauberstab.

Mit Melodien zu zaubern bedeutet streng genommen mit Tönen zu arbeiten – Töne weiten sich über Schallwellen aus, die über die Luft übertragen werden. Also sollte ich wahrscheinlich, wenn ich mit Luft arbeite, an ein ähnliches Ergebnis anknüpfen können, wie es zum Beispiel Yoko vorgemacht hat.

Ich atme tief ein und schließe die Augen. Ganz leicht nur vibriert mein Handgelenk, welches den Zauberstab hält. Inzwischen habe ich das Gefühl doch schon recht gut verinnerlicht um mit den verschiedenen Elementen arbeiten zu können. Von daher habe ich recht schnell das Selbstbewusste Gefühl die Luftströme um mich herum angezapft zu haben. Ganz leicht, wie ein Dirigent, beginne ich meinen Zauberstab zu schwingen. Dabei halte ich ihn steifer als sonst, damit die Luftströme leicht angeschnitten werden und ein „pfeifen“ ähnlich wie ein Ton aufkommen kann; hoffentlich zumindest, denn bevor ich die Energie des Elements nutzen möchte, sollte ich mich entscheiden, was ich genau damit anstellen möchte. Also öffne ich langsam die Augen.

Mein Blick schweift verloren durch das Gartengelände – und mit einem Mal fällt mir auf wie trocken einige der nahelegenden Kräuterbeete auf mich wirken. Das sieht doch ganz praktisch aus.

Ich richte mich auf das nahegelegene Beet mit dem Pepril-Kraut. Sehr kontrolliert richte ich die Spitze meines Zauberstabs aus und beginne dann mit der schneidenden Bewegung die Luftenergie in die gewollte Schwingung zu versetzen. Ein Pfeifen ertönt und ich sehe die Kräuter einmal heftig gegen eine Windböe ankämpfen.

Stimmt, ich sollte mich eventuell für diese Art von Zauber ein zusätzliches Element verwenden: Wasser. Erneut schließe ich die Augen um mich besser konzentrieren zu können.
„Wasser“, denke ich mir laut, „Wasser und Luft muss ich trennen – wie ein Ei beim Backen. Die Luft lenkt und das Wasser verteilt sich nur.“

Mein Zauberstab beginnt sich etwas kühler anzufühlen, als ich mit ihm versuche das Wasser aus den mich umgebenden Quellen herauszufiltern. Die Luftfeuchtigkeit ist heute nicht sonderlich hoch. Und der Boden ist durch die letzten warmen Tage auch eher ausgedörrt. Meine Fühler müssen größer werden, schließlich möchte ich das Wasser nicht von den anderen mich umgebenden Pflanzen nehmen. Mit einem Mal fällt mir ein, dass der Brunnen am Eingang des Schulgartens doch eine passende Quelle sein müsste! Dieser liegt recht weit weg, aber vielleicht hilft mir ja die Melodie um die erforderliche Energie passend einzusetzen. Da muss doch ein solcher Nutzen hinter stecken!

Ich weiß wo der Brunnen liegt, von daher male ich mir vor meinem Inneren Auge den Weg zu diesem aus und schicke meinen Zauber mit einer ausholenden Bewegung und einer Melodie einfach in die gewünschte Richtung. Ein wildes klimpern, als würde jemand verwirrt auf einem Klavier spielen wollen, ertönt. Ich gebe mir Mühe nicht zu zusammenzuzucken. Erst als ich ein leichtes vibrieren in meinem Zauberstab verspüre ziehe ich den Zauberstab wieder zu mir zurück. Aus der Richtung wo der Brunnen liegen müsste schwebt ein wabernder leichter streifen einer unsichtbaren Flüssigkeit – ja, womöglich Wasser – auf uns Hexenschülerinnen zu. Ich konzentriere mich zwar auf dieses „etwas“, doch mir entgeht nicht wie einige meiner Mitschülerinnen misstrauisch ein paar Schritte zur Seite machen oder gar in Deckung gehen. Sicherlich, es sieht schon sehr seltsam aus. Und … es … macht Geräusche? Eine recht ungeschickte Melodie, eben wie ein ungeübtes Klavierspiel, begleitet die wabernde Masse. Und ganz leicht spielt sie auch noch, als der Wasserstreifen über dem Pepril-Kraut-Beet anhält.
Ich löse mit einer raschen Bewegung die Luft, die das Wasser zurückgehalten hat. Eine lautes, für mich undefinierbares Geräusch, ertönt und lässt das gesammelte Nass mit einem Mal auf die Pflanzen hinabsausen. Wie eine kalte Dusche.

