Lunastria
Hexenakademie
14.06 – 12.07.2026
- Astrolabium Zodiac
Prompt Juni 2026
29.06.2026 um 15:45 Uhr
Der Wolpertinger 🦌🐇
Das Licht des Häschenmonds taucht das Schulgelände in ein silbrig-blaues Schimmern, als ich mich allein auf den Weg zum Waldrand mache.
Alle reden stets über die Tradition, einen Wolpertinger zu fangen, aber ich weiß: Mit roher Kraft oder Schnelligkeit kommt man bei diesen Wesen nicht weit. Sie sind flink wie der Wind und spüren jede feindselige Absicht.
„Na los, Élodie“, flüstere ich mir selbst zu.
Ich suche mir eine kleine Lichtung, auf der das Mondlicht besonders hell auf das Moos fällt. Ein Wolpertinger lässt sich nicht jagen – man muss ihn einladen. Ich knie mich hin und lege meine Hände flach auf den Boden. Ich schließe die Augen und lasse meine Blütenmagie ganz sanft in die Erde fließen.
Unter meinen Fingern beginnt es zu beben. Langsam, fast wie im Zeitlupentempo, lasse ich seltene Mondviolen aus dem Boden sprießen.
Diese Blumen blühen nur durch meine Magie und verströmen einen süßen, berauschenden Duft, der wie eine unsichtbare Wolke durch die kühle Nachtluft schwebt.
Das ist mein Köder.
Ich ziehe mich in den Schatten einer alten Weide zurück und mache mich ganz klein. Ich warte. Minuten vergehen, die sich wie Stunden anfühlen. Dann höre ich es: ein leises Rascheln, das Flattern kleiner Flügel und das Scharren von Pfoten.
Da ist er! Ein prachtvoller Wolpertinger mit glänzendem Fell und einem winzigen Geweih, das im Mondlicht schimmert. Er ist unglaublich nervös, seine Nase zuckt ununterbrochen.
Er nähert sich meinen magischen Blüten, angelockt von dem Duft, den nur meine Magie erzeugen kann.
Jetzt muss ich vorsichtig sein. Wenn ich jetzt zuspringe, ist er weg, bevor ich blinzeln kann.
Stattdessen lasse ich meine Magie wie einen feinen Nebel aus Blütenpollen aufsteigen. Ganz langsam und sacht hüllen die schimmernden Pollen das Tierchen ein.
Die Pollen meiner Schlafmohn-Variante wirken sofort: Der Wolpertinger wird langsamer, seine Augenlider werden schwer. Er knabbert noch einmal kurz an einer Lilie, dann rollt er sich inmitten meines künstlichen Blumenbeets zusammen und schlummert friedlich ein.
Ich trete leise aus dem Schatten hervor. Mein Herz klopft wie verrückt.
Ganz vorsichtig hebe ich das kleine, warme Bündel hoch. Er ist weicher, als ich es mir vorgestellt habe.
„Hab dich“, flüstere ich stolz. Mit dem schlafenden Wolpertinger im Arm mache ich mich auf den Rückweg zur Schule, während der Häschenmond über mir wacht.














