Lunastria

Hexenakademie

Zuletzt eingetragen am:
05.07.2026 um 09:30 Uhr
4 Juli, 2026| élodie| |
Seerose – Prompt Juli 2026

Der Juli-Mond hing hell leuchtend über den spitz zulaufenden Türmen der Hexenakademie Lunastria, als das Seerosen-Fest begann.

Ich strich über den samtigen Saum meines nachtblauen Umhangs. Als Lehrling der Blütenmagie trug ich das Privileg (und die Last), den großen See für die rituelle Nacht vorzubereiten. „Élodie, du trödelst“, sirrte eine Stimme dicht an meinem Ohr. Es war Vivi. In ihren Haaren steckte eine Lavendelblüte als Schmuck.

Auf meinem Schoß regte sich etwas. Alizée, mein Hexenbaby, stieß ein leises, milchiges Seufzen aus. Ich wiegte sie sanft, bevor ich sie in ihren Kinderwagen legte. Als ich mich umdrehte, spürte ich sofort die Last hunderter Blicke. Die gesamte Schulgemeinschaft hatte sich am Hang versammelt, um mich zu beobachten. Die Wichtigkeit des Anlasses spiegelte sich auch in ihrer Kleidung wider. Alle waren atemberaubend schick angezogen – die Mädchen trugen fließende, elegante Kleider, die leicht und fast elfengleich im Abendwind wehten. Die Jungs trugen, dunkle Samtanzüge und Gehröcke in tiefem Flaschengrün oder Mitternachtsblau, deren Knöpfe im Mondlicht funkelten.

Aus der Menge lösten sich meine Freunde, drückten flüchtig meine Hand und wünschten mir mit aufgeregtem Flüstern viel Glück. Dann trat ich mit Vivi aus dem Schatten der steinernen Bogengänge hinab zum See. Er lag glatt und schwarz da. Das Wasser war an diesem Abend dick und schwer. Auf der Oberfläche trieben tausende geschlossene Seerosen, bleich und schlafend wie steinerne Skulpturen. Es war meine Aufgabe, sie zu wecken.

Ich kniete mich ins feuchte Ufergras, schloss die Augen und atmete den herben Geruch von Schlamm und Natur ein. Ich suchte nach dem inneren Funken, jenem warmen, pulsierenden Punkt in meiner Brust, der meine Blütenmagie war. Mit klopfendem Herzen streckte die Hände über das schwarze Wasser aus. „Aperite, flos lunae,“ murmelte ich. Zuerst geschah nichts. Nur das tiefe, melancholische Rufen der Waldkäuze in den naheliegenden Wäldern von Lunastria war zu hören.

Dann begannen meine Fingerspitzen zu glühen – ein sanftes, smaragdgrünes und goldenes Licht, das grell über die Wasseroberfläche schoss. Wo das Licht eine Seerose berührte, riss der Zauber sie auf. Die äußeren dicken Blätter entfalteten sich mit einem leisen, raschelndem Geräusch. Aus dem Inneren der Blüte strömte kein gewöhnlicher Pollen, sondern ein Nebel aus purem, opalisierendem Licht.

Eine Blüte nach der anderen erwachte in allen möglichen Farben: Weiß, blassviolett, tiefes Indigo und glühendes Rosé. Der ganze See verwandelte sich in ein brennendes Meer aus leuchtenden Blumen, aus floralen Sternen. Der Duft, der von ihnen aufstieg, war berauschend – so süß, dass er schwindelig machte. Alizée gluckste auf. Sie streckte ihre Ärmchen nach den tanzenden Lichtpartikeln aus, die wie Glühwürmchen über das Wasser schwebten. Eine winzige, neugeborene Seerosenknospe brach sanft aus dem weichen Boden direkt neben ihrem Fuß hervor und öffnete sich nur für sie. Vivi stieß einen leisen, bewundernden Seufzer aus, während der Glanz des Sees unsere Gesichter erhellte.