Lunastria

Hexenakademie

Zuletzt eingetragen am:
15.09.2026 um 15:00 Uhr
11 September, 2026| Hazel| , |
Die Kunst der sanften Hände

Der Duft von getrockneten Kräutern und leicht süßlichem Eukalyptus lag in der Luft, als die Klasse den Raum für Heilungszauber betrat. Vor der Tafel stand Professorin Myra.

„In der heutigen Stunde widmen wir uns einem der Fundamente der Heilmagie“, erklärte Professorin Myra und hielt einen gläsernen Kolben in die Höhe, in dem eine silbrig schimmernde Flüssigkeit zu sehen war. „Wir lernen, wie man den Trank ValiCura braut, der die allgemeine Gesundheit und die Pflege des Körpers fördert. Ein unverzichtbares Mittel für jede angehende Heilerin.“

Nachdem Professorin Myra die genauen Anweisungen, Messwerte und Siedepunkte für den Trank ausführlich an die Tafel geschrieben hatte, wandte sie sich der eigentlichen Herausforderung des Tages zu.

„Heilmagie hat einen kleinen Haken“, lächelte die Professorin. „Sie wird in der Regel nur dann eingesetzt, wenn es tatsächliche Verletzungen oder Krankheiten zu behandeln gibt. Das macht es oft schwierig, diese Form der Magie im Alltag regelmäßig zu üben. Doch die aktuelle Grippezeit spielt uns heute in die Karten und bietet eine ideale Gelegenheit, euer theoretisches Wissen anzuwenden und zu vertiefen.“

Ein leichtes Schmunzeln ging durch die Reihen, als Professorin Myra erklärte, dass einige Mitschülerinnen im Raum von einer Erkältung erwischt worden waren – oder vom anstrengenden Unterricht fertig waren.

„Eure Aufgabe besteht heute darin, einer eurer angeschlagenen Mitschülerinnen mit einer gezielten Dosis Heilmagie zu helfen“, wies Myra an. „Und als direkte Unterstützung sollt ihr im Anschluss den Trank ValiCura brauen, um ihre Selbstheilungskräfte zu stärken und den Heilungsprozess optimal zu ergänzen.“

Hazels Blick fiel sofort auf die Bank schräg vor ihr. Dort saß Rhiann. Seit ihrem heftigen Zusammenbruch im Fach Verteidigungsmagie war sie merklich blass geblieben, und nun hatte sie auch noch ein hartnäckiges Frösteln erwischt. Sie wirkte erschöpft, rieb sich immer wieder die Schläfen und hustete leise in einen Schal.

Keine Frage, wem Hazel helfen würde. Sie stand auf, nahm ihren Block und trat an Rhianns Tisch.

„Hey Rhiann“, sagte Hazel sanft. „Magst du mich kurz ranlassen? Ich glaube, ich kann dir helfen.“

Rhiann sah müde auf, schenkte Hazel dann aber ein schwaches, dankbares Lächeln. „Danke Hazel… Ich fühl mich immer noch schlapp.“

Heilungszauber erforderten keine harten Runen oder laute Beschwörungen, sondern pure Empathie und ein feines Gespür für den Energiefluss des Körpers. Hazel schloss die Augen, konzentrierte sich und legte beide Hände sacht und mit sicherem Abstand auf Rhianns Schultern.

„Atme tief ein“, flüsterte Hazel ermutigend und sprach den gelernten Zauber. „Sana et vigora.“ 

Sie ließ eine sanfte, goldene Aura aus ihren Handflächen strömen – eine wohltuende, milde Wärme, die wie ein sanfter Wind durch Rhianns Körper glitt. Die angespannte, fiebrige Schärfe und die Nachwehen der Erschöpfung wichen augenblicklich. Farbe kehrte in Rhianns blasses Gesicht zurück, und ein tiefes, erleichtertes Ausatmen entkam ihren Lippen, als die Schwere von ihren Schultern fiel.

„Wow… das tut gut.“, flüsterte Rhiann und strich sich über die Stirn, merklich erholt. „Danke dir Hazel.“

Im Anschluss verlor Hazel keine Zeit. Zusammen mit Citrin, die eifrig die Mörser schwang und die genauen Mengen des Sternenwassers abmaß, kehrte sie zu ihrem Kessel zurück. Sie befolgte Professorin Myras Anweisungen bis ins kleinste Detail, rührte exakt, bis der Trank im Kolben in einem sanften, vertrauenerweckenden Sternenblau aufleuchtete.

Als Professorin Myra ihre Runde beendete und an Hazels Tisch stehen blieb, war der ValiCura-Trank perfekt vollendet. Die Professorin warf einen Blick auf die frisch gestärkte Rhiann im Hintergrund und nickte dann anerkennend.

„Hervorragende Arbeit Hazel“, lobte Myra leise. „Sowohl die praktische Anwendung des Heilungszaubers als auch die Braukunst sitzen perfekt. Du hast ein echtes Händchen für das Wohl anderer.“

 

*Sana et vigora ist Lateinisch und bedeutet Heile und gib Kraft.