Lunastria
Hexenakademie
14.06 – 12.07.2026
- Astrolabium Zodiac
Prompt Juli 2026
12.07.2026 um 09:25 Uhr
Das Einmaleins der Hexenbabys
Die Rose öffnete sich vollends. Im Herzen der hellblauen Blüte erwachte es – ihr ganz eigenes Hexenkind. Ein winziges, vollkommenes kleines Mädchen blickte neugierig aus der Blütenpracht hervor.
Hazel hielt den Atem an. Das Baby hatte wunderschöne, große Augen die an einen Sonnenuntergang erinnerten. Feine lockige Haare, die in einem sanften Übergang von blond zu rosa schimmerten. Als das Kind die Arme nach Hazel ausstreckte, umhüllte es ein feiner, hellblauer Schimmer – das erste Zeichen ihrer ganz eigenen Hexenfarbe.
Weil alles so neu, aufregend und auch ein bisschen beängstigend war, fackelte Hazel nicht lange. Sie packte die kleine Maus vorsichtig ein und verließ zusammen mit Citrin den Rosengarten, um tief ins Herz von Astraea zu fliegen. Ihr Ziel war der Sternchenweg – ein wunderschöner, magischer Ort, an dem alles zu finden war was Hexenbabys und ihre Müttern brauchten.
Zwischen bunten Läden für magischen Pflegebedarf, winziger Hexenkleidung, spezialisierter Nahrung und fröhlichen Zauberschaukeln auf dem Spielplatz steuerte Hazel direkt das Gebäude für die Hexenkinder-Untersuchungen an. Sie brauchte jetzt einfach jemanden, der sich auskannte.
Dort wurden sie von einer Hexe mit unglaublich herzlichen Augen empfangen. „Mein Name ist Fenja und ich bin hier für die Untersuchungen der Hexenbabys zuständig“, stellte sie sich lächelnd vor, während sie die neugeborene Merle behutsam durchcheckte. Als sie Merles hellblaue Aura sah und Hazels Schülermantel bemerkte, staunte sie nicht schlecht. „Ein Hexenbaby benötigt viel Aufmerksamkeit, Geduld und Fürsorge, um glücklich aufzuwachsen und seine Magie sicher zu entfalten. Bringe Sie später in den Kindergarten und regelmäßig zu den Untersuchungen bei mir. Bei Fragen kannst du dich jederzeit melden. “
Fenja erklärte Hazel die wichtigsten Dinge – vom Füttern bis zu den ersten Zauber-Anzeichen – und Hazel sog jede Information wie ein Schwamm auf. Als Fenja anbot, Merle direkt im angeschlossenen Kindergarten bei Hexe Christin abzugeben, schüttelte Hazel aber vehement den Kopf. Es war Sonntag! Sie dachte gar nicht daran, ihre kleine Maus jetzt schon allein zu lassen. Sie wollte diesen ersten Tag nutzen, um Merle richtig kennenzulernen.
Mit einer Tasche voller Baby-Kram vom Sternchenweg und Merle fest im Arm machte sich Hazel auf den Weg zu einem anderen, ganz besonderen Ort im Königreich: dem Hexenkessel. Mana aufzuladen und dabei etwas zu entspannen, war für sie als Hexe zwar Routine, aber heute fühlte es sich ganz anders an. Zwischen den dampfenden, warmen Quellen, die so friedlich aus dem nackten Stein Astraeas entsprangen, fand Hazel endlich die Ruhe, um das alles zu begreifen.
Sie setzte sich ans warme Wasser und legte Merle auf ihren Schoß. Citrin schwebte begeistert durch die glitzernden Dampfschwaden. Merle gluckste leise und starrte Hazel aus ihren großen Augen völlig fasziniert an. Um die Kleine zu unterhalten, zeichnete Citrin mit ihren kleinen Händen eine sanft leuchtende Rune der Wärme in die Luft. Als das Symbol über Merles Bäuchlein sank, quietschte das Baby vor Vergnügen und grapschte nach den funkelnden Resten der Magie. Hazel musste lauthals lachen. Die Bindung zwischen ihnen war jetzt schon bombenfest.
Als es draußen dunkel wurde, siegte die Vernunft. Morgen ging das harte Studium an der Akademie wieder los, und Hazel wusste, dass Merle für die Nacht auf dem Sternchenweg bei Hexe Christin und den anderen Hexen die für die Betreuung der Kinder zuständig waren, am besten aufgehoben war.
Der Rückweg und der Abschied fielen ihr unglaublich schwer. Als sie Merle wieder auf die Station brachte und das schlafende Kind in sein Bettchen legte, zog sich ihr Herz schmerzhaft zusammen. Die winzigen Finger von ihrem Zeigefinger zu lösen, kostete sie echte Überwindung.
„Ich bin morgen direkt nach dem Unterricht wieder da“, flüsterte Hazel und gab ihr einen sanften Kuss auf die Stirn. „Jeden einzelnen Tag.“
Als sie die Tür schloss, drückte sich Citrin tröstend an ihre Wange. „Sei nicht traurig. Hier ist sie in den besten Händen.“ Hazel nickte. Natürlich war Sie das. Der Abschied tat dennoch weh.
Zurück in ihrem Zimmer in der Akademie war es seltsam still. Hazel spürte noch immer das sanfte Gewicht von Merle auf ihren Armen, und um die Einsamkeit zu vertreiben, setzte sie sich sofort an ihren Schreibtisch. Ihre Eltern mussten es unbedingt erfahren!
Citrin hatte sich direkt auf Hazel’s Kopfkissen gelegt – sie war sichtlich fertig von diesem aufregenden Tag.
Hazel schnappte sich ein Stück Pergament und schrieb mit fliegender Feder eine Hexenpost an ihre Eltern. Sie erzählte ihnen von der Erblühung im Rosengarten, von jedem kleinen Detail das Merle ausmachte. Mit einem sanften Luftzauber schickte sie den Brief auf die Reise ins ferne Elternhaus.
Als sie sich erschöpft, aber glücklich ins Bett legte und Citrin sich auf ihrem Kissen zusammenrollte, blickte Hazel an die Decke. Morgen würde sie als Allerstes zu ihrer Tante Cybil gehen, um ihr von Merle zu berichten. Mit diesem festen Vorsatz und einem tiefen Gefühl von Hoffnung im Herzen schlief sie schließlich ein.