Ich löse meine angespannte Haltung und schaue zu Majolana hinüber. Sicherlich, elegant sah es nicht aus, aber ich sollte mit meiner kleinen Übung den Anforderungen der heutigen Prüfung entsprochen haben.

Fischschuppen einsammeln

Ich bin ziemlich motiviert für die heutige Prüfung und erscheine so ziemlich Selbstbewusst am Sternenfall auf meinem Besen. Ich fliege zuerst knapp über die Wasseroberfläche um schon einmal einen Blick in das kühle Nass werfen zu können. Vereinzelt sehe ich die Schemen verschiedener Fischer Unterwasser hin und her huschen; bestimmt sind auch einige der Maloa Guppys dabei – ohne sie spontan genau erkennen zu können.

Ich lande am Ufer und zücke meinen Zauberstab. Da ich wirklich keinerlei Ahnung habe, wie die magischen Schuppen der Guppys aussehen könnten, erscheint es mir am geschicktesten das Wasser als Element für mich zu nutzen; damit sollte es mir auf jeden fall gelingen! Aus meiner Tasche wühle ich eine kleine Dose hervor. In dieser möchte ich die Schuppen transportieren. Also öffne ich diese, und leg sie neben mir in das unregelmäßige Gras.

Dann positioniere ich mich Zauberbereit. Der Zauberstab wird vor mir gehalten, und ich schließe die Augen. Ich höre das Rauschen des Waldes, das Plätschern des „Sternenfalls“, tausende, unregelmäßige Tropfen an die immer selben Stellen, konzentriert, machtvoll, einheitlich, monoton – dumpf. Die frische Luft des Wassers nehme ich bewusst wahr. Absolut nicht modrig oder verbraucht. Frisch, kühl und eindeutig nass. Die Quelle kann nicht so weit entfernt liegen. Ein warmes Gefühl taucht in mir auf und ich bemerke, dass ich mit dem bewegenden Wasser anfange über den Stab zu kommunizieren. Ich spüre wie sich tausende kleine Organismen in dem Becken vor mir bewegen, kleine Strudel die Temperatur im Wasser organisieren und die Ströme weiter außerhalb meiner Reichweite fließen. Genau dorthin wollte ich. Ich hebe den Zauberstab ganz sanft an; die Spannung der Oberfläche wird durch ein leichtes vibrieren in meinem Zauberstab greifbarer. Und nun fühle ich sie: die kleinen Wasserläufer, Mückenlarven, andere Insekten, die an der Oberfläche kurz zu verschnaufen versuchen, doch von dem andauernd in Bewegung gebrachten Wasser keine Ruhe finden. Wie ein unruhiges Jucken. Doch neben diesem nervösen Gefühl ist da noch etwas. Tote Objekte, nicht schwer, aber in sich Kompakt treiben sie vereinzelt an der Oberfläche. Und umso mehr ich mich auf diese Objekte konzentriere, desto so deutlicher bemerke ich, wie ein leichtes summen von ihnen ausgeht.

Das müssen die Schuppen sein!

Der Griff um meinen Zauberstab wird stärker, und mit einem Mal schwing ich einen kleinen Halbkreis:

„Fliri Flari Floriflu – sammle die magischen Schuppen!“

Die Spitze deutet genau auf die Stelle, wo ich das Surren erspüren konnte. Das Wasser bäumt sich um diesen Punkt herum auf, bis sich schließlich eine kleine Blase aus diesem hervorkämpft: in ihr schwebend sehe ich es glitzern und bin mir sicher, dass es sich dabei um die Schuppen handeln muss. Behutsam lasse ich sie vor mir, bis in die zuvor geöffnete Dose hineinschweben. Mit einer raschen Bewegung löse ich den Zauber und die Blase zerplatzt, wobei die Schuppen wohlbehütet in der Dose landen. Stolz hebe ich diese an, begutachte meinen Fang. Tatsächlich sind es sehr feine, bunt schimmernde Schuppen. Wirklich unscheinbar! Zufrieden schließe ich die Dose, verstaue sie gut, und mache mich zurück auf den Weg zu Majohana.

