LUNASTRIA HEXENAKADEMIE

30 März, 2026| élodie| |

Literaturclub – Quest für Rang 2 
Verwende diese Begriffe in einer Geschichte: Frosch, Blume, Wolke, Baumhaus.

***

Die Sonne war gerade erst über dem Flüstertal aufgegangen, als ich die hölzernen Fensterläden unseres Baumhauses aufstieß. Das Haus war in die Krone einer uralten, silberrindenen Eiche gebaut. Vivi, meine kleine Blütenelfe, flatterte verschlafen aus ihrem Bettchen – einer ausgehöhlten Pfingstrose – und hinterließ eine Spur aus glitzerndem Pollenstaub in der Luft.

„Heute ist der Tag, Vivi!“, rief ich voller Vorfreude. „Die Prüfung in Blütenmagie steht an, und wir müssen das perfekte Elixier für die Hexenpost vorbereiten.“

Vivi kicherte und setzte sich auf meine Schulter. Ihr Kleidchen aus zarten Rosenblättern leuchtete im Morgenlicht. Mein Blick fiel auf den Tisch, auf dem meine wichtigste Zutat stand: eine seltene, tiefblaue Blume, die nur im Mondschein ihre volle Kraft entfaltete. Doch als ich näher herantrat, erschrak ich. Die Blüte hängte schlaff den Kopf. Sie brauchte dringend magisch gereinigtes Wasser, sonst würde sie verwelken.

„Wir müssen zum schimmernden Teich“, entschied ich. Wir stiegen die gewundene Strickleiter von unserem Baumhaus hinunter und eilten durch das hohe Gras. Am Ufer trafen wir auf einen alten Bekannten: Barnabas, der Frosch. Barnabas war kein gewöhnlicher Lurch; er trug eine winzige, goldene Brille auf seiner breiten Nase und galt als Wächter der Gewässer im Tal.

„Guten Morgen, Élodie. Guten Morgen, kleine Vivi“, quakte er bedächtig. „Ihr sucht wohl nach dem reinsten Wasser? Aber schaut nach oben – das Schicksal meint es heute nicht gut mit euch.“

Ich legte den Kopf in den Nacken. Eine einzige, dicke, dunkle Wolke stand stur direkt über dem Teich und blockierte jedes Fünkchen Sonnenlicht, das für die Aktivierung der Wassergeister nötig gewesen wäre. Ohne dieses Licht blieb das Wasser gewöhnlich und nutzlos für meine Blütenmagie.

„Die Wolke ist magisch aufgeladen“, erkannte ich mit einem Seufzer. „Sie will nicht weichen.“

Vivi zog an einer meiner Haarsträhnen und deutete auf meine Tasche. „Natürlich!“, rief ich. „Die Blütenmagie wirkt nicht nur an der Pflanze selbst, sondern durch sie hindurch.“ Ich zog meinen Zauberstab und konzentrierte mich. Ich stellte mir vor, wie die Kraft der Blume in meinem Baumhaus nach oben strebte, wie sie sich dem Licht entgegenstreckte.

„Floris Volatilis!“, rief ich und vollführte eine elegante Schleife in der Luft.

Ein Wirbel aus pinkfarbenen Blütenblättern schoss aus der Spitze meines Stabes empor. Sie tanzten wie ein Schwarm Schmetterlinge hinauf zur dunklen Wolke. Anstatt sie zu vertreiben, begannen die magischen Blütenblätter, die Feuchtigkeit der Wolke aufzusaugen und sie in duftenden Blütenregen zu verwandeln. Barnabas, der Frosch, hüpfte beeindruckt zur Seite, als der Teich plötzlich in einem sanften Rosa zu leuchten begann.

Ich füllte mein Kristallfläschchen mit dem nun magisch aufgeladenen Wasser. Zurück im Baumhaus reichte ein einziger Tropfen, und die blaue Blume richtete sich stolz auf, ihre Blätter schimmerten nun silbern.

„Geschafft, Vivi!“, jubelte ich glücklich.

Ich schrieb schnell meinen Bericht, siegelte das Fläschchen mit Wachs und rief nach der Hexenpost. Ein Rabe mit einer kleinen Kuriertasche landete auf dem Geländer.

„Für die Akademie“, sagte ich und reichte ihm das Paket. Mit einem kräftigen Flügelschlag verschwand er am Horizont. Meine Prüfung war auf dem Weg.