Lunastria

Hexenakademie

Zuletzt eingetragen am:
07.10.2026 um 15:05 Uhr
7 Oktober, 2026| Hazel| , |
Abschlussprüfung magische Artefakte

Der Raum war leergeräumt, bis auf den schweren Steinsockel in der Mitte, auf dem das uralte Relikt ruhte. Die Schüler traten einzeln an. Hazel an der Reihe. Sie trat durch die große Holztür in den Prüfungsraum. Nur sie und das Relikt waren im Raum – beobachtet von den Auge des Komitees: Proffesorin Celia, Proffesorin Cybil, drei weitere Hexen die Hazel nicht kannte und Direktorin Emily. Von der Galerie aus verfolgten sie jede ihrer Bewegungen.

Das Relikt selbst flackerte in einem besonderen, metallischen Glanz. Es war in dunkelstes, fast absorbierendes Metall gefasst, überzogen mit fremdartigen, kantigen Runen, und eine tief sitzende, pulsierende Magie hielt es fest verschlossen.

Hazel trat langsam näher. Sie atmete tief durch, schloss für einen Moment die Augen und rief ihren Fokus zusammen. Sie durfte sich jetzt keine Schwäche erlauben. Jetzt muss ich zeigen das ich es kann!

Phase 1: Identifizierung der Magie

Hazel trat an den Sockel heran und wusste, dass bloße Berührungen hier nicht ausreichten. Sie zog ihren Siegelstein aus ihrer Tasche. Mit konzentrierten, gleichmäßigen Bewegungen zog sie um den schweren Steinsockel herum ein leuchtendes, golden schimmerndes Schutz-Pentagramm. So schützte sie sowohl das Relikt, als auch sich selbst.

Um noch tiefer in die Struktur des Relikts einzutauchen, holte sie ihre Kristallkugel hervor und platzierte sie sanft auf dem Rand des Pentagramms. Sie legte beide Hände sanft an die Kugel, sprach einen leisen, fokusierenden Analysenzauber „Lunae Lucens, Oculus Aetheris“, und blickte tief in das gläserne Innere.

In den wabernden, rauchigen Nebeln des Glases formten sich Bilder: Sie sah, wie das Relikt in vergangenen Jahrhunderten als eine Art magischer Tresor – ein sogenannter Alembik der Läuterung – gedient hatte. Man nutzte ihn damals, um extrem gefährliche, widerspenstige Magie einzufangen. Im Inneren dieses Tresors fand ein Prozess statt, den man die Katharsis-Destillation nannte: Die wilde Magie wurde nicht einfach nur weggesperrt, sondern in einem ständigen, alchemistischen Kreislauf gereinigt und ihrer zerstörerischen Schärfe beraubt, bis nur noch eine ruhige, neutrale Essenz übrig blieb.

Hazel hatte bemerkte, das die Hexen oben in der Galerie ihre Köpfe reckten um auch ein Bild zu erhaschen. Als das Bild in ihrer Glaskugel verblasste sortiere Hazel ihre Gedanken und erklärte laut was sie gesehen hatte.

Phase 2: Entschlüsselung der Runen

Die Runen auf der Oberfläche waren komplex, spitz zulaufend und verlangten nach tiefem theoretischen Wissen. Um sicherzugehen, schlug Hazel ihre Folianten auf: Runenkunde für und Die Anatomie magischer Artefakte. Zwischen den Seiten fand sie ihre eigenen kleinen Notizen und Verzeichnisse über diese uralten Symbole.

Es handelte sich um eine seltene Variante der alten Yochrika-Runen, kombiniert mit elementaren Siegeln für den Reinigungskreislauf. Auf einem Pergament skizzierte sie die Symbole schnell, sauber und präzise auf:

Zwei ineinandergreifende Dreiecke für die Bindung und den Verschluss, gefolgt von einem geschlossenen Kreis mit einem zackigen Blitz im Zentrum für die gebannte, volatile Energie und ein Symbol mit feinen, geschwungene Linien, die den Fluss der Katharsis-Destillation anzeigten.

Auch diese Symbole erklärte sie laut und deutlich. Hazel sah, wie Professorin Celias Augen funkelten.

Phase 3: Die Erklärung und Entscheidung

Die entscheidende Frage stand im Raum: Was war dieses Relikt, wofür wurde es hergestellt und was sollte nun damit geschehen?