Verteidigung – 5. Stunde

Ich beschwöre kurzerhand wieder ein Luftschild, um mir sämtliche Angriffe, oder wie die kleineren Beschwörungen der Hexen bezeichnet werden sollten, abzuwehren. Da ihre Angriffe recht gleichbleibend sind gewöhne ich mich schnell an ihre Intensität. Es ist zwar eine angespannte Situation, doch das Schild kann ich gut aufrecht halten – auch wenn ich dabei absolut abschalte, was um mich herum geschieht. Meine Mitschüler? Keine Ahnung ob die genau denselben Beschwörungen ausgeliefert werden wie ich. Kleine Funkenregen, Eiskristalle, Ranken die sich durch den Boden bohren – alles wird von meinem Luftschild aufgefangen, und zerplatzt an ihm. Ich fühle mich im Verlauf selbstsicherer und trau es mir sogar zu neben dem Schild noch einen weiteren Zauber anzuwenden: ich zapf etwas von dem Erdelement an und beschwören eine steinerne Wand aus dem Boden, die eine weitere Barriere zwischen mir und einer der mir unbekannten Hexen bildet. Es knackt ein paar Mal laut, doch die bricht mit ihren beschworenen Ranken schließlich durch die Steinmauer. Herausfordernd blickt sie zu mir herüber, verzieht keine Miene, doch ich spüre, dass ihre Ranken mit voller Wucht gegen mein Schutzschild knallen. Immer. Wieder.

Ich fasse mir intuitiv an die Stirn – die andauernden Schläge sorgen für einen stechenden Schmerz. Ich werde nicht drumherum kommen: um ihren Angriffen bis zum Ende standzuhalten muss ich aggressiver vorgehen. Keine Ahnung, wie lange wirklich diese Übung andauern wird, aber ich werde keine vollen zehn Minuten diesen Schmerz aushalten können ohne die Qualität des Schildes verringern zu müssen. Ein Strategiewechsel muss her. Und da ich unter Stress stehe gibt es nur zwei Optionen: Flucht oder Angriff. Ich will meine Prüfung bestehen! Also Angriff!!

Ich schwenk meinen Zauberstab konzentrierter abwärts, sammle all die Erdenergie die ich gefasst bekomme. Wenn sie mit ihren Ranken angreifen kann muss ich sie dort blockieren! Ich spüre ein kribbeln in meinen Fingern, als würden sie durch feinen Sand fahren, und als ich mir sicher bin, mehr kribbeln geht nicht mehr, schiebe ich den Zauberstab schwungvoll von mir fort.

Der Boden unter meinen Füßen bebt kurz auf und hinter meinem Luftschild schießen zarte Ranken hervor, schlingen sich vorbei an den beschworenen Ranken der mir unbekannten Hexe, umschlingen stattdessen diese. Diese wirkt recht gefasst, beobachtet aber haargenau, wie die zarten ranken ihre Beine umschlingen, bis zu ihrer rechten Hand entlangsprießen und ihren Zauberstab umschließen. Da spüre ich das Kribbeln nicht mehr. Verdammt! Meine Unsicherheit scheint man mir anzusehen, denn die Hexe muss mit einem Mal anfangen zu prusten als sie wieder zu mir sieht. Einen kräftigen offensiveren Zauber, neben eine Schildbeschwörung, werde ich wohl noch üben müssen; doch ehe die Dame zum Gegenzauber ausholen kann pfeift ein schriller Ton durch den Raum. Majorun erklärt die Prüfung für beendet. Ich atme erleichtert auf, löse beide Zauber.

Ganz zufrieden bin ich mit meiner Leistung zwar noch nicht, aber zumindest habe ich es geschafft mich konsequent zu schützen. Immerhin weiß ich woran ich weiter üben kann.

Verteidigung – 4. Stunde

Mufun Nr. 1

Ich entdecke das kleine Mufun nur dadurch, weil es ein leises niesen von sich gibt. Ich nutze den Moment in dem es sich noch benebelt umschaut und Wirbel es mittels Magie sanft in die Luft. Das kleine Wesen reagiert darauf extrem überfordert, lässt sich aus dem Luftstrom aber nicht mehr entreißen. Ich beschließe die Mufuns in kleinen Luftströmen einzufangen und so für die Hexenprüfung aufzubewahren. So habe ich einen guten Überblick, ob sie auch noch in ein paar Stunden noch in einer guten Verfassung sind (was tatsächlich meine größte Sorge ist). Der Zauber benötigt wenig Kraft, weswegen ich mich vorerst für ihn entscheide…

