Lunastria

Hexenakademie

Zuletzt eingetragen am:
28.06.2026 um 08:20 Uhr
21 Juni, 2026| Nyx| |
Picknick im Frühling

Der Geruch von frisch gemähtem Gras wirbelte auf, als ich die große Picknickdecke über die Wiese schwenkte. Einmal, zweimal, beim dritten Versuch landete sie gerade auf dem Boden. Naja, halbwegs.

„Gut genug!“, verkündete ich und stemmte die Hände in die Hüften.

Jinx, die neben mir schwebte, legte den Kopf schief und zog eine blonde Strähne aus ihrem Zopf.

„Die Ecke da hinten ist komplett umgeknickt.“

„Das ist künstlerische Absicht.“

„Das ist ein Knubbel.“

Ich schnaubte, ging in die Knie und zog die Ecke glatt. Der Stoff war weich und roch nach Lavendel und eine wohlige Wärme, weil ich ihn gestern Nacht noch auf die Fensterbank gelegt hatte. Vorausplanung! Zumindest bei der Decke. Beim Rest…

„Also!“ Ich klatschte einmal in die Hände und sah zwischen meinem kleinen Grüppchen hin und her. „Wir haben: Brot, Käse, die Erdbeeren vom Markt, Kräuterbutter, Honigkekse und…“ Ich kramte in der Tasche. „…drei verschiedene Marmeladen, weil ich mich nicht entscheiden konnte.“

Jinx flog zum Korb und spähte hinein. „Himbeer, Aprikose und Rosenblüte.“

„Ich wollte eigentlich nur eine mitnehmen. Dann dachte ich, was wenn jemand keine Himbeere mag? Und dann stand die Rosenblütenmarmelade da und hat mich angesehen.“

Niji, die auf meiner Schulter gesessen hatte, flatterte plötzlich los und landete direkt neben dem Glas mit der Rosenblütenmarmelade. Ihre kleinen Hände tippten aufgeregt gegen das Glas und ihre lila Augen leuchteten.

„Die! Die! Die!“, quietschte sie und drückte ihre Wange daran.

„Siehst du?“, grinste ich Jinx an. „Niji versteht mich.“

Jinx verdrehte die Augen, aber ein Lächeln zupfte an ihren Mundwinkeln.

Während Jinx anfing, die Teller zu verteilen (ordentlich, mit gleichmäßigem Abstand, weil sie so war), kümmerte ich mich um Aki. Mein kleines Hexenbaby saß mitten auf der Decke, die weißen Haare in alle Richtungen abstehend wie immer, und versuchte mit großer Konzentration, eine Serviette zu falten. Es sah aus wie ein zerknüllter Stern. Oder war es doch eine Blüte? Schwer zu sagen.

„Was wird das, Schätzchen?“, fragte ich und hockte mich neben sie.

„Blume!“, erklärte Aki mit absoluter Überzeugung.

Ich betrachtete das Knäuel. Na klar ist das eine Blume. Ich küsste ihren Haarschopf und er kitzelte an meiner Nase. „Die schönste Blume auf der ganzen Wiese.“

Aki strahlte und legte ihre Kreation feierlich neben einen Teller.

Niji hatte inzwischen beschlossen, die Erdbeeren zu dekorieren. Und das hieß: sie stapelte sie zu einem kleinen Turm, der sofort umkippte, woraufhin sie frustriert piepste und von vorne anfing. Beim dritten Versuch half ich ihr mit einem winzigen Rankenzauber; kaum ein Flüstern, nur genug, damit ein zartes Blatt die unterste Erdbeere an Ort und Stelle hielt.

„Tada!“, sang Niji und klatschte in die Hände, als der Turm endlich stand. Drei Erdbeeren hoch. Es war wahrlich ein Meisterwerk.

Der Wind wehte und brachte einen Schwall Blütenblätter von den Kirschbäumen am Rand des Gartens mit. Sie segelten über unsere Decke wie rosa Konfetti und eines landete direkt in Akis Haaren. Sie schielte nach oben, griff danach und hielt es hoch.

„Issen Schmetterling?“

„Fast“, lachte ich. „Ein Blütenblatt.“

„Mein Schmetterling.“, entschied Aki und klemmte es sich hinter ein Ohr.

Jinx schnitt derweil das Brot in gleichmäßige Scheiben, bestrich jede einzelne sorgfältig mit Kräuterbutter und ordnete sie fächerförmig auf dem Holzbrettchen an. Ich beobachtete sie einen Moment und stützte mein Kinn in die Hand.

„Du weißt, dass wir das einfach essen und nicht ausstellen, oder?“

„Das Auge isst mit.“, erwiderte Jinx trocken, ohne aufzusehen.

Dagegen ließ sich wenig sagen, also widmete ich mich meiner eigenen großen Aufgabe: den Getränken. Ich hatte Zitronenwasser mit Minze vorbereitet und goss es in die kleinen Becher. Für Aki den Holzbecher mit den blauen Sternen, ihr Liebling, und für die Elfen die winzigen Tässchen, die ich letzten Monat auf dem Markt gefunden hatte.

Als alles fertig war, setzte ich mich zurück und betrachtete unser Werk. Die Decke mit dem Knubbel in der Ecke, Akis Servietten-Blume, Nijis Erdbeerturm, Jinx‘ perfekt angerichtetes Brot und überall Kirschblütenblätter, die der Frühlingswind über uns streute. Nicht schlecht für unsere kleine Gruppe.

„So!“, verkündete ich und hob meinen Becher. „Auf uns und auf den Frühling!“

„Fühling!“, echote Aki und stieß ihren Sternenbecher gegen meinen. Zitronenwasser schwappte über ihre Finger, aber sie lachte vergnügt.

Jinx hob ihr Tässchen mit einem stillen Lächeln. Niji tat es ihr gleich, verschüttete die Hälfte und kicherte. Ich biss in mein Brot und ja, Jinx hatte Recht; schön angerichtet schmeckte tatsächlich besser! Ich lehnte mich zurück ins Gras, während Aki neben mir eine Erdbeere mit beiden Händen festhielt und reinbiss, als wäre es die wichtigste Aufgabe der Welt.

Manchmal brauchte es gar nicht viel. Nur eine schiefe Decke, zu viel Marmelade und die richtige Gesellschaft.