Lunastria
Hexenakademie
14.06 – 12.07.2026
- Astrolabium Zodiac
Prompt Juli 2026
12.07.2026 um 09:25 Uhr
Versprechen auf der Picknickdecke
– Fortsetzung von der Geschichte Beschwörungszauber –
Hazel knetete aufgewühlt ihren Rock. „Sie verschwand. Seit zwei Jahren ist sie nun schon wie vom Erdboden verschluckt.“ Hazel erinnerte sich an den besagten Tag, als wäre es gestern gewesen…
„Es war ein ganz normaler Freitagabend“, fuhr sie leise fort, während ihr Blick ins Leere ging. Citrin landete sanft auf Hazels Knie und schmiegte sich tröstend an ihre Hand. „Maru hatte noch spät im Archiv der Akademie an alten Akten gearbeitet. Da wurde sie zuletzt gesehen. Sie war Assistentin von Professorin Celia im Fach Magische Artefakte. Maru hatte gerade ihr Studium zur Professorin begonnen.“ Hazel wischte sich eine Träne weg. „Sie wollte nach Hause kommen, um mit uns zu essen und das Wochenende zu verbringen. Doch ihr Stuhl am Tisch blieb leer. Als meine Eltern Kontakt mit der Akademie aufnahmen, war sie schon nirgends mehr zu finden. Keine Einbruchspuren an ihrem Zimmer, keine Anzeichen von Kampf. Keine magische Signatur im Archiv. Nichts. Es war, als hätte die Dunkelheit sie einfach verschluckt.“
Rikku und Minni hielten den Atem an. Ein schweres, mitfühlendes Schweigen legte sich über die Picknickdecke im Park.
„Ein ganzes Jahr lang haben wir nichts anderes getan als gesucht“, flüsterte Hazel, und eine Träne rollte über ihre Wange. „Meine Eltern, Tante Cybil, Freunde… wir haben jede Lichtung umgedreht, Waldgeister befragt und mit Kreaturen verhandelt, vor denen ich mich früher gefürchtet habe. Meine Familie hat Teile ihrer eigenen Magie geopfert, nur für einen winzigen Hinweis. Aber da war absolut keine Spur. Kein Fetzen Stoff, nicht einmal ein Hauch ihrer magischen Aura.“
„Oh, Hazel…“, murmelte Minni mit feuchten Augen. Ohne zu zögern, rutschte sie näher und legte einen Arm um Hazels Schultern.
Rikku völlig still geworden. Sie blickte Hazel mit einer tiefen, ernsten Entschlossenheit an. „Und deshalb bist du hier an der Akademie, oder? Nicht nur, um zu lernen… sondern um sie zu finden.“
Hazel nickte, wischte sich die Träne weg und hob das Kinn. In ihren Augen blitzte die bittere Entschlossenheit auf, die sie seit zwei Jahren antrieb. „Ja. Nun bin ich endlich bereit und kann aktiv helfen. Mein Vater nutzt seinen Beruf, um jedes versteckte Portal zu durchkämmen. Meine Mutter knüpft über ihre Kräuterarbeit Kontakte zu jedem, der etwas wissen könnte. Und Tante Cybil… nun, sie hat hier an der Lunastria Akademie bereits jeden Stein umgedreht und Professoren verhört. Jetzt bin ich dran. Ich will meine Sinne schärfen, die Runenkunde meistern und stärker werden. Jedes Mittel ist mir recht. Ich werde das Geheimnis ihres Verschwindens lüften.“
Minni drückte sie fest. „Du bist nicht mehr allein auf dieser Suche, Hazel. Wir helfen dir. Beim Lernen, beim Suchen, bei allem.“
„Absolut“, pflichtete Rikku bei und legte ihre Hand auf Hazels. Ihre Elfen Citrin, Quartz und Bella flogen zustimmend um Hazels Kopf. „Dafür sind Freundinnen da. Wenn da ein Geheimnis ist, dann knacken wir das eben zusammen.“
Ein warmes Gefühl der Erleichterung breitete sich in Hazels Brust aus. Der Riss in ihrer Seele war nicht geheilt, aber das Gewicht der Suche lastete nicht mehr nur auf ihren Schultern allein.
Zwischen den Erdbeeren und den Sandwich-Krümeln auf der Picknickdecke war gerade etwas viel Mächtigeres entstanden als jeder Beschwörungszauber im Unterricht: Ein unerschütterliches Band der Freundschaft.
Rikku blinzelte plötzlich, als die Worte mit einer kleinen Verzögerung in ihrem Kopf ankamen. Ihre Augen wurden so groß wie Untertassen und sie starrte Hazel fassungslos an.
„Warte mal…“, stammelte Rikku, während ihre Elfe Quartz im Flug abrupt stoppte. „Stop. Professorin Cybil? Die Professorin Cybil, die uns im Unterricht anschaut, als wollte sie uns in Kröten verwandeln? Die ist deine Tante?!“
Auch Minnis Mund klappte ungläubig auf. Sie sah abwechselnd von Rikku zu Hazel.
Hazel spürte, wie ihr die Hitze in die Wangen stieg. Die Information war ihr sichtlich peinlich. Sie zog die Schultern hoch und musste leise kichern. „Äh… ja. Genau die“, gestand sie mit rotem Kopf. „Familienfeiern sind bei uns… sagen wir mal, ziemlich diszipliniert. Aber eigentlich ist sie total lieb.“
Rikku schlug sich dramatisch die Hand vor die Stirn, was die bedrückte Stimmung im Park endgültig verfliegen ließ. „Na toll! Und ich habe mich heute Morgen noch über ihre strenge Miene beschwert. Hazel, das hättest du uns früher sagen müssen! Ab jetzt benehme ich mich in der ersten Reihe wie eine Vorzeigeschülerin.“
Nun brachen alle drei Mädchen und sogar die kleinen Elfen in schallendes Gelächter aus. Der tiefe Schmerz in Hazels Herzen war zwar nicht verschwunden, aber für diesen Moment fühlte er sich um ein Vielfaches leichter an.













