Lunastria

Hexenakademie

Zuletzt eingetragen am:
25.08.2026 um 14:50 Uhr
18 August, 2026| Hazel| , |
Hilfe für ein Moosschwanz-Hörnchen

Die große Aula der Akademie brummte vor nervösen Stimmen. Für Hazel war es die fünfte Stunde im Fach Heilungszauber, und es stand kein gewöhnlicher Unterricht an, sondern die erste große Prüfung. Professorin Myra erwartete die Schülerinnen und Schüler mit strengem, aber ermutigendem Blick.

Der erste Teil – das theoretische Rätsel über die komplexe Anatomie magischer Tiere – hatte Hazel dank ihres tiefen Wissens und ihrer Liebe zur Natur mit Bravour gemeistert. Doch nun folgte der wahre Prüfstein: Der praktische Teil führte sie und ihre Mitschüler direkt an den Rand des mystischen Düsterwaldes.

Kaum hatten sie das schattige, von alten Bäumen gesäumte Gebiet betreten, flog Citrin voller Tatendrang an Hazels Seite. Mit ihrer sanfte Stimme sagte sie: „Komm, lass uns schauen wem wir heute helfen können!“

Hazel lächelte und nickte. Sie atmete sen erdigen, moosigen Duft des Waldes ein. Sie liebte die Natur.

Um sich zu orientieren, griff sie in ihre Tasche und holte den magischen Kompass hervor, den sie in der zweiten Stunde Verwandlung selbst erschaffen hatte. Sie wog das feine Stück in ihren Händen und spürte einen kurzen Moment stolzer Genugtuung, bevor sie ihn mit einem leichten Handstreich darüber, aktivierte.

Dank der Magie des Kompasses, der magische Auren aufspürte, wurden sie zielsicher durch das dichte Unterholz geführt, bis er leise vibrierend an einer bestimmten Stelle zum Stillstand kam.

Citrin flog ein Stück voraus und inspizierte sas dichte Dickicht. Plötzlich wandte sich die Elfe um: „Hazel, sieh mal da drüben! Genau hier müssen wir hin.“

Im Schatten einer großen Farnwedel kauerte ein außergewöhnliches Wesen. Hazel stockte der Atem, als sie es erkannte. „Ein echtes Moosschwanz-Hörnchen“, flüsterte sie ehrfürchtig. Sie erinnerte sich genau an die Illustrationen in den alten Folianten der Bibliothek: Diese Tiere waren für ihr moosiges Fell bekannt, das sie perfekt mit dem Untergrund verschmelzen ließ. Doch dieses Exemplar sah gar nicht gut aus. Es zitterte am ganzen Körper, sein linkes Hinterbein knickte unnatürlich ab, und eine schmerzhafte Schramme zeichnete seinen Pelz. Neben ihm lag ein schwerer Zweig mit blauen Waldbeeren, den es wohl unbedingt pflücken wollte, bevor der Ast abgebrochen war und es getroffen hatte.

„Autsch, passt ein bisschen auf“, piepste eine überraschend helle Stimme direkt von dem kleinen Wesen kommend. Es sah Hazel mit großen, klugen Augen an und schnaufte leise. „Ich wollte nur ein paar Beeren pflücken, und jetzt ist mein Bein hinüber…“

Hazel, die überrascht war, das Wesen aus ihren Büchern leibhaftig vor sich zu sehen, fing sich sofort. „Hallo… du bist also wirklich ein Moosschwanz-Hörnchen. Wie heißt du denn?“

„Pippin“, antwortete das Eichhörnchen kurz angebunden und hielt sich schützend das Bein.

Hazel ging behutsam in die Knie. „Bleib ruhig, ich helfe dir.“ Sie atmete durch und versuchte, sich auf die Runen zu konzentrieren. Doch die Nervosität der Prüfung saß ihr im Nacken. Sie zog ihre Hand zu schnell durch die Luft, zeichnete die Heilrune unsauber, und statt eines warmen Leuchtens flackerte das goldene Licht nur kurz auf und erlosch mit einem kleinen Funken.

