Lunastria
Hexenakademie
14.06 – 12.07.2026
- Astrolabium Zodiac
Prompt Juli 2026
05.07.2026 um 09:30 Uhr
Das Flüstern der Rosen: Suche nach einem Funken Hoffnung
Es war einer dieser seltenen stillen Nachmittage in der Akademie. Hazel hatte das Fach Wahrsagen abgeschlossen und auch die Gartenprüfungen erfolgreich beendet. Sie war weit in ihrem Studium gekommen. Nun machte sich eine brennende, neue Hoffnung in ihr breit. Wenn nicht jetzt, wann dann?
Mit klopfendem Herzen hatte sie sich vor ihre Kristallkugel gesetzt, ihren Hexenkristall neben sich, die Hände auf das kalte Glas gelegt und all ihre Magie und Konzentration hineingesteckt. Ein perfektes Pentagramm strahlte golden unter der Kristallkugel. Hazel hatte so sehr gehofft, nun endlich etwas zu sehen – ein Gesicht, eine Silhouette, irgendein Zeichen von Maru.
Nichts… die Kugel blieb starr, kalt und absolut leer.
Trotz der großen Fortschritte war da einfach nichts.
Tief getroffen von dieser schmerzhaften Enttäuschung und dem Gefühl der Ohnmacht hielt Hazel es nicht mehr in ihrem Zimmer aus. Sie nutzte die freie Zeit, um ihre Tante Cybil in deren Arbeitszimmer aufzusuchen.
Seit der Stunde in Wahrsagen, als sie die Technik des Kaffeesatz-lesens gelernt und praktiziert hatte, war Hazel nicht mehr richtig zur Ruhe gekommen. Das Bild aus Citrins Kaffeetasse – diese Rosenknospe – brannte förmlich hinter ihren Augen. Sie musste ihrer Tante davon erzählen.
Professorin Cybil saß an einem schweren Holztisch, umringt von aufgeschlagenen Büchern und alten Karten. Als sie Hazel eintreten sah, strich sie sich eine Locke aus dem Gesicht und lächelte matt.
„Komm und setz dich zu mir“, sagte sie leise und schob eine Tasse Kakao zu ihr herüber.
Hazel setzte sich, umschloss die Tasse mit beiden Händen und starrte eine Weile schweigend auf die dunkle Flüssigkeit. Die Last der letzten Wochen fühlte sich plötzlich tonnenschwer an. Auf ihrer Schulter saß Citrin. Die sonst so stolze Elfe war ganz still und nickte Cybil zu. Sie spürte ganz genau, wie aufgewühlt Hazel im Inneren war, und dies schien auch auf ihr kleines Elfenherz abzufärben.
„Tante… hast du irgendetwas Neues gehört?“, fragte Hazel schließlich mit belegter Stimme. „Gibt es etwas, das du entdeckt hast? Irgendeinen Hinweis, eine Spur?“
Ihre Tante seufzte tief. Sie legte die Feder beiseite und rieb sich frustriert über die Schläfen. „Nein. Ich habe jeden alten Pfad abgesucht, Ratsmitglieder und Professoren befragt, und meine eigene Magie bis an die Grenzen getrieben. Nichts. Es ist, als hätte sich die Erde nach ihr geschlossen. Es ist frustrierend.“ Die sonst so starke Hexe wirkte in diesem Moment selbst hilflos.
Hazel schluckte schwer. Eine Träne stieg in ihr auf, die sie mühsam zurückhielt. „Ich habe Angst.“, gestand sie leise, und ihre Stimme zitterte. „Ich habe Angst, dass ich den Weg zu ihr niemals finden werde. Dass ich nicht stark genug bin. Ich weiß einfach nicht weiter.“
Ihre Tante blickte sie voller Mitgefühl an und legte tröstend eine Hand auf Hazels Arm. „Was bedrückt dich noch? Da ist doch noch etwas. Sonst wärst du jetzt nicht hier.“
Hazel atmete tief durch und erzählte von der Unterrichtsstunden in Wahrsagen. „Wir haben Kaffeesatz gelesen. Und ich habe eine Rosenknospe darin gesehen. Keine vage Form, sondern eine perfekte, wunderschöne Knospe. Ich war völlig ehrfürchtig vor diesem Anblick… aber es macht mir auch Angst.“
Ihre Tante hob überrascht die Augenbrauen. Als erfahrene Hexe begriff sie sofort. „Die Rosenknospe… Das Schicksal ruft dich in den Rosengarten, Hazel. Es ist Zeit für dein Hexenkind.“
„Ich weiß“, erwiderte Hazel leise, und ein schwerer Seufzer entwich ihrer Brust. Sie blickte auf ihre Hände. Natürlich wusste sie, was der Rosengarten bedeutete. Jede Hexe an der Akademie sehnte diesen Tag herbei. Doch Hazel fühlte sich der Verantwortung im Moment kaum gewachsen.
Citrin schmiegte sich tröstend an Hazels Wange, als wollte sie ihr sagen, dass sie nicht allein war.
„Ich habe so unendlich großen Respekt davor.“, gab Hazel offen zu, und die Sorge stand ihr ins Gesicht geschrieben. „Ein Hexenkind aufzunehmen ist eine Lebensaufgabe. Ich soll für jemanden verantwortlich sein, ihn leiten und beschützen… während ich selbst im Inneren völlig zerrissen bin? Ich verstehe einfach nicht, wie mir das helfen soll. Wie soll mir ein kleines Kind dabei helfen, Maru zu finden? Es fühlt sich an, als würde ich mir eine Last aufbürden, die mich nur noch mehr ablenkt.“
Ihre Tante sah sie lange an, dann beugte sie sich ein Stück vor und nahm Hazels Hände fest in ihre.
„Ich verstehe deine Angst. Aber du siehst es aus der falschen Perspektive“, sagte sie mit sanfter, aber bestimmter Stimme. „Ein Hexenkind ist keine Last. Und seine Magie funktioniert völlig anders als unsere. Wir Erwachsenen suchen mit Logik, mit alten Sprüchen und bekannten Pfaden. Aber genau diese Wege sind für uns im Fall von Maru blockiert. Die Magie eines Kindes jedoch ist rein, unverbraucht und wird von reinen Urinstinkten geleitet. Sie sehen Verbindungen und Fäden in der Welt, für die wir schon längst blind geworden sind.“
Sie drückte Hazels Hände sanft, um ihr Halt zu geben. „Wenn du in den Rosengarten gehst und dir deine Rosenblüte aussuchst, tust du das nicht nur für dich. Dieses Kind könnte genau der Schlüssel sein, den wir so dringend brauchen. Seine Magie kann uns ganz neue Wege zeigen, um Maru zu finden – Wege, an die wir im Traum nicht gedacht hätten. Vertraue dem Ruf der Rose. Du musst diesen Weg nicht allein gehen.“
Ein sanfter Schauer lief Hazel über den Rücken. Die lähmende Angst vor der großen Aufgabe wich nicht ganz, aber sie verwandelte sich in etwas anderes: in einen ersten, zarten Funken von neuer Hoffnung. Citrin hob sachte den Kopf, spürte den Umschwung von Hazels Gefühlen. Die Rosenknospe im Kaffeesatz war keine Warnung – sie war eine Einladung.
Hazel hatte endlich wieder eine Fährte.