Mufun Nr. 2

Kurz nachdem ich den ersten Muffun gefangen habe, höre ich ein leises knurren. Ich drehe mich um und sehe vorerst nichts. Da der erste sehr verwirrt in seiner „Luftblase“ herumhängt, kann ich davon ausgehen, dass das knurren nicht von ihm kommt. Aber von woher dann … ? Ich konzentriere mich, schließe die Augen und versuche mich auf die Richtung aus der das knurren kommt zu konzentrieren. Und irgendwie … ich öffne wieder die Augen, bin mit dem Blick auf den roten Teppich fokussiert der recht zentral im Eingangsbereich der Bibliothek ausliegt. Ich blinzel und erkenn mit einem Mal einen kleinen braunen Flaum, der direkt neben den roten Flusen bedrohlich auf und ab schwenkt, die kleinen Knopfaugen direkt auf mich gerichtet. Anscheinend hat der kleine beobachtet, wie ich seinen Artgenossen eingefangen habe. Ich zögere nicht lang, und schwenk meinen Zauberstab leicht hin und her. Der kleine Flaum erkennt was ich vorhabe, und holt aus, möchte mich anscheinend angreifen. Zum Glück wiegen die kleinen Muffuns so gut wie nichts, und somit lässt sich schnell die Luftenergie um ihn herum bündeln. Noch ehe der Kleine zum Sprung ansetzen konnte habe ich auch ihn in einer Luftblase gefangen. Ein wenig stolz arrangiere ich die beiden Luftkugeln nebeneinander, auch wenn der zweite Fang wild am knurren und fauchen ist. Also gut. Nur noch einer übrig!

Mufun Nr. 3

Ich gehe langsam und aufmerksam die Gänge der Bibliothek ab. Meine Augen sind dabei sehr auf den Boden fokussiert. Diese kleinen Wesen sind soooo unauffällig, ich bin mir sicher, dass ich einen weiteren höchsten finde, weil ihm irgendein Missgeschick passiert, aber nicht, weil ich gut genug suche. Dafür bin ich irgendwie zu angespannt. Zumal es auch schon echt spät ist und ich befürchte bei längerem Umhergewandere von irgendeiner Aufsichtsperson aus der Bibliothek geworfen zu werden (was natürlich Blödsinn ist. Es gibt keine Öffnungszeiten! … Und dennoch habe ich irgendwie Respekt davor). Nach einiger Zeit fühle ich mich erschöpft und beschließe ein wenig mich zu erholen, und mich in der Leseecke hinzusetzen. Ich rubbel mir erst einmal kräftig die Augen und wuschel mir auch gleich darauf einmal durch die Haare, denn durch das angestrengte auf den Boden gucken juckt mir einfach alles gerade. Langsam hebe ich den Blick wieder. Die bereits gefangenen Muffuns sitzen grummelnd in ihren schwebenden Luftblasen, schauen finster zu mir und dann wieder irgendwo Richtung Regale. Ich seufze. … Dann fällt mir ein – warum bin ich nicht schon eher darauf gekommen – mittels Magie nach einem weiteren Muffun zu suchen.

Schließlich sollten die kleinen Wesen, ähnlich wie Arya in der letzten Verteidigungs-Stunde, durch Druckveränderung im Luftstrom zu erspüren sein. Und außer mir befindet sich aktuell (hoffentlich) niemand an Mitschülern in der Bibliothek. Ich konzentriere mich also wieder, schließe die Augen und nutze meinen Zauberstab ähnlich wie eine Antenne um den Fluss der Luft in diesem geschlossenen Raum wahrzunehmen. Da meine beschworenen Luftblasen die Luft in meiner Nähe leicht vibrieren lässt ist es nicht allzu leicht die Grundspannung zu ertasten. Doch dann bemerke ich eine ungewöhnliche Schwingung, gar nicht allzu weit entfernt von mir. Ich zögere noch einen kleinen Augenblick um die Intensität der Schwingung abzuschätzen und erst als ich mir sicher bin, dass es etwas Lebendiges, aber sehr sanftes handeln muss, beginne ich die Luftblase in der Richtung des unbekannten Phänomens zu wirken.

Erst als ich mir sicher bin, dass ich dieses „Ding“ in der Blase umschlossen habe, öffne ich die Augen und suche das, was ich rein nach Gefühl gerade verzaubert habe. Und tatsächlich: keinen Meter von mir entfernt, direkt unter einem der Tische, schwebt meine herbei gezauberte Luftblase hervor – mit einem kleinen braunem Flaum in sich ruhend.

Der Muffun schaut erschrocken auf, wirkt jedoch irgendwo erleichtert, wo er seine Artgenossen erblickt, die bereits in meiner Sammlung vorzufinden sind. Ich hole nun aus meiner Tasche einen kleinen Beutel, den uns Majorun für diese Aufgabe übergeben hatte. Die Luftblasen lasse ich in diesen hineingleiten. Der Stoff, aus dem der Beutel angefertigt wurde, ist Luftdurchlässig, aber dicht genug gewoben, damit die kleinen Wesen ihn nicht beschädigen können. Erst als ich den Beutel gut verknotet habe, löse ich die Luftblasen wieder auf. Gleich darauf beginnt der Beutel sich wild zu bewegen – aber für ein kurzes Weilchen müssen die kleinen das aushalten, ehe ich sie im Elsterwald aussetzen kann.