Das Eichhörnchen zuckte erschrocken zusammen. „He! Das hat gekribbelt, aber nicht auf die gute Art!“

Hazel zuckte erschrocken zurück und ließ ihre Hände sinken. „Oh, entschuldige“, hauchte sie mit besorgter Stimme, während ihr das Herz bis zum Hals schlug. Sie war zu verkrampft.

Citrin ließ sich sanft auf Hazels Schulter nieder. Mit beruhigender Stimme flüsterte die Elfe: „Ganz ruhig Hazel. Du kannst das. Konzentriere dich.“

Hazel nickte dankbar. Sie schloss die Augen, atmete den Duft von Moos und feuchter Erde ein und ließ die Anspannung von sich abfallen. Als sie die Augen wieder öffnete, war ihr Blick klar.

Diesmal handelte sie mit absoluter Ruhe und Präzision. Mit fließenden, zielgerichteten Bewegungen ihrer Finger zeichnete Hazel die feinen, gold leuchtenden Heilrunen erneut in die Luft. Die Runen pulsierten diesmal gleichmäßig im Takt ihres Herzschlags und legten sich wie ein wärmendes Band um das gebrochene Glied.

„Lunae Lucens, Sanat et restitue – heile und richte,“ sprach Hazel.

Unter dem goldenen Schein begann das Gewebe zu arbeiten. Die Knochen fügten sich sanft wieder zusammen, und die Schramme schloss sich. Um Pippin auch die nötige Restenergie zu geben, trat nun Citrin in Aktion. Die Elfe schwebte näher und legte ihre zarten Hände behutsam auf den bemoosten Rücken des Eichhörnchens. In diesem Moment geschah es: Überall um sie herum schienen die Blumen und Blüten im Unterholz aufzuleuchten. Die Lebenskraft der umgebenden Pflanzen bündelte sich wie ein sanfter, heller Lichtstrom, der durch Citrins Hände direkt in Pippins Körper floss. Die Magie der Natur strömte direkt in den moosigen Pelz und erfüllte ihn mit neuer, vitaler Energie. (Citrins Blütenheilung)

Das Moosschwanz-Hörnchen dehnte neugierig sein geheiltes Bein, sprang behende auf die Füße und strich sich glücklich über den moosigen Buschelschwanz. „Oh! Wow, das fühlt sich großartig an! Vielen Dank euch beiden!“, rief Pippin mit freudiger Stimme, schnappte sich ein paar der blauen Beeren und hüpfte geschmeidig auf den Stumpf einer alten Eiche.

Aus dem Schatten der Bäume trat plötzlich Professorin Myra hervor, die das Geschehen aus der Ferne beobachtet hatte. Ein anerkennendes Lächeln lag auf ihrem Gesicht.

„Sehr gut gemacht, Hazel“, sagte die Professorin und trat näher. „Jeder kann am Anfang ins Stolpern geraten – wichtig ist, dass du die Ruhe bewahrt und deinen Fokus wiedergefunden hast. Du hast gezeigt, dass du mit Fehlern umgehen kannst und im Team mit deiner Elfe fantastisch arbeitest. Prüfung bestanden!“

Während die drei Pippin beobachteten, geschah etwas Wundervolles: Aus dem Dickicht kamen weitere Moosschwanz-Hörnchen neugierig hervor. Fasziniert von dem sanften, nachklingenden Zauber und der heilenden Energie, die noch in der Luft lag, näherten sie sich ihrem Artgenossen und beäugten ihn neugierig. Es war ein friedlicher, magischer Moment, der die Verbundenheit aller Lebewesen im Wald spüren ließ.

Hazel atmete tief und erleichtert aus, während Citrin fröhlich um ihren Kopf tanzte. Es war ein hart erarbeiteter Erfolg, der sich umso besser anfühlte.