Lunastria
Hexenakademie
14.06 – 12.07.2026
- Astrolabium Zodiac
Prompt Juli 2026
12.07.2026 um 09:25 Uhr
Solo auf Bresea
Als Mandragora die Gruppen einteilte, bat Hazel darum, die Prüfung alleine ablegen zu dürfen. Sie vertraute auf ihr Gespür für die Natur und wollte sich ganz auf die Schwingungen der Pflanzen konzentrieren. Mandragora nickte streng und händigte Hazel das Kartenfragment für das wohl anspruchsvollste Suchgebiet aus: Die Insel Bresea, weit südlich des Schlosses.
Schon beim Flug schlug Hazel und Citrin ein rauer, heißer Wind entgegen. Bresea war bekannt für sein extremes, stürmisches Klima und seine unberechenbare Fauna. Kaum hatte Hazel den Fuß auf den sandigen Boden der Insel gesetzt, spürte sie die drückende Hitze. Citrin hielt sich dicht bei Hazel, während der Wind an ihren Haaren riss.
Hazel entrollte das Kartenfragment. Das Peprit-Kraut war tückisch – es veränderte jedes Jahr seinen Standort. Dieses Jahr schien es die extremen Bedingungen der Insel zu suchen.
Während sie sich durch das dichte, exotische Unterholz kämpfte, begegneten ihr seltsame Wesen: schillernde Gluthopser, die wie riesige, funkelnde Heuschrecken von Ast zu Ast sprangen. Der Sturm rüttelte an den Bäumen, und die heiße Luft erschwerte das Atmen.
Hazel schloss für einen Moment die Augen, um die Hitze auszublenden. Sie erinnerte sich an Professorin Rosellas Worte über Melodiemagie und Lyra Brandston: Pflanzen reagieren auf Schwingungen. Hazel kniete sich in die Erde, legte die Hände auf den Boden und sandte einen feinen, harmonischen Magie-Impuls durch die Erde – eine stumme Melodie des Wachstums.
Plötzlich ertönte über ihr ein lautes Krächzen. Auf einem Ast saß ein prächtiger Funken-Papagei – ein stolzer Inselvogel mit einem Gefieder, das in feurigem Rot und Orange leuchtete. In seinem kräftigen Schnabel hielt er neugierig eine Pflanze mit herzförmigen, leicht silbrig schimmernden Blättern. Das Peprit-Kraut!
Doch bevor Hazel reagieren konnte, schoss ein Jäger aus dem Nichts herab: ein wilder Aschen-Falke, die Augen voller Jagdlust, die scharfen Krallen direkt auf den bunten Papagei gerichtet. Erschrocken flatterte der Funken-Papagei auf, verlor das Kraut aus dem Schnabel und drohte, von den Krallen des Falken erfasst zu werden.
Hazel zögerte keine Sekunde. Sie wollte das Kraut, aber sie durfte den unschuldigen Vogel nicht sterben lassen! „Citrin, lenk den Falken ab!“, rief sie.
Die Elfe reagierte blitzschnell. Mit einer fließenden Handbewegung zeichnete Citrin ein leuchtendes, unterstützendes Siegel in die Luft – ein dezenter Schutzzauber, der sich wie ein energetischer Schild kurz vor die Flugbahn des Falken legte und den Raubvogel irritiert abprallen ließ.
Gleichzeitig griff Hazel nach ihrem Siegelstein. Sie bündelte ihre gesamte Magie, konzentrierte sich auf den abstürzenden, panischen Papagei und rief: „Lunae Lucens – Protectum!“
Ein warmer, goldener Lichtstrom schoss aus ihrem Siegelstein und formte eine schimmernde Barriere in der Luft. Die Barriere fing den verängstigten Funken-Papagei sanft auf, hüllte ihn schützend ein und hielt den wilden Falken auf Distanz.
Während ihre linke Hand die Barriere mit purer Willenskraft aufrechterhielt, hechtete Hazel mit der rechten Hand nach vorne. Das silbrige Peprit-Kraut wirbelte durch den Wind zu Boden – Hazel fing es Sekunden vor dem heißen, sengenden Sand ab.
Der Falke erkannte, dass seine Beute unerreichbar war, drehte ab und verschwand in den Wolken. Hazel löste die Barriere auf. Der Funken-Papagei landete dankbar auf einem Ast, stob ein paar freudige Funken aus bevor er im Dickicht Schutz suchte.
Mit zitternden Händen bettete Hazel das seltene Peprit-Kraut in ein feuchtes Tuch und verstaute es sicher in ihrer Tasche. Sie spürte sofort die kühlende, minzartige Energie, die von der Pflanze ausging.
Als Hazel erschöpft, aber mit leuchtenden Augen und völlig verschwitzt zum Sammelplatz am Strand zurückkehrte, trat Mandragora auf sie zu. Sie warf einen prüfenden Blick in Hazels Tasche, und ein seltenes, stolzes Lächeln stahl sich auf das Gesicht der strengen Professorin.
Hazel hatte nicht nur die Prüfung bestanden, sondern bewiesen, dass sie das Herz einer wahren, mächtigen Hexe besaß.