Hazel trat einen Schritt von dem leuchtenden Pentagramm zurück, strich ihren Rock glatt und hob den Kopf. Sie wandte sich direkt der Beobachtergalerie zu, wo Professorin Celia, Ihre Tante Cybil, Direktorin Emily und die anderen Mitglieder des Komitees standen. Ihre Blicke ruhten schwer auf ihr, doch Hazel erwiderte sie standhaft und klar.

Mit fester, gut hörbarer Stimme – die durch die Akustik des Raumes getragen wurde – sprach sie direkt zu dem Komitee:

„Wertvolles Komitee, verehrte Frau Direktorin“, begann Hazel und deutete mit einer ruhigen Handgeste auf das pulsierende Relikt auf dem Sockel. „Meine Untersuchungen haben gezeigt, dass es sich hierbei nicht um eine Waffe oder ein blindes Zerstörungswerkzeug handelt. Vor uns liegt ein antiker Äther-Kompakt-Tresor, ein sogenannter Alembik der Läuterung. In früheren Zeiten wurde er erschaffen, um hochgradig gefährliche, widerspenstige Magie einzufangen und sie durch einen inneren Prozess – die sogenannte Katharsis-Destillation – langsam zu reinigen und unschädlich zu machen.“

Sie machte eine kurze Pause, damit ihre Worte wirken konnten, und sah direkt in Professorin Celias nachdenkliches Gesicht.

„Ein Öffnen des Tresors zum jetzigen Zeitpunkt wäre fatal“, fuhr Hazel fort, wobei ihr Tonfall nun unerschütterliche Entschlossenheit widerspiegelte. „Die Jahrhunderte haben die inneren Siegel geschwächt – die alte, ungezähmte Magie im Inneren könnte unkontrolliert entweichen und alles in der Umgebung korrumpieren. Eine Zerstörung wiederum würde den alchemistischen Druckbehälter implodieren lassen und eine unvorhersehbare Raumverzerrung verursachen.“

Hazel atmete tief durch und sprach den entscheidenden Satz:

„Meine Wahl fällt daher unmissverständlich auf: Schützen. Ich werde die verblassten Yochrika-Runen mit frischer, fokussierter Magie und meinem Werkzeug nachziehen und ein neues, stabiles Schutzsiegel über das Artefakt legen. Auf diese Weise bleibt das Relikt sicher verwahrt, und die alte Reinigungs-Magie in seinem Inneren kann ihre Arbeit ungestört fortsetzen, ohne dass auch nur ein Hauch der gefährlichen Alt-Magie nach außen dringt.“

Sie verbeugte sich leicht vor der Galerie, die Hände fest um ihren Hexenkristall geschlossen, und wartete auf das Urteil.

Auf der Beobachtungsgalerie herrschte zunächst absolute Stille. Dann trat Professorin Celia nach vorn, ein warmes, stolzes Lächeln auf den Lippen, und nickte tief. Tante Cybil sah Hazel an. Sie konnte ihren Blick nicht richtig deuten – es schien eine Mischung aus Stolz und Sorge zu sein. Direktorin Emily legte eine Hand an ihr Kinn und wandte sich leise an die anderen Komiteemitglieder. Der Blick, den sie Hazel nun zuwarfen, war voller Anerkennung.

Hazel hatte nicht nur mit kühlem Verstand und exzellentem Fachwissen überzeugt, sondern vor allem mit dem Mut und dem tiefen Feingefühl einer wahren Meisterin der Artefakte.

Während sie auf das offizielle Urteil des Komitees wartete, durchfuhr Hazel ein plötzlicher, warmer Ruck der Zuversicht. Nun, da sie diese Prüfung erfolgreich abgeschlossen und bewiesen hatte, dass sie selbst mit gefährlichen Relikten umgehen konnte, fühlte sie sich endlich bereit. Sie würde nicht länger zögern. Sie würde einen Weg finden, den Realm-Schlüssel sicher und kontrolliert anzuwenden. Sie würde jede einzelne Bibliothek durchforsten, jeden alten Folianten wälzen und jedes Rätsel lösen, das sich ihr in den Weg stellte. Die Reise ging weiter – und Hazel fühlte sich mehr als bereit dafür